16:08 21 Oktober 2018
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    Mural mit der Abbildung von prominenter Punk-Band aus den 80-ern The Ramones

    Polit-Popper

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    Profilbild Daniel Witzeling
    von Daniel Witzeling
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    Die Avantgarde der Angepassten. Jung, befreit von antiquierten Ketten der Partei und eine Marketingmaschine mit Social-Media-Strategie statt einer Ideologie.

    Äußerst höflich, wohl erzogen, leicht elitäres Gehabe und immer eine gewisse professionelle Distanz zu den Bürgern. So markenbewusst wie jene Kleidungsstücke, die ein Krokodil oder Pferd zieren, ist auch ihre Politik, die in erster Linie sehr stark auf ein Image und die Außenwirkung setzt und weniger auf eine langjährig gewachsene Tradition oder gar Ideologie. Diese wird eher als Schimpf- und Reizwort wahrgenommen, wenn man seinen großen medialen Auftritt zumeist im wohlwollenden Boulevard vorzugsweise im Slim-Fit Anzug mit dem dazugehörigen Stecktuch feiert. Das damit inhaltlich eng verbundene mantraartige Zauberwort heißt Bewegung. Ein Leben auf der politmedialen Überholspur. Eigene Werte werden durch eine klare Marketinglinie ersetzt, die sich flexibel an den Wünschen der Bürger orientiert. Die absolute Prämisse in dieser Inszenierung heißt "ja nicht anecken". Unerwartete Situationen, wo kein klar durch vorher akribische Marktanalysen berechenbares sozial erwünschtes Verhalten generiert werden kann, werden gemieden wie die Pest.

    Die politische Fortschrittsgewinnerelite

    Die Popper aus den 80er Jahren sind in abgewandelter Form als Polit-Popper zurück gekehrt und waren bei den letzten Wahlen durchaus erfolgreich. Markenzeichen neben einem scheinbar souveränen Auftreten ist, dass sie eindeutig nicht der Arbeiterschicht angehören. In puncto Habitus strahlen die stets geschniegelten Damen und Herren eine bestimmte Form der Arroganz aus, die Absolventen einer teuren Eliteschule ähnelt. Diese Gruppe ist zwar irgendwie konservativ aber in der Tiefe nicht wirklich explizit politisch. Lange Theoriediskussionen über Ziele und Absichten oder gar ein harter Infight mit Kritikern ist eine Verschwendung von Ressourcen und ebenso lästig, wie die Lektüre eines halben Regalmeters kritischer Theorie. Man arrangiert sich einfach mit jenen die am längeren Hebel der Macht sitzen und umgibt sich lieber mit einer sozialtechnisch geschulten Clique an Vertrauten. Die meist aus der Mittel- bis Oberschicht stammenden Anhänger geben sich bewusst konformistisch in Bezug auf die aktuelle Stimmungslage im Land, um aus einem draus resultierenden rein opportunistischen Protest gegen die vorhandenen politischen Strukturen und Werthaltungen vor allem links der politischen Mitte bei den Wählern zu punkten. Ziel ist es dem in der Flüchtlingsdebatte anfangs dominierenden eher alternativen Milieu vor den Kopf zu stoßen, um sich dadurch selbst zu profilieren. Neu an der aktuellen Polit-Popper Bewegung ist, dass sie sich bewusst nicht als Subkultur unter die Gesellschaft stellen, sondern durch angepasstes Benehmen und eine dezente Abgehobenheit versuchen möglichst große Teile der Gesellschaft, die auch so modern und doch irgendwie angepasst sein wollen, zu gewinnen. Wer nicht zu den neuen politischen Poppern gehört ist zwar kein "Prolo“ mehr, aber immerhin ein politisch antiquierter Dinosaurier aus längst vergangener Zeit, dem ob seiner nicht vorhandenen Fortschrittsorientierung eine latente Verachtung entgegenschlägt.

    Aalglatt bis zum Anschlag

    Der menschliche Makel hat bei der aktuellen Generation der Avantgarde der Angepassten keinen Platz. Unverhohlen tragen sie ihre elitäre und leistungsorientierte Überlegenheit beim politischen Gegner zur Schau.

    Die oberflächlichen Sozialen Medien von heute sind die idealen Kanäle um ihre Inhalte zu transportieren und auch gleich auf deren Wirkung hin zu evaluieren. Fakt ist, dass nun teilweise eine neue junge pragmatische Politikergeneration das Heft in die Hand genommen hat und sich weisen wird, wie diese Politik im Sinne der Menschen leben wird.

    * Daniel Witzeling ist Psychologe und Sozialforscher. Er ist Leiter des Humaninstitut Vienna.

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    Tags:
    soziale Netze, Politik, Ideologie