19:36 06 August 2020
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    Es sind kürzlich Informationen durchsickert, dass der Bund den ländischen Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) offenbar Hunderttausende schadhafter Atemschutzmasken geliefert habe. Die Engpässe sollen zur Zeit schon beseitigt werden, allerdings stellt sich aber die Frage, inwiefern die im Umlauf befindlichen Masken einen tatsächlich schützen können.

    So meinte der KV-Sprecher in Baden-Württemberg, Kai Sonntag, in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel Background, man habe angenommen, dass vonseiten des Bundes bereits eine Qualitätsprüfung erfolgt sei, und habe daher keine weiteren Prüfungen veranlasst. Sputnik hat nachgehakt und Sonntag sowie das Bundesgesundheitsministerium für Erklärungen erreicht. 

    „Ob überhaupt fehlerhafte Masken vom Bund an die KV ausgeliefert und dann auch an die Mitglieder ausgegeben wurden, können wir nicht beantworten“, kommentiert Sonntag gegenüber Sputnik etwas zurückhaltend. Allerdings weist er auf eine Produktwarnung der EU-Behörde für Verbraucherschutz hin, die besagt, es seien bestimmte FFP2-Masken im Umlauf, die bestimmte Standards nicht gewährleisten könnten. 

    Auf die Frage, wie sich eine fehlerfreie Schutzmaske von einer „schadhaften“ unterscheiden lässt, meint Sonntag: „Mit dem bloßen Auge sind fehlerhafte Masken nicht von fehlerfreien zu unterscheiden, dazu bedarf es einer Untersuchung in einem entsprechenden Institut“. 

    Wieviele von den gelieferten fehlerhaften Masken in Arztpraxen landeten, lässt sich kaum feststellen. Es war aber auch mindestens in Nordrhein-Westfalen der Fall. Ende April entschuldigte sich die KV bei den Ärzten - man sei „nicht amused“ über die Panne. Es wurde mit Blick auf einen Rückruf der Behörden empfohlen, die betroffenen Modelle KN95 der chinesischen Hersteller Xin Neng Dian CTT,  Anhui Hongqing Protective Equipment (Hong Quing) sowie die des „Daddybaby Co. Ltd“ zu entsorgen. 

    Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums (BMG), Sebastian Gülde, wies seinerseits in einem Sputnik-Gespräch auf die bekannten vier Maskenauslieferungen mit schadhaften Masken hin, die „trotz der engmaschigen Qualitätsprüfung“ zustande kamen. In den meisten Fällen habe sich herausgestellt, dass sich die betroffenen Masken - so wie z.B. bei der KV Baden-Württemberg - noch in den Lagern befunden hätten und noch nicht an die Anwender ausgeliefert worden wären. „Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass in einzelnen Fällen solche Masken auch an die Anwender ausgeliefert wurden“, so Gülde. Als fehlerhaft könnten in dieser Hinsicht ca. 20 Prozent des gelieferten Volumens Schutzmasken bezeichnet werden - so viele entsprechen laut Gülde nicht den Normanforderungen. „In diesen Fällen wären diese Schutzmasken oftmals dennoch z.B. als Mund-Nasen-Schutz (OP-Masken) für medizinisches Personal oder im nicht-medizinischen Bereich nutzbar. Dennoch werden sie vom Technischen Überwachungsverein für die Auslieferung gesperrt“, so Gülde.

    Im April soll China die Ausfuhrregularien verschärft haben, um eine höhere Qualität der exportierten persönlichen Schutzausrüstung sicherzustellen. Gülde versichert eben: Insgesamt habe sich die aktuelle Versorgungslage mit Schutzmasken deutlich entspannt. Sechs Kassenärztliche Vereinigungen und acht Länder hätten zwischenzeitlich auf Lieferungen des Bundes ganz oder teilweise verzichtet und dies mit gedecktem Bedarf oder fehlender Lagerkapazität begründet. Die Länder hätten in überwiegender Zahl auch parallel beschafft. 

    Es heißt nun: „Die Atemschutzmasken, die ein Logistikunternehmen im Auftrag des BMG an die Kassenärztlichen Vereinigungen und Bundesländer ausliefert, werden mehrfach auf Qualität überprüft.“ Die selbständig beschaffenen Masken lasse man prüfen, sagt Kai Sonntag weiter, aber es bleibt allerdings offen, wie es im freien Handel um die Sache bestellt ist.

    Aus den Prüfungsergebnissen stehe fest, dass es zahlreiche Masken im Umlauf gebe, die keine oder eine geringe Schutzwirkung aufweisen, bestätigt Sonntag abschließend.
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    Tags:
    Atemschutzmasken, Mundschutzmasken, Schutzmaske, Coronavirus