03:45 21 November 2017
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    Würfel (Symbolbild)

    Zauberwürfel

    CC0
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    von Eardwulf
    110810

    Wenn wir eine Demokratie sein wollen - dann brauchen wir den gelösten Würfel.

    Es existiert die Vorstellung, dass unsere Regierung zwar Daten sammelt, diese aber so gewaltig und umfangreich sind, dass sie nicht ausgewertet werden könnten. Eine schöne Vorstellung, lasst uns sie mit noch mehr Daten füttern.

    Die Wahrheit ist, dass das nicht stimmt.

    Seit Jahren, bereits lange vor dem Zeitalter des Internets in Deutschland, existieren Technologien, die aus einem Wulst von Daten jene gesuchten Informationen herausfiltern(Selektieren) können, die benötigt werden. So half bereits 1933 das Unternehmen IBM der Regierung Adolf Hitlers Menschen zu kategorisieren.

    Um sich das Vorzustellen, wird in der IT, damals noch EDV genannt, auf ein sogenanntes OLAP Modell zurück gegriffen. Verkürzt beschrieben, handelt es sich um einen riesigen Würfel, in dem man jedwede Daten sammelt. Um nun die gesuchte Information aus diesem riesigen Topf an Daten zu extrahieren, wird nicht der Würfel geändert sondern der Blickwinkel auf den Würfel.

    Übersetzt, man sammelt aus dem gro an Daten, nur die, für die Suche, relevanten Informationen heraus. So verhält es sich auch mit der medialen, uns vermittelten, Wahrheit. Die Wahrheit ist in Wirklichkeit ein Würfel, angefüllt mit Informationen, sie hat, wie ein Würfel, viele Seiten. Nur anders als beim OLAP-Würfel, ähnelt sie mehr einem Zauberwürfel und jeder Ausschnitt beinhaltete eine andere fragmentierte Wahrheit.

    Den Blickwinkel auf diese Ansammlung von Informationen, selektieren, sortieren und vermitteln uns Journalisten — das ist ihr Job(oder sollte es zumindest sein). Was aber passiert, wenn diese Gatekeeper oder Selektoren nur noch eine, ihre Sicht auf die Dinge des Weltgeschehens vermitteln? Dann wird der Zauberwürfel nie zusammengesetzt und wir erhalten keine in sich konsistenten Bilder. Diese werden aber benötigt, damit wir uns eine Meinung zu den jeweiligen Entscheidungen, unserer demokratisch gewählten Vertreter, bilden können. Das ist Grundvoraussetzung für eine demokratische Gesellschaft. Dem Bürger wird seine Stimme genommen, wenn die Selektoren ihm die Mittel zur Meinungsbildung entziehen!

    Nehmen wir ein Beispiel: Staaten in der EU, allen voran Deutschland, sind darauf fixiert, aus dem Wirtschaftskonglomerat EU, einen echten Staat, nach Vorbild der vereinigten Staaten von Amerika, zu bilden. Das ist schön und gut, aber was Wissen wir eigentlich über die anderen 27 EU-Staaten? Nichts! Es wird immer wieder auf Nordkorea oder China verwiesen, wenn es darum geht, auf die mediale Abschottung gegenüber anderen Staaten aufmerksam zu machen, dabei sind wir in der EU nicht eine Deut besser. Dank Sprachbarriere und fehlender publizistischer Übersetzungen kennen wir die Staaten, mit denen wir zu einem "Superstaat" verschweißt werden sollen, nicht — und sie uns auch nicht.

    Wir wissen quasi nichts, weder kennen wir die jeweiligen nationalen Gepflogenheiten, noch sprechen wir eine gemeinsame Sprache und die Selektoren vermitteln uns nur die Bilder, von denen sie meinen, dass wir sie wissen sollten.

    Ähnlich verhält es sich mit Konflikten globales Ausmaßes, die uns alle Bedrohen, sei es Afghanistan, sei es Syrien, Libyen, Irak oder Jemen. Uns wird nie, von keiner Seite, der gelöste Rubik’s Cube vermittelt, es werden — je nach vorherrschendem Gusto — nur genehme Fragmente extrahiert.

    Wahrheit kann weh tun und manchmal muss sie das sogar.

    Wie können wir uns angesichts dessen, noch auf eine Demokratie — die exportiert gehört — berufen? Was wir brauchen, ist kein Maas, der uns eine Schere, wie zu Adolfs Zeiten — die Blockwarte — in den Schädel treibt.

    Wenn wir eine Demokratie sein wollen — dann brauchen wir den gelösten Würfel.

    Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

     

    Tags:
    Demokratie, Nordkorea, Deutschland, China
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