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    Seit 111 Jahren stehen Jugendherbergen für Weltoffenheit, Tradition und für einen wichtigen Beitrag zur Freizeitgestaltung von Kindern, Jugendlichen und Familien. Doch all das könnte bald vorbei sein: Die Corona-Krise hat die Landesverbände der Jugendherbergen in eine akute wirtschaftliche Notlage gebracht. Finanzielle Hilfen kommen nicht an.

    Unter dem Motto „Gemeinschaft erleben“ erfreuen sich Jugendherbergen seit mehr als hundert Jahren großer Beliebtheit. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sie im Zuge der Jugendbewegung als Unterkünfte für junge Menschen, Jugendgruppen und Schulklassen. Das deutsche Erfolgsrezept wurde schnell in anderen Ländern übernommen: Mittlerweile gibt es Jugendherbergen und „Youth Hostels“ in mehr als 90 Staaten. Allein hierzulande verzeichneten die rund 450 Jugendherbergen im vergangenen Jahr etwa 9,76 Millionen Übernachtungen. Doch damit könnte es nun zu Ende sein.

    Ein emotionaler Apell

    In einem emotionalen Schreiben hat sich das Deutsche Jugendherbergswerk stellvertretend für seine Landesverbände mit ihren knapp 5.000 haupt- und rund 800 ehrenamtlichen Mitarbeitern an die Politik gewandt. Der Hilferuf lautet, Bund und Länder müssten unverzüglich und flächendeckend handeln:

    „Politik überlässt die gemeinnützigen Betriebe des Deutschen Jugendherbergswerks in den meisten Bundesländern bislang ohne wirksamen Schutz sich selbst.“

    Die Jugendherbergen in Deutschland würden massiv an den Folgen der Corona-Krise leiden. Nach der explosionsartigen Ausbreitung des Virus hätten die zuständigen Gesundheitsbehörden Mitte März die sofortige Schließung aller Jugendherbergen verfügt, um Gäste und Mitarbeiter zu schützen.

    Bisher keine Hilfe?

    Die Corona-Maßnahmen bedeuten für die Jugendherbergen eine Stornierung fast aller bestehenden Buchungen, der maximale Rückgang von Neubuchungen und keine Möglichkeit der Erwirtschaftung von Umsatz. Laufende Kosten und weitere Verpflichtungen hätten nun alle Landesverbände in massive wirtschaftliche Notlagen gebracht. Doch staatliche Hilfen gebe es bislang kaum oder gar nicht:

    „Ein bundesweiter Schutzschirm, Sonderkredite bzw. Liquiditätshilfen oder direkte finanzielle Unterstützungsleistungen greifen für die Mehrzahl der Jugendherbergen in Deutschland nicht.“

    Der Hintergrund: Jugendherbergen werden bislang nur in drei Bundesländern in ihrem Status als gemeinnützige Bildungs- und Beherbergungsbetriebe in den entsprechenden Programmen berücksichtigt. In den übrigen Bundesländern gehen die Jugendherbergen leer aus.

    Mit einer Online-Petition will das Deutsche Jugendherbergswerk nun auf sich aufmerksam machen. Der Apell richte sich an politische Entscheidungsträger auf kommunaler, Landes- und Bundesebene. Überschrieben ist der Aufruf mit den Worten:

    „Wir sind sozial relevant!“

    Die darunter stehenden Forderungen sind unter anderem eine schnelle und wirksame Verhinderung des Zerfalls des Deutschen Jugendherbergswerks und seiner Landesverbände, staatliche Rettungsmaßnahmen und damit die Verhinderung einer endgültigen Schließung.

    Schäden auch für die Region…

    Hinzu kommt der Wirtschaftsfaktor: Im Falle einer endgültigen Schließung der Jugendherbergen würde auch die Wirtschaftskraft in den betroffenen Regionen generell erhebliche Einbußen erleiden. Eine Studie der Tourismus-Beratungsagentur „dwif-Consulting“ hatte ergeben, dass jeder Euro, der von einem Gast einer Jugendherberge ausgegeben wird, etwa drei Euro zusätzlichen Umsatz für die regionale Wirtschaft generiert. Das macht Jugendherbergen nicht nur sozial, sondern auch wirtschaftlich relevant. Sollte es innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen keine finanzielle Hilfe geben, hätte die Erfolgsgeschichte der Jugendherberge zumindest in Deutschland ein jähes Ende.

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    Tags:
    Bundesländer, Bundestag, Wirtschaft, Tourismus, Finanzhilfen, Petition, Coronavirus