03:29 29 November 2020
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    Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies schränken die Behörden das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh nun doch massiv ein. Erstmals in Deutschland werde ein Kreis wegen des Corona-Infektionsgeschehens wieder auf die Schutzmaßnahmen zurückgeführt, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag in Düsseldorf.

    Im Kreis Gütersloh handele es sich um das bisher „größte Infektionsgeschehen” in NRW und in Deutschland. Das Zentrum des Corona-Ausbruchs bei Tönnies liegt nach Aussagen von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in der Fleischzerteilung. In dieser Abteilung gebe es die meisten Infizierten, sagte Laschet am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf. Von 1553 positiv getesteten Mitarbeitern seien nur 24 aus anderen Bereichen als der Fleischzerteilung, so Laschet.

    Zahlreiche Einschränkungen nach Corona-Ausbruch bei Tönnies

    Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies verbieten die Behörden im Kreis Gütersloh unter anderem wieder Sport in geschlossenen Räumen und zahlreiche Kulturveranstaltungen.

    Fitnessstudios würden im Kreisgebiet ebenso geschlossen wie Kinos und Bars, so Laschet.

    NRW schickt drei Polizei-Hundertschaften in den Kreis Gütersloh

    Nach dem Corona-Ausbruch im Schlachtbetrieb von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück hat die nordrhein-westfälische Landesregierung drei Einsatzhundertschaften der Polizei in den Kreis Gütersloh geschickt. Die Polizisten sollen die Quarantäne der mehr als 6000 Mitarbeiter von Tönnies kontrollieren, so Laschet. Die Polizei werde die mobilen Testteams begleiten. Zur Not müssten die Behörden auch mit Zwang die Anordnungen durchsetzen. Es werde auch zusätzliche humanitäre Maßnahmen zur Unterstützung der Betroffenen geben.

    Kein Ausreiseverbot aus Kreis Gütersloh

    Für die Bewohner des Kreises Gütersloh gilt kein Ausreiseverbot aus dem Kreisgebiet. Das hat Laschet betont.

    „Wir haben keine Ausreiseverbote erteilt”, sagte Laschet. Das verhängte Kontaktverbot und die Lockdown-Maßnahmen „gelten immer bezogen auf den Kreis”. Es würden damit die gleichen Regeln gelten, wie während der bundesweiten Kontaktverbote im März.

    Laschet appellierte aber an die Einwohner in Gütersloh, „jetzt nicht aus dem Kreis heraus in andere Kreise zu fahren”. Die für den Kreis Gütersloh verhängten Maßnahmen gelten zunächst bis zum 30. Juni.

    Menschen aus Kreis Gütersloh „nicht stigmatisieren”

    Laschet hat davor gewarnt, Menschen aus dem Kreis Gütersloh unter „Pauschalverdacht” zu stellen. Man dürfe die Bewohner des Kreises „nicht stigmatisieren”. Es gebe außerhalb von Tönnies bislang nur 24 Infizierte. Laschet bezog sich auf Berichte, wonach Menschen aus dem Kreis an Urlaubsorten zur Abreise aufgefordert worden seien. Auf der Insel Usedom war ein Ehepaar aus Gütersloh dazu aufgefordert worden, vorzeitig abzureisen.

    Laschet wirft Tönnies mangelnde Kooperation vor

    Nach dem massiven Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies hat Laschet dem Branchenriesen mangelnde Kooperationsbereitschaft vorgeworfen. Daher hätten die Behörden die Herausgabe von Daten der Werkarbeiter von Tönnies durchgesetzt.

    „Da wurde nicht mehr kooperiert, da wurde verfügt”, sagte Laschet am Dienstag in Düsseldorf. Die Kooperationsbereitschaft bei Tönnies „hätte größer sein können”.

    Dass das Unternehmen den Datenschutz angeführt habe, sei kein Argument. Aus Infektionsschutzgründen wäre Tönnies gesetzlich verpflichtet gewesen, die Daten der Beschäftigten zu übermitteln, sagte Laschet.

    Regionaler Lockdown - massive Reihentests

    Beim Schlachtbetrieb des Marktführers im westfälischen Rheda-Wiedenbrück hatten sich mehr 1550 Beschäftigte nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Der Lockdown gelte zunächst für eine Woche. Bis zum 30. Juni werde man dann mehr Klarheit haben, inwieweit sich das Virus womöglich auch bei Menschen, die nicht bei Tönnies arbeiten, ausgebreitet habe, sagte Laschet. Bisher gebe es hier nur 24 nachgewiesene Infektionen. Die Behörden werden die Tests in der Bevölkerung zudem massiv ausweiten, betonte der Regierungschef.

    Rund 7000 Mitarbeiter stehen mitsamt ihren Familien seit einigen Tagen unter Quarantäne. Die Einhaltung der Quarantäne-Maßnahmen gestaltet sich aber schwierig. Die nordrhein-westfälische Landesregierung habe drei Einsatzhundertschaften der Polizei in den Kreis Gütersloh geschickt, sagte Laschet. Die Polizisten sollten die Quarantäne der Mitarbeiter von Tönnies kontrollieren. Die Polizei werde die mobilen Testteams begleiten. Zur Not müssten die Behörden auch mit Zwang die Anordnungen durchsetzen. Es werde auch zusätzliche humanitäre Maßnahmen zur Unterstützung der Betroffenen geben.

    Schulen und Kitas im Landkreis Gütersloh mit rund 370.000 Einwohnern waren bereits geschlossen worden. Für die größte deutsche Fleischfabrik war zudem ein vorübergehender Produktionsstopp verhängt worden. Auch im Kreis Warendorf werde es Einschränkungen geben.

    ai/dpa

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    Tags:
    Tönnies, Coronavirus, Gütersloh, Armin Laschet, Deutschland