04:10 28 September 2020
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    Gegen zwei Brandenburger Polizisten sind Ermittlungen wegen Beleidigung und Herabwürdigung eines Obdachlosen eingeleitet worden. Die beiden Beamten sollen in der Nacht zum Sonntag in Bad Belzig einen 70-Jährigen bedrängt und sich dabei mit dem Handy gefilmt haben. Das Video posteten sie dann bei WhatsApp. Die Vorgesetzten reagierten schnell.

    Die Debatte um Polizeigewalt und Fehlverhalten von Beamten steht aktuell im Fokus der Öffentlichkeit. Das Agieren von zwei Polizisten aus Brandenburg befeuert diese Diskussion nun zusätzlich. Ihr Einsatz in der Nacht zum vergangenen Sonntag sorgt umso mehr für Aufsehen, da die Männer ihre Tat selbst filmten und anschließend stolz in einer WhatsApp-Gruppe teilten.

    Eskalation statt Deeskalation

    Das war geschehen: Die Besatzung eines Streifenwagens war in der besagten Nacht nach Bad Belzig im Brandenburger Landkreis Potsdam-Mittelmark gerufen worden. Passanten hatten die Kollegen gerufen, da ein offenbar betrunkener und stadtbekannter Obdachloser eine Flasche geschmissen hatte, die mehrere Meter von den Passanten entfernt auf dem Boden zerschellte. Anstatt die Situation zu deeskalieren, handelten die nun anwesenden Beamten jedoch anscheinend genau gegenteilig.

    Mit Tritten getrieben?

    Einer der beiden Polizisten trieb den 70-jährigen Obdachlosen zu Fuß vor sich her. Er habe ihn „augenscheinlich unangemessen bedrängt“, heißt es in einer Erklärung der Polizei Brandenburg vom Donnerstag. Der andere Beamte fuhr im Streifenwagen in Schrittgeschwindigkeit hinterher und filmte alles.

    „Das Video zeigt, wie ein Polizist der eingesetzten Streifenwagenbesatzung gegen zwei Uhr nachts den Mann begleitet. Dabei drängt er ihn auf dem Gehweg verbal und durch mehrfaches Schieben, seinen Weg zügig und ohne anzuhalten fortzusetzen. Einmal ist erkennbar, dass der Beamte einen Tritt in Richtung Gesäß des Geschädigten andeutet oder dem Mann einen Tritt versetzt.“

    Aufgrund der Dunkelheit und der Videoqualität seien die möglichen Tritte des Beamten aber nicht zweifelsfrei erkennbar, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Die Polizisten hätten sich jedoch eindeutig über den Mann lustig gemacht.

    Gleich mehrere Konsequenzen…

    Anschließend wurde das entstandene, rund 90 Sekunden lange Video in einer WhatsApp-Gruppe hochgeladen. Es ist davon auszugehen, dass die Beamten stolz auf ihr Handeln waren. Durch die Verbreitung wurden bereits am nächsten Morgen die Vorgesetzten der Kollegen auf das Video aufmerksam. Sie reagierten schnell: Noch am gleichen Tag wurden die Beamten wegen „Verdachts der Beleidigung durch herabwürdigendes und ehrverletzendes Einwirken auf den Geschädigten“ angezeigt. Die Ermittlungen hat das Fachkommissariat Amtsdelikte am Landeskriminalamt Brandenburg übernommen. Zusätzlich ist gegen beide Beamte ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden, sie sind derzeit suspendiert.

    Polizeipräsident schaltet sich ein

    Laut dem „Tagesspiegel“ hat sich der neue Brandenburgische Polizeipräsident Oliver Stepien persönlich in den Fall eingeschaltet. Die Polizeiführung und das CDU-geführte Innenministerium in Potsdam hätten sich bewusst dazu entscheiden, den Fall selbst öffentlich zu machen. Grund dafür sei laut eigenen Aussagen nicht nur die aktuelle Debatte um Polizeigewalt gewesen, ausgelöst durch den Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd durch einen Polizeibeamten.

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    Tags:
    Obdachlose, Polizeigewalt, Polizei, Brandenburg