14:33 10 August 2020
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    Auf Corona-Demos zeigen sich Tausende von Corona-Protestlern seit Wochen mit dem Staat unzufrieden. Auf außergewöhnliche Weise zeugt die kürzliche Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung gerade vom Gegenteil, was das Vertrauen der Deutschen in die Bundesregierung angeht. Sputnik hat nachgehakt.

    Es war erst der „Tagesspiegel“, der über die phänomenale, noch nicht veröffentlichte Umfrage des Allensbach-Instituts unter den Bundesbürgern berichtete. Deren Ergebnisse heißen: Rund die Hälfte der Deutschen hält die Bundesregierung für stark genug, um das Land gut durch die Corona-Krise zu steuern – der absolut höchste gemessene Wert seit 1999, so der Demokratieexperte Dr. Robert Vehrkamp von der Bertelsmann Stiftung. Parallel sprach die Allensbach-Leiterin Renate Köcher in einem Interview über den „tiefen Pessimismus“ in der Bevölkerung. Was soll das heißen? Widersprechen sich die Forscher?

    Sputnik hat sich die noch unbearbeiteten Ergebnisse der Umfrage von der Bertelsmann Stiftung geholt. „Ist unsere Regierung stark genug, oder machen Sie sich Sorgen, dass sie zu schwach ist?“, hieß die Frage, die zwischen dem 24. und 27 April an 1.082 Menschen gegangen war. Das Fazit: Nur 26 Prozent der Befragten gegenüber 49 Prozent der Zufriedenen finden die Bundesregierung „zu schwach“ – bei 25 Prozent „Unentschiedenen“. Zum Vergleich: Noch 2019 war die Bundesregierung für 58 Prozent der Befragten zu schwach. Nur 19 Prozent dagegen fanden sie „stark genug“. 

    „Die Zahlen fokussieren das allgemeine Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Regierung während der ersten Phase der Pandemiebekämpfung“, kommentiert Robert Vehrkamp gegenüber Sputnik.

    Wenn die Allensbach-Leiterin Köcher von „tiefem Pessimismus“ spricht, könnte sie laut Vehrkamp die wirtschaftlichen Aussichten und Perspektiven als Auswirkung der Pandemie meinen. Auch habe man die Zahlen zum Vertrauen bis Ende April erfasst, während die wirtschaftlichen Ängste vor den Folgen der Krise wie etwa die Arbeitslosigkeit am ganz aktuellen Rand wieder stärker in den Fokus rücken könnten, so Vehrkamp. 

    „Die Zahlen zeigen, dass Bevölkerung und Regierung die erste Phase der Pandemie gemeinsam bewältigt haben“, kommentiert der Forscher weiter. Die Bevölkerung vertraue sehr weitgehend den Maßnahmen der Regierung während der ersten Phase der Pandemie – die Werte seien „außergewöhnlich“, allein der 49-Prozent-Wert sei der höchste absolute Wert seit 1999, als Allensbach die Frage erstmals gestellt habe. „Allerdings können sich diese Bewertungen auch wieder ändern. Die Bundesregierung sollte sich auf diesen Zahlen deshalb nicht ausruhen. Sie sind kein Blankoscheck für die Zukunft“, warnt Vehrkamp.

    Auf die Frage, ob der deutsche Staat stark und handlungsfähig sei, antworteten 68 Prozent der Befragten mit „sehr stark“ gegen 46 Prozent im Vorjahr. Dabei zeigten sich 69 Prozent der „Wessis“ gegenüber 60 Prozent der „Ossis“ mit der aktuellen Politik der Bundesregierung zufrieden. „Je höher der Bildungsstand und das Einkommen, umso besser fallen auch die Bewertungen aus“, fügt der Forscher hinzu. 

    Interessant findet er bei der weiteren Frage nach den Stärken und Schwächen Deutschlands, dass sich der Vertrauensbeweis zwar als starker Rückgang bei den „Schwächen“ zeigt, ohne aber bereits zu einer ausdrücklichen Bewertung als „Stärke des Landes“ zu werden. So fanden 71 Prozent der Befragten noch 2019 die Qualität der Regierung eine Schwäche Deutschlands – nun sind es nur 31 Prozent. 38 Prozent der Befragten findet die Qualität der Regierung bisher als Deutschlands Stärke – lediglich plus zwölf Prozent zum Vorjahr. „Der Wert war 2015 schon einmal bei 49 Prozent. So weit sind wir eben derzeit noch nicht wieder“, sagt Vehrkamp abschließend.

     

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    Bertelsmann Stiftung, Bertelsmann, Coronavirus, Staat, Bundesregierung, Allensbacher Institut für Demoskopie