17:50 23 November 2017
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    Tiroler Landsturm 1809 von Joseph Anton Koch

    Andreas Hofer. Zum 250. Geburtstag des Tiroler Volkshelden

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    von Rainald Sensbach
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    Die Tiroler verehren ihn.

    Ganz gleich, ob sie seiner im österreichischen Bundesland Tirol oder  im von Italien 1918 annektierten und ihm im Schandvertrag von St.Germain-en-laye 1919 zugesprochenen südlichen Landesteil, der Autonome Provinz Bozen-Südtirol,  aus Anlass seines 250. Geburtstags gedenken: Andreas Hofer gilt ihnen als Volksheld gemeinhin. Selbst in der benachbarten Provincia Autonoma di Trento genießt Hofer über die in den in den letzten Jahren wieder entstandenen Kompanien des Welschtiroler Schützenbundes hinaus gewissermaßen als „Urvater der Autonomie des Trentino“  Verehrung.

    Woher dies rührt? Vor allem ist der Name Hofers mit dem Volksaufstand gegen den napoleonisch- bajuwarischen Usurpator verbunden. In die Wiege war ihm dies nicht gelegt worden. Andreas Nikolaus Hofer, vulgo Hofer Andrä,  wurde am 22. November 1767 als jüngstes von sechs Kindern am Sandhof im Passeiertal geboren. Die Mutter starb 1770, woraufhin der Vater neuerlich heiratete. Als auch er 1774 starb, erbte Andreas, der einzige Sohn, Hof und Wirtshaus;  aus des Vaters beiden Ehen waren „nur“ drei Schwestern sowie eine Stiefschwester  hervorgegangen. Von seinem 20. Lebensjahr  an war Andreas nun „der Sandwirt“, bei dem Wanderhändler  ebenso einkehrten wie Fuhrleute, die von Norden nach Süden (vice versa) unterwegs waren und in seinem Stall Zugochsen und Rösser unterstellten. Der Weg von Sterzing über den Jaufenpass durch das Passeiertal nach Meran galt damals als wichtige Teilstrecke auf der für den transalpinen Handel bedeutenden  Brennerroute. 

    Mehr noch denn als Bauer und Wirt – er hatte 1789 die um zwei Jahre ältere Anna Gertraud Ladurner aus Algund geheiratet und mit ihr sechs Mädchen und einen Sohn gezeugt — betätigte sich Hofer  als Händler. Meist bezog er Vieh aus dem ungarischen Reichsteil. Auf dem Rückweg durchs Inntal nahm er aus der Saline Hall Salz mit, damals ein mitunter in Gold aufgewogenes Gut. Sodann handelte er mit Pferden, Ochsen, Kleinvieh, Wein und Branntwein.  Diese Geschäfte betrieb er vor allem mit den „Walschen", wie Italiener bisweilen heute noch  genannt werden, den Bewohnern des  trientinischen Teils des  Habsburgerkronlands Tirol. Dabei kam ihm zugute, dass er sich nach dem Volksschulbesuch – Kaiser Josef II. hatte 1774 in allen Erblanden die Schulpflicht eingeführt – in ebenjenem benachbarten Welschtirol als Knecht und Dienstbote verdingt und sich  das dort gängige italienische Idiom angeeignet hatte.

    Öfter unterwegs denn daheim, war Hofer über die Lage im von Napoleon bedrängten Habsburgerreich sowie über die Stimmung in seiner von dessen  bayerischen Vasallen unmittelbar bedrohten Heimat bestens im Bilde. Erstmals  kämpfte er als Korporal in einer Meraner Schützenkompanie 1796  gegen französische Truppen, die von Oberitalien aus gen Tirol vorrückten. Danach stellte seine heimatliche Talschaft  eine eigene Kompanie auf, in welcher  der Sandwirt  als „Oberleutnant vom Schießstand Passeier" fungierte. 1797  führte er als Hauptmann eine Landsturmkompanie nach Meran, rückte gegen das oberhalb von Bozen gelegene Jenesien vor und nahm  an Gefechten teil, die die Franzosen zum Ausweichen nach Brixen  zwangen.

    Von  1806 an gehörte Tirol  zu Bayern. Die wirtschaftliche Lage  spitzte sich zu, was besonders Händler und Wirte zu spüren bekamen.  Zusammen  mit seinen bedeutendsten Mitstreitern  — Josef Speckbacher, seine „rechte Hand", sowie Peter Mair, „Wirt an der Mahr“ – schmiedete Hofer Aufstandspläne und weihte vertraute Geschäftspartner im ganzen Land ein. Im Passeiertal, im Vinschgau, im Etschtal sowie am Nonsberg und am Sulzberg verschafften sie sich Bundesgenossen. Anfang April 1809 setzte ein einfacher Haufen Bauern auf Hofers Appell hin zwei bayrische Kompanien in Sterzing fest. Auch in Welschtirol fanden seine Aufrufe Anklang: Aufständische, unter ihnen Passeirer Schützen, eroberten Trient, woraufhin die Franzosen bis zur südlichen Landesgrenze zurückweichen mussten.

    Nach Scharmützeln  deutsch- und welschtiroler Schützen Anfang Mai 1809 gegen französische Einheiten  im Etschtal kam es zur Monatsmitte zu ersten Gefechten am Bergisel. Unmittelbar davor hatte Hofer ein Aufgebot von 5000 gut bewaffneten Schützen gen Norden geführt. Dessen erstes Aufeinandertreffen mit bayerischen Verbänden endete mit einem Sieg der Tiroler. Ein weiteres Gefecht am 29. Mai brachte keine Entscheidung; gleichwohl zogen die Bayern  ins Unterinntal ab.

    Mitte Juli 1809 wurde Hofer, Kommandant der Wehrverbände des südlichen Tirol, zum Oberkommandanten  des ganzen Landes ernannt. Am 13. August kam es zur dritten Bergisel-Schlacht, welche wegen Erschöpfung und Munitionsmangel auf beiden Seiten ohne Entscheidung endete. Dennoch feierten die Tiroler  ihren „Sieg". Zwei Tage danach übernahm der Sandwirt im Namen des Kaisers die Regierung in Tirol und zog als „Landesregent" in die Innsbrucker Hofburg ein; seine Landsleute akzeptierten ihn als einen der ihren und ordneten sich ihm unter.

    Doch Wien ließ ihn im Stich, wie Hofer und seine Getreuen es empfanden. Unmittelbar  nach dem mit der Verheiratung seiner Tochter Maria Luise  besiegelten Friedensschluss  des Kaisers Franz I. mit Napoleon (14. Oktober 1809) verließ  „Landesregent Hofer" die Hofburg und war entschlossen,  sich zu unterwerfen.  Doch er ließ sich umstimmen und rief seine Tiroler neuerlich zu den Waffen. Das letzte Gefecht am Bergisel endete am 1. November mit der völligen Niederlage. Hofer  musste sich daraufhin verborgen halten, da auf seinen Kopf ein beträchtliches Lösegeld ausgesetzt ward. Verraten von einem Landsmann wurde er dann am 28. Januar 1810 verhaftet und nach Mantua überstellt. Dort wurde er am 20. Februar 1810  füsiliert.

    Die Fama besagt,  Hofer habe  nach zwölf Schüssen des aus sechs Soldaten bestehenden Exekutionskommandos noch ausgerufen  „Ach, wie schießt ihr schlecht"! Woraufhin ihn dessen befehligender Offizier mittels Kopfschusses vom Leben in den Tod befördert habe.  Julius Mosen nahm die Sentenz in die abschließende 6. Strophe seines 1831 verfassten Gedichts „Zu Mantua in Banden“ auf, das Leopold Knebelsberger 1844 vertonte und seit 1948 als „Andreas-Hofer-Lied“ die gesetzlich fixierte Tiroler Landeshymne ist. 1823 bargen fünf österreichische Kaiserjägeroffiziere unter Führung des Freiburgers  Georg Hauger in Mantua insgeheim Andreas Hofers Gebeine und verbrachten sie nach Innsbruck, wo sie seitdem in der Hofkirche ruhen. Markante Denkmäler in allen Teilen des alten Tirol zeugen von seinem Ruhm; und  Landesfeiern, die im Abstand von jeweils 25 Jahren  in Erinnerung an 1809 begangen werden, tragen Volksfestcharakter.

    Tags:
    Held, Kampf, Unabhängigkeit, Südtirol, Österreich, Frankreich
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