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    Bundesweit scheint die Zahl der Corona-Neuinfektionen abzuklingen. Das berichten aktuell Medien unter Verweis auf medizinische Daten. Daher überlegt das ostdeutsche Bundesland Thüringen, die Abstandsregeln für Kinder und Schüler aufzuheben. Am Dienstag berät das Kabinett von Bodo Ramelow (Die Linke) darüber. Der Lehrerverband übt Kritik.

    Die Landesregierung von Thüringen will nach aktuellen Medienberichten ab kommender Woche die Abstandsregeln in Schulen, Kindergärten und Kitas aufheben. Seit Einführung der dortigen Maßnahmen zum Schutz gegen das neue Coronavirus Sars-CoV-2, darunter Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht, sieht der Schulalltag für Thüringer Schüler so aus, dass sie mit Mundschutz und ausreichend Abstand in den Klassenräumen sitzen müssen.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer Pressekonferenz nach Beratungen mit den Regierungschefs der ostdeutschen Bundesländer. Berlin, 27. Mai 2020
    © REUTERS / Markus Schreiber / POOL via REUTERS
    Dies wolle Erfurt nun ändern vor dem Hintergrund rückläufiger Corona-Infektionszahlen in ganz Deutschland, wie der „MDR“ am Montag berichtete.

    „Am vergangenen Wochenende haben die Kreise und Städte in Deutschland insgesamt 455 Neuinfektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 gemeldet.“ Dies besage die Datenbank des am Institut für Technologie in Karlsruhe angesiedelten Projekts „Risklayer“. Dieser Wert ist demnach der geringste Anstieg der bundesweiten Virus-Ansteckungsrate innerhalb eines Tages seit Anfang März.

    Immer mehr geheilte Corona-Fälle in Thüringen – Medien

    Die Zahl nachgewiesener Infektionen mit dem Coronavirus in Thüringen „ist auf 3079 gestiegen“, meldete am Montagvormittag die Nachrichtenagentur DPA. „Das sind nach Angaben der Staatskanzlei von Sonntag zwei Fälle mehr als am Vortag. Die Zahl der Toten, bei denen das Virus Sars-CoV-2 festgestellt wurde, blieb mit 170 Fällen so hoch wie am Samstag. Schätzungen zufolge gelten inzwischen 2740 Menschen als von der Krankheit Covid-19 genesen.“

    Die thüringische Kulturstadt „Weimar vermeldete derweil am späten Samstagabend, dass dort alle 68 seit Beginn der Pandemie positiv auf das Virus Getesteten als genesen gelten.“ Damit sinke die Zahl der Infizierten in der Stadt vorerst auf null.

    Ziel sei es nun, erklärte Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos) gegenüber dem regionalen Nachrichtenportal „Thüringen24“, bei aller gebotenen Vorsicht „so schnell wie möglich in Richtung eines normalen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens zu kommen.“ Die Pandemie-Situation vor Ort werde aber weiterhin sehr genau beobachtet.

    Feste Lerngruppen und freiwillige Corona-Tests

    Die Erfurter Regierung unter Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) plane demnach eine Aufhebung der Abstandsregeln für Kitas und Grundschulen im Land. „Nach Plänen der Thüringer Landesregierung sollen die Abstandsregeln an Kindergärten und Grundschulen ab 15. Juni aufgehoben werden. Stattdessen soll es feste Gruppen, Klassen und Bezugspersonen geben, wie aus einer Kabinettsvorlage hervorgeht, die am Dienstag beraten werden soll. Mit den Änderungen soll die Notbetreuung an Kindergärten und Schulen enden.“

    Aus der Kabinettsvorlage gehe hervor, dass Schulen und Kindergärten generell mit dem Start des neuen Schuljahres ab September wieder komplett in den Regelbetrieb wechseln sollen.

    Bis dahin werde es ab Klasse 5 weiterhin einen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht geben, wie er bisher schon praktiziert wurde. Sprich: Manche Schüler lernen daheim, andere Schüler werden in kleinen Gruppen in den Schulgebäuden unterrichtet. Feste Lerngruppen und freiwillige Corona-Tests sollen vor Infektionen an thüringischen Schulen schützen.

    „Die Eltern erwarten das von uns“ – Thüringens Bildungsminister

    Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Die Linke) stellte darüber hinaus in Aussicht, dass es in den Sommerferien ein Betreuungsangebot für Grundschüler geben werde.

    „Das ist auch eine Erwartung der Eltern, die wegen der Corona-Einschränkungen in den vergangenen Wochen vielfach schon Urlaub zur Kinderbetreuung nehmen mussten und nun keinen mehr haben“, sagte er einem thüringischen Lokalmedium.

    Das ostdeutsche Bundesland wolle bereits am kommenden Montag zum „eingeschränkten Regelbetrieb“ in Schulen zurück, berichten weitere Medien. Eine Abstandspflicht sei dann „nicht mehr vorgesehen“, wurde ein Sprecher des Bildungsministeriums zitiert.

    Lehrerverband fordert bessere Hygiene-Konzepte

    Währenddessen fordert der Thüringer Lehrerverband (TLV) bessere Hygienekonzepte an Bildungseinrichtungen mit Blick auf das neuartige Coronavirus. So gibt der Verband seit Beginn der Pandemie ein Formblatt zur Mängelanzeige für Schulleitungen heraus, mit dem Hygiene-Verstöße und anderweitige gesundheitliche Bedenken an Schulen beanstandet und an das zuständige Schulamt weitergeleitet werden können.

    „Nicht an allen Schulen sind die erforderlichen Bedingungen erfüllt“, schreibt der TLV auf seiner Website. „Mit diesem Formblatt können Schulleitungen bestehende Mängel schnell und unkompliziert bei ihrem Schulamt und dem Schulträger anzeigen.“

    Thüringens Landes-Chef Ramelow legt sich mit Merkel und Union an

    Ramelow war einer der ersten Ministerpräsidenten in Deutschland, die bereits zu Beginn der Corona-Verordnungen diese öffentlich stark kritisierten.

    Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wiederum kritisierte Ende Mai nach Beratungen mit den Regierungschefs der ostdeutschen Bundesländer den Vorstoß Ramelows zur weitgehenden Lockerung der Kontaktbeschränkungen.

    Erst vor wenigen Tagen drohte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dem Nachbarland Thüringen mit Gegenmaßnahmen zu den in Aussicht gestellten Lockerungen. Die Forderungen von Ministerpräsident Ramelow „sind unverantwortlich“, sagte der bayrische Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. München werde sicherlich „nicht tatenlos zusehen“, wie Ramelow große Erfolge im Kampf gegen das hochgefährliche Corona-Virus sorglos zunichtemache.

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    Tags:
    Einschränkungen, Quarantäne, Coronavirus, Bodo Ramelow, Thüringen