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    Um im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie effektiver vorzugehen, hat die österreichische Regierung am Montag eine Mundschutz-Pflicht angekündigt - erst für Einkäufe. In Deutschland fehlen nicht nur die Schutzmasken für so etwas, sondern etwas ganz Grundlegendes. Wird Deutschland die „nationale Notfallproduktion“ gelingen?

    Bisher verpflichtet Jena als die erste deutsche Großstadt die Menschen, in Supermärkten, Bussen und Bahnen Schutzmasken zu tragen. Für dessen Tragen plädiert auch der renommierte politikkritische Virologe Alexander Kekulé - mit Blick auf die Erfahrung der asiatischen Länder sei dies„wahrscheinlich die wichtigste Maßnahme bei der Infektionskontrolle“. Zwar schützen nicht alle davon vor Infektion, viele Experten sind sich jedoch einig: Ist jemand bereits erkrankt, lässt sich durch eine Maske eine Ansteckung anderer verhindern. Gerade bei Ausstiegsszenarien aus den aktuellen harten Anti-Corona-Maßnahmen könnten die Masken in Frage kommen, erwartet man im Bundesgesundheitsministerium (BMG).

    In deutschen Apotheken sind die Masken seit über einem Monat ausverkauft, im Internet beinahe eine Luxusware. Eine Pflicht zum Tragen eines Mundschutzes nach dem Vorbild Österreichs sei in Deutschland kein Thema, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Es gebe in Deutschland doch keine zertifizierten Masken, um diese zur Pflicht zu machen, beklagen manche Netznutzer und sehen darin ein „Versagen der Regierung“. So waren auch sechs Millionen Schutzmasken für die Bundeswehr im Auftragnehmer Kenia verschwunden. Pflegekräfte bemängeln, dass sie nicht ausreichend Schutzmaterial bekommen - in manchen Kreisen wie in Heinsberg in Nordrhein-Westfalen ist der Mangel katastrophal - obwohl Gesundheitsminister Jens Spahn versicherte, der Bund beschaffe medizinische Schutzausrüstung aus aller Welt und beliefere damit alle Bundesländer und Kassenärztliche Vereinigungen. Bisher war es wohl so gut wie sicher: 

    Aus aller Welt, aber nicht in Deutschland

    Als China Ende Februar seine Exporte von Schutzmasken vorübergehend stoppte, hat sich die Versorgungslage überall auf der Welt erschwert. Eine wirklich große Mobilisierung, nun selbst Masken herzustellen, hat Deutschland aber erst in den letzten Tagen erkannt.  Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Armin Laschet, war unter den Ersten, die die bestehende Produktionsweise kritisierten. Es sei „absurd“, dass der Stoff für die Masken in Deutschland hergestellt werde und auch die Maschinen in Deutschland vorhanden seien, so Laschet im WDR, aber die Masken in China produziert würden, „weil es da ein paar Cent billiger“ sei. Auch von einigen Unternehmen war zu hören, dass der Bund - trotz des „Austausches mit zahlreichen inländischen und ausländischen Herstellern“ - so ein Sprecher des BMG gegenüber Sputnik - bei ihnen so gut wie fast keine Aufträge erstellt. Seit ein paar Tagen bestellt die Bundesregierung in einem sogenannten Open-House-Verfahren die Schutzmasken zu einem festen Preis ohne Verhandlungen, weil sie einen schnelleren Nachschub an Schutzmasken will.

    „Bis vor kurzer Zeit hat man in Deutschland die Masken tatsächlich nur aus China oder Indien importiert, weil es viel günstiger war, als wenn man sie in Deutschland oder in Europa herstellen würde“, erzählt die Gründerin der Rolbatch GmbH, Dr. Magdalena Laabs, gegenüber Sputnik. Seit zwei Jahrzehnten handelt ihre Firma mit Sitz in Eberswalde bei Berlin mit Maschinen für die Maskenherstellung, eine davon kann etwa drei Millionen Masken im Monat produzieren, ob chirurgische Masken (in Expertenkreisen bei Corona als wenig hilfreich gesehen - Anm. d. Red.), OP-Masken oder so genannte N95-Masken, die wie die FFP-Masken bis zu 95 Prozent der Bakterien und Partikel in der Luft filtern können. Über einen Zwischenhändler habe man auch der Bundesregierung ein Angebot gemacht, sagt Laabs, die Entscheidung stehe noch aus - anders als mit Warschau. Da die Masken jetzt generell zu einem höheren Preis angeboten werden, lohnt sich deren Produktion auch für die deutschen bzw. europäischen Hersteller. 

    Doch das Problem liegt offenbar nicht an Maschinen 

    „Auf dem deutschen Markt, aber auch überall in Europa fehlt der nötige Filterstoff, der heutzutage nach der innovativen MeltBlown-Technologie hergestellt wird“, erzählt Laabs weiter. Man habe den Stoff vorher aus China importiert, jetzt würden die Lieferungen aber ausfallen, weil die Chinesen den Stoff selbst bräuchten. „Hat man diesen spezifischen Stoff nicht für die Maskenherstellung, ist die Maske Wurst, man braucht sie nicht.“ Die Anlagen für die Stoffproduktion kosten laut Laabs etwa 1,6 Millionen Euro pro Stück. „Jemand soll jetzt diese Summen in die Anlagen in Deutschland investieren“, wünscht sich die Unternehmerin. Zwar habe Laabs einen Lieferanten in Polen gefunden, der solche Maschinen produziere und bereit sei, selbst die Technologie zu verkaufen, aber insgesamt gebe es in Europa nur sehr wenige Stoff-Anbieter. Die Firma Innovatec bei Köln, die mit der Meltblown-Technologie arbeitet, sei gut, produziere aber in sehr kleine Mengen, um den großen Bedarf nach Schutzmasken abzudecken, bemängelt die Gesprächspartnerin von Sputnik. In Tschechien gebe es zwar einen großen Anbieter, aber er soll seine Ware längst ausverkauft haben. Daß der Techologiemeister Deutschland diverse hochwertige Produktion herstellen kann, aber in der Corona-Krise bisher eher unbeholfen wirkt, findet sie etwas komisch. „Das ist wirklich ‘Die Peanuts’ (eine erfolgreiche US-Comicserie - Anm. d. Red.). Denn jeder könnte dann die Masken machen, wenn ich ihm zeigen würde, wie die Maschine funktioniert.“

    Noch vor einigen Tagen schien Deutschland die Nähe-Dir-Selbst-Strategie zu verfolgen, oft handelte es sich dabei um improvisierte Materialien. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sorgte am 26. März für viel Wirbel mit der Ankündigung, den Freistaat zeitnah mit zertifiziertem Material zu versorgen, aus denen Nähereien selbst Schutzmasken herstellen können - allerdings nur etwa 5.000 Stück. Ab dem heutigen Dienstag wird es ernster: Nun fordert Bayerns Ministerpräsident Markus Söder „nationale Notfallproduktion von Schutzmasken“. „Wir brauchen hierzulande eigene Produktionen, die wir jedenfalls für diese Zeit auf den Weg bringen müssen“, sagte seinerseitsBundesfinanzminister Olaf Scholz am Dienstag in München.  Zuvor hatten Linke und Grüne noch gefordert, zu prüfen, inwiefern Rüstungsschmieden wie Rheinmetall medizinische Güter herstellen könnten statt Rüstungsgüter. Auf entsprechende Sputnik-Anfragen haben die deutschen Top-Rüstungskonzerne Rheinmetall, Krauss-Maffei Wegmann und H&K nicht reagiert. 

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    Tags:
    Coronavirus, Mangel, Atemschutzmasken, Deutschland