17:22 29 September 2020
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    Mit einer Kranzniederlegung und einer Ansprache des Bundespräsidenten haben die Spitzenvertreter des deutschen Staates in Berlin des Endes des Zweiten Weltkrieges vor 75.Jahren gedacht.

    Es war eine betont unaufwendig gehaltene Zeremonie in und vor der Neuen Wache in Berlin. Das berühmte Baudenkmal von Karl Friedrich Schinkel ist seit 1993 die Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Im Innenraum steht eine Nachbildung der ebenfalls berühmten Skulptur von Käthe Kollwitz „Mutter mit totem Sohn“.

    Hier finden zentrale Gedenkzeremonien der Bundesrepublik wie die anlässlich des 75. Jahrestages der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches, am 8. Mai 1945, ein Datum, das als offizielles Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa in die Geschichtsbücher eingegangen ist.

    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht vor der Neuen Wache in Berlin am 8. Mai 2020
    © REUTERS / HANNIBAL HANSCHKE
    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht vor der Neuen Wache in Berlin am 8. Mai 2020

    Die fünf protokollarisch höchstrangigen Mitglieder der Staatsführung, Bundespräsident, Bundesratspräsident, Bundestagspräsident, Bundeskanzlerin und Präsident des Bundesverfassungsgerichtes waren anwesend. Nach einer Schweigeminute im Innenraum der Gedenkstätte trat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an ein Rednerpult und hielt ein kurze Ansprache, die Sputnik live übertragen hat.

    In der Rede würdigte das deutsche Staatsoberhaupt die Befreiung durch die „Alliierten aus dem Westen und aus dem Osten, die diesen Kontinent – unter größten Opfern – befreit haben.“ Der 8. Mai 1945 sei „das Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, das Ende von Bombennächten und Todesmärschen, das Ende beispielloser deutscher Verbrechen und des Zivilisationsbruchs der Shoah“ gewesen. „Hier in Berlin, wo der Vernichtungskrieg erdacht und entfesselt worden war und wohin er mit aller Wucht der Zerstörung zurückkehrte – hier in Berlin wollten wir heute gemeinsam erinnern.“

    Er dankte allen, die trotz deutscher Besatzung und deutscher Verbrechen zur Versöhnung mit Deutschland und dem deutschen Volk bereit waren:

    „Gemeinsam mit den Überlebenden deutscher Verbrechen und den Nachfahren der Opfer, von denen so viele uns die Hand ausgestreckt haben. Gemeinsam mit all denen auf der Welt, die diesem Land die Chance gaben, neu anzufangen.“

    Aber Steinmeier richtete auch Worte an jene, die auf andere Weise einen hohen Preis für den von Deutschland entfachten Krieg und die damit verbundene Barbarei bezahlen mussten:

    „Wir wollten erinnern – auch mit den Älteren in unserem Land, die jene Zeit selbst erlebt haben. Hunger, Flucht, Gewalt, Vertreibung haben sie als Kinder durchlitten. Nach dem Krieg haben sie dieses Land aufgebaut, im Osten wie im Westen.“

    Der Bundespräsident appellierte einmal mehr an die Generationen der Nachgeborenen, dass es nun an ihnen sei, das Erinnern an das Grauen und die Verbrechen wach zu halten, denn, so Steinmeier:

    „'Wenn es hier geschehen kann, kann es überall geschehen.' Das hat uns der israelische Präsident Reuven Rivlin dieses Jahr am Holocaust-Gedenktag im Deutschen Bundestag zugerufen. Wenn es hier geschehen kann, kann es überall geschehen. Doch heute gibt es niemanden, der uns von diesen Gefahren befreit. Wir müssen es selbst tun. Wir wurden befreit – befreit zu eigener Verantwortung!“

    Es gebe kein Ende des Erinnerns, keinen Schlussstrich, keine Erlösung von der Geschichte, sagte Steinmeier. Die Erkenntnis, dass Deutschland 1945 tatsächlich von außen befreit werden musste, sei nur langsam gewachsen, und noch immer verweigern sich viele dieser Erkenntnis:

    „Man kann dieses Land nur mit gebrochenem Herzen lieben. Wer das nicht erträgt, wer einen Schlussstrich fordert, der verdrängt nicht nur die Katastrophe von Krieg und NS-Diktatur. Der entwertet auch all das Gute, das wir seither errungen haben – der verleugnet den Wesenskern unserer Demokratie.“

    Angesichts der Tatsache, dass die Corona-Pandemie zu einer von der Öffentlichkeit abgeschiedenen Gedenkzeremonie zwang, forderte Steinmeier ein Besinnen auf die Gemeinschaft, sowohl in Deutschland, in Europa, aber auch weltweit.

    „Wenn wir Europa, auch in und nach dieser Pandemie, nicht zusammenhalten, dann erweisen wir uns des 8. Mai nicht als würdig. Wenn Europa scheitert, scheitert auch das 'Nie wieder!' !
    Die Weltgemeinschaft hat aus dem 'Nie wieder!' gelernt. Sie hat nach 1945 die Lehren aus der Katastrophe in ein gemeinsames Fundament gegossen, in Menschenrechte und Völkerrecht, in Regeln für Frieden und Zusammenarbeit.“

    Die Rede des Bundespräsidenten im Wortlaut hier.

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    Tags:
    Gedenkfeier, 8. Mai 1945, Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier