03:44 21 September 2017
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    Popsängerin Helene Fischer und Spieler des Bundesteams (Archivbild)

    DFB: Diktator ohne Volk – Fußball und nicht Helene Fischer

    © AP Photo/ Jens Meyer
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    Müllers EM Blog
    von Müller und über Fußball
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    Selten waren sich zwei rivalisierende Lager so einig wie am Samstag im Berliner Olympiastadion: Im Pokalfinale pfiffen Frankfurter und Dortmunder Fußballfans den Pausenauftritt von Helene Fischer unisono nieder. Dabei war die Schlagersängerin nur der blonde Prellbock für den DFB, findet Müller.

    „Es wurde und wurde nicht besser“, Müller regt sich immer noch auf. „Am Ende war alles – bis auf das Spiel – einfach beschissen.“ Er lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Helene Fischer machte den Auftakt. Beim Auftritt der Schlagerstars, dessen nationaler Erfolg außerhalb der Bundesrepublik für Kopfschütteln und Entsetzen sorgt, gerieten vor allem die Toningenieure der ARD außer Atem. Sie mussten die von leidenschaftlicher Abneigung getragenen Pfiffe der Zehntausenden Stadionbesucher herausfiltern, damit wenigstens die Fernsehzuschauer den blonden Engel nicht nur sehen, sondern auch hören konnten.

    DFB denkt: Helene Fischer ist der heißeste Scheiß

    Der DFB mag denken: Hey, Helene Fischer ist der heißeste Scheiß in Deutschland, Millionen kaufen ihre Platten, gehen auf Konzerte und sehen ihre TV-Shows – es muss gut sein, sie in der Halbzeitshow zu haben, basta! Die Amerikaner machen es doch auch so! Die Fans sind undankbar und haben keinen Respekt.

    Aber ist es andersherum: Der DFB muss sich fragen: Ist es vielleicht von uns respektlos oder ignorant zu glauben, dass es eine gute Idee ist, Helene Fischer während eines Pokalspiels auftreten zu lassen? Dabei geht es gar nicht um Helene Fischer oder um Musikgeschmack. Einige der Leute, die am Samstag gepfiffen haben, werden mit Sicherheit auf der nächsten Hochzeitsparty zu „Atemlos“ abgehen. Ist das ein Widerspruch?

    Nein! Denn es geht nicht um Helene Fischer. Es geht um das Saubermann-Image des Fußballs. Nach außen ist alles glatt wie ein mit Nivea-Schaum rasiertes Bundestrainer-Kinn oder eine Werbung für alkoholfreies Bier aus Bitburg. Nivea, alkoholfreies Bier aus Bitburg, Helene Fischer – das ist der Fußball, den DFB-Manager Oliver Bierhoff malt und der zweifellos ohne Ende Geld bringt. Das funktioniert so lange, wie man das Spiel unberührt lässt. Zum Spiel gehören aber auch die Halbzeit und die Siegesfeier. Da ist kein Platz für Helene Fischer. Beim Fußball geht es um Schweiß, um Dreck am Trikot und den Knien, um Blutgrätschen, Tore, Enttäuschung, Jubel und Verrat. Das einzige, was perfekt sein darf, ist ein Schuss, ein Dribbling oder eine Grätsche. Der DFB ignoriert das. Die Pfiffe sind Protest der Fans gegen die Bevormundung: Da, nehmt Helene Fischer! Nehmt diese seltsam choreographierte Siegerehrung mit den seltsamen Mädchen in Gold und der noch seltsameren Musik! Singt zum Feiern genau diese beiden Songs, BVB-Fans!

    Fußballfans wollen selber entscheiden, wann sie was singen“, denkt Müller. „Fußball ist Freiheit“, sagt er leise und öffnet sein Bier. Er schaut auf das Etikett: 5,0 Promille Alkohol. Müller grinst, hebt die Flasche und sagt laut: „Auf den Fußball!“