05:10 18 November 2019
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    US-Außenminister Mike Pompeo in Berlin am 08. November 2019

    Eine herzliche Atmosphäre ist gut, aber löst keine Konflikte – US-Außenminister Pompeo in Berlin

    © AP Photo / Michael Sohn
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    Im Rahmen seines zweitägigen Besuches in Deutschland ist US-Außenminister Mike Pompeo in Berlin auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gesprächen zusammengetroffen. Die Themenpalette ist beachtlich, die zur Schau gestellte Atmosphäre der Herzlichkeit nicht weniger. Aber werden Lächeln und warme Worte helfen, fragen sich die Beobachter?

    Wer die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland in der jüngsten Vergangenheit Revue passieren lässt, dem wird, selbst mit wenig  Erfahrung auffallen, dass es schon mal Zeiten gab, in denen man schon an den Gesichtern von Politikern ablesen konnte, wie der Stand der Beziehungen war. Wenn die Medien aber keine Gelegenheit haben, die Gesichter wichtiger US-amerikanischer und deutscher Politiker nebeneinander in Augenschein nehmen zu können, dann muss einiges in den zwischenstaatlichen Beziehungen im Argen liegen.

    Insofern war es schon ein Novum, dass US-Außenminister Mike Pompeo praktisch ein Jahr verstreichen und mit einer kurzfristigen Besuchsabsage aus eher nichtigem Anlass sogar eine protokollarische Bombe platzen ließ, bevor er sich in Deutschland sehen ließ. Und insofern ist es jetzt natürlich kein Zufall, sondern volle protokollarische Absicht, dass Pompeo zu den Feierlichkeiten anlässlich des 30. Jahrestages der Ereignisse vom 9. November 1989 erneut nach Deutschland gekommen ist und sich zwei Tage dafür Zeit nimmt.

    Deutschland wiederum signalisierte mit einer fein überlegten Ortswahl für das Pressestatement von Pompeo und der Bundeskanzlerin vor Beginn der beidseitigen Konsultationen, welchen Rang für sie dieser Besuch eines US-Außenministers hat, denn die sogenannte Skylobby direkt vor dem Zugang zum Bürokomplex der Bundeskanzlerin in ihrem Kanzleramt in Berlin ist nur ausgesuchten Gästen und Anlässen der deutschen Regierungschefin vorbehalten.

    Pompeo gilt als ebenso charmant wie unerbittlich, und die einnehmende Art des US-Außenministers verfehlte ihre Wirkung offenbar nicht. Denn wenn sich Angela Merkel, die ein feines Gespür dafür hat, ob und wann die Gefahr groß ist, sich mit freundlich gemeinten, aber potenziell gefährlichen Fremdspracheinlagen zu blamieren, gleich zweimal vor laufenden Kameras und Mikrofonen ihre Englischkenntnisse aktiviert, („again a warm welcome“ – als Schlussformel ihrer offiziellen Begrüßung und „we get rid of this“ – als die Mikrofone für die Fotos eilig weggeräumt wurden), um ihrem Gast zu signalisieren, dass er wirklich gern gesehen ist, dann ist ihr dieser Gast wirklich wichtig.

    Merkel betonte, wie bewegend sie es auch ganz persönlich findet, dass Pompeo ausgerechnet dieser Tage wieder in Deutschland ist, welche historischen Orte er besuchte und dass Deutschland die besonderen Verdienste des seinerzeitigen US-Präsidenten George Bush Sen. für die deutsche Einheit „natürlich nie vergessen“ werde. Um dann anzudeuten, dass es um mehr geht, als den Austausch von Artigkeiten:

    „Heute stehen andere Aufgaben vor uns, aber wir sind weiter Alliierte und Partner und widmen uns den Aufgaben in der Welt. Das wird auch unsere Gespräche bestimmen. Der Konflikt in Afghanistan, der Ukraine- und Russland-Konflikt, die Frage der Zukunft in Syrien, die Frage des Friedens in Libyen: All das sind Themen, mit denen wir uns heute beschäftigen werden, und ich darf Ihnen sagen, dass Deutschland eine aktive Rolle spielen will, um diese Probleme zu lösen.“

    Mike Pompeo hat die für einen Außenminister außerordentlich segensreiche Gabe ein Pokerface aufsetzen zu können, eine Fähigkeit von der seine deutsche Gesprächspartnerin vor einer Weile unumwunden zugab, dass sie es aufgegeben habe, so zu tun, als gebiete so über ihre Gesichtsmuskeln in ähnlicher Weise wie etwa Mike Pompeo. Deshalb bildeten für den Beobachter seine Mimik und seine Nettigkeiten in Richtung Bundeskanzlerin eine Einheit, und man konnte beim besten Willen nicht erkennen, ob er diesem Bekenntnis der Kanzlerin wirklich Glauben schenkte. Seinen Worten war zu entnehmen, dass er gewillt ist, Deutschland beim Wort zu nehmen. Es war aber vor allem ein Bekenntnis zur transatlantischen Partnerschaft:

    „Frau Merkel ist ein großer Freund der USA. Deutschland ist nach wie vor ein enorm wichtiger Partner für uns. Ich habe die Erklärung der Verteidigungsministerin verfolgt, Deutschlands Beitrag für die Nato im Lauf der Zeit zu verstärken. Wir denken, das ist bedeutsam, weil wir finden, dass die Beziehungen mit der Nato nützlich sind. Und wir brauchen jeden, der mit uns zusammenarbeitet, um sicherzustellen, dass die Nato eine starke Kraft für das Gute in der Welt bleibt.“

    Pompeo bestätigte den Themenkatalog, den Merkel angedeutet hatte und erklärte, die Herausforderung liege darin, wie sein Land, Deutschland und die anderen Staaten der Welt diesen Dingen gegenübertreten. Die Gesichtszüge der Kanzlerin verrieten zu diesem Zeitpunkt nichts darüber, ob sie genauso wie die Beobachter der Szenerie, die keine Nachfragen stellen konnten, sich fragten, was Pompeo damit exakt meinte.

    Dagegen war unmissverständlich, was er meinte, als er in Richtung Kanzlerin säuselte:

    „Sie waren eine großartige Gastgeberin für mich diese zwei Tage. Ich weiß nicht, ob ich schon mal irgendwo so zwei schöne Tage verbracht habe. Es war ein großes Statement über die Partnerschaft zwischen unseren beiden Ländern, und ich freue mich auf die Gespräche zwischen uns.“

    Über die Ergebnisse dieser Gespräche war bei Redaktionsschluss nichts in Erfahrung zu bringen.

     

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    Tags:
    Mauerfall, Berlin, Bundeskanzlerin, US-Außenministerium, Mike Pompeo, Angela Merkel, USA, Deutschland