11:19 05 August 2020
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    Zankapfel Fußball: Die Bundesliga pausiert wegen Covid-19 wie alle anderen Sportarten in Deutschland. Nachdem nun ein sogenannter „Geheim-Plan“ für den Abschluss der Saison aufgetaucht ist, preschen die Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und Armin Laschet (CDU) mit Vorschlägen vor – und ernten dafür Kritik von allen Seiten.

    Seit Wochen hat die Fußball-Bundesliga „Corona-Pause“ wegen der Covid-19-Pandemie. Aber auch Handball, Tennis, Volleyball, Basketball, Eishockey und alle anderen Sportarten fallen derzeit aus. Während Bundesländer wie Berlin über Lockerungen für den Amateur-Bereich und kleinere Sportveranstaltungen nachdenken, überlegen Länder wie Bayern und Nordrhein-Westfalen (NRW) – dort wo die finanz- und umsatzstärksten Bundesliga-Clubs sitzen – wie es nun mit Deutschlands Elite-Kickerklasse weitergehen soll.  

    Denn einfache Rechnung: Keine Spiele gleich keine Zuschauer gleich keine Einnahmen. Vielen „kleineren“ Fußball-Clubs drohen bereits Insolvenzen. Daher müssen sie bereits Angestellte und Mitarbeiter nach Hause oder in Kurzarbeit schicken.

    „Während sich die Sportminister der Länder eine Wiederaufnahme des Profi-Spielbetriebs im deutschen Fußball erst Mitte oder Ende Mai vorstellen können, preschten die Ministerpräsidenten Laschet und Söder mit einem früheren Termin vor: Sie halten Geisterspiele ab dem 9. Mai für denkbar.“ Das berichtete die ARD „Sportschau“ am Dienstagabend rund um neu aufgetauchte sogenannte Geheim-Pläne der Bundesliga.

    „Geht's noch?“: Kritik an Söder und Laschet

    Jetzt haben Sport-Mediziner und Verantwortliche der Bundesliga einen „Geheim-Plan“ entwickelt, der als Idee beinhaltet, wie die angebrochene Fußball-Saison noch mittelfristig zu Ende gespielt werden könnte. Daran hängen schließlich Milliardengelder aufgrund der nationalen TV-Verträge und europäischen Wettbewerbe. „Das ist schon eine Gratwanderung“, sagte dazu Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag als einer der ersten Live-Kommentatoren. Es sei jedoch vorstellbar, „dass wir vielleicht ab dem 9. Mai frühestens eine Geisterrunde spielen können“. Allerdings solle erst einmal das Robert-Koch-Institut den neuen Vorschlag prüfen.

    „Sag Mal: Geht's noch?“, kommentierte am Dienstag der Sportteil des Magazins „Stern“ mit Blick auf die aktuell geführte Diskussion um „Geisterspiele“ ohne Publikum im Fußball .

    „So hat es eine ganz große Koalition aus Politik, Medien und Fußball anscheinend ausgetüftelt. Der Kompromiss mag ein gangbarer Weg zur Rettung der Liga sein. Die Art und Weise seines Zustandekommens allerdings ist bizarr.“

    Vor allem die „Platzhirsche“ Söder und Laschet hätten dabei besonders brutal Foul gespielt –und gehörten allein schon für den Vorschlag und die Art und Weise mit Rot vom Spielfeld gestellt. So der kritische Kommentar in Fußball-Sprache übersetzt.

    „Darüber hinaus: Beschlossen ist noch gar nichts“, stellt der Bericht fest. „Die Statements von Söder und Laschet sind allenfalls Absichtserklärungen und an viele Bedingungen geknüpft. Und sie sind auch nur zwei von 16 Ministerpräsidenten in Deutschland. Gut möglich, dass das die Kollegin Schwesig oder der Kollege Günther ja ganz anders sehen.“

    Bereits seit Wochen warnt – unabhängig von der aktuellen Debatte –  SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach vor einer zu frühen Lockerung bei Sport-Events in der Pandemie. „Die Bundesliga würde mehrere zehntausende Tests verbrauchen, die in Pflegeeinrichtungen und Schulen“ dann fehlen würden, schrieb der SPD-Politikter vor wenigen Tagen auf Twitter.

    Bundesliga spricht bald mit Merkel

    Zuvor hatten die Sportminister der Bundesländer in einer gemeinsamen Erklärung einen Liga-Neustart „Mitte oder Ende Mai“ für denkbar gehalten. Einen entsprechenden Beschluss wollen sie „in den kommenden Tagen“ fassen. Mit den Ergebnissen wolle „man am 30. April in die Beratungen der Länder mit Kanzlerin Angela Merkel zur Öffnung der Gesellschaft in der Coronakrise gehen“, so Sportmedien.

    Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeige sich offen für mögliche Geisterspiele im Fußball ab dem 9. Mai. „So sieht der Plan der Bundesliga aus“, titelte der „Spiegel“ am Dienstag. „Seit Wochen arbeitet eine Taskforce von Medizinern an einem Konzept für Fußballspiele ohne Publikum.“ Dem Magazin liege der Plan vor. Darin werde dokumentiert, wie Fußball-Profis bei möglichen künftigen Spielen vor dem neuartigen Virus geschützt werden sollen.

    Bayern und BVB krisenresistent – Andere Vereine bangen

    Söders Vorschlag verwundert nicht. Ist doch der Ligakrösus und Serienmeister FC Bayern München in der Heimat des CSU-Mannes ansässig. Der FCB hat das größte „Finanz-Polster“ aller Bundesligisten. Während es in NRW auch dem Meisterschaftskandidaten Borussia Dortmund noch relativ gut geht –  wie BVB-Geschäftsführer Aki Watzke immer wieder betont – bangt der andere Pott-Traditionsverein Schalke 04 ums finanzielle Überleben. Spieler, Mitarbeiter und auch Funktionäre nehmen bereits seit Wochen große Gehaltskürzungen zum Wohle des Clubs hin.

    Dennoch werde es eine enge Kiste, sollten nicht mittelfristig Fußball-Partien in der Liga stattfinden, sagte Schalkes Finanzchef Peter Peters sinngemäß und stellvertretend für den Sport bereits zu Beginn der Corona-Krise. Laut aktuellen Medienmeldungen bleibt zum Glück Schalkes der russische Gas-Konzern „Gazprom“ in der Corona-Krise treu an der Seite der Königsblauen als Hauptsponsor.

    Woanders springen Sponsoren reihenweise ab. Kurzarbeit, Gehaltskürzungen und massive Einsparungen: In Zeiten von Corona ist das vor allem für viele unterklassige Fußball-Vereine und deren Mitarbeiter ein riesiges Problem. Viele Clubs drängen auf Spiele und die Fortsetzung der laufenden Bundesligasaison.

    Wenn auch das Szenario ohne Zuschauer nur die zweite Wahl sei. Denn „Geisterspiele“ wären für Erst- und Zweitligavereine noch relativ gut verkraftbar, da dann auch wieder Fernseh-Vertragsgelder fließen würden. Aber die unteren Ligen seien schon auf Spiele mit zahlendem Publikum angewiesen, um wieder effektiv Einnahmen zu generieren, so Kenner der Branche. Daher würden auch viele Fußball-Vereine den Plan zur zeitnahen Fortsetzung der Saison gerne umgesetzt sehen –  am besten mit Zuschauer. 

    Die Fußball-Bundesligen pausieren noch bis mindestens 30. April.

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    Tags:
    Fußball, Markus Söder, Armin Laschet, Coronavirus, Deutschland, Bundesliga