08:57 12 August 2020
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    Bundeskanzlerin Merkel war zu Gast bei CSU-Chef Söder. In malerischer Kulisse hatten die deutsche Regierungschefin und Bayerns Ministerpräsident einiges zu bereden. Neben Corona und EU-Ratspräsidentschaft ganz oben auf der Agenda: Harmonie verbreiten. Doch auch die Frage nach einem Kanzlerkandidaten der Union spielte hinter den Kulissen eine Rolle.

    Es sah fast nach Urlaub aus: Bei über 22 Grad und Sonnenschein empfing Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag Bundeskanzlerin Angela Merkel am Chiemsee. Mit dem Schiff ging es von Prien am Chiemsee bis auf die Insel Herrenchiemsee und von dort mit der Kutsche zum Neuen Schloss. Doch was wie eine Urlaubsreise aussah, barg wichtige Gespräche. Auch ein Empfang mit Mitgliedern des bayerischen Kabinetts gehörten zum Tagesprogramm, natürlich begleitet von diversen Medienvertretern.

    Harmonie und Heiterkeit

    Journalisten waren an diesem Tag gern gesehen, schließlich sollen die Kameras vor allem harmonische Bilder einfangen. Selten war die Stimmung zwischen CDU und CSU so gut, wie in diesen Tagen – zumindest sollte die Chiemsee-Inszenierung genau das vermitteln. So pompös wurde die Kanzlerin in Bayern zuletzt selten empfangen. Unter Söders Vorgänger als CSU-Chef, Horst Seehofer, wäre das wohl kaum denkbar gewesen. Doch die Umfrageergebnisse sprechen Bände: Söder und Merkel gehören zu den beliebtesten Politikern Deutschlands, die Union erreicht immer neue Top-Werte.

    Rückenwind für Söder

    Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und NTV würden es rund 52 Prozent der Bundesbürger begrüßen, wenn Markus Söder als Kanzlerkandidat der Union bei der Bundestagswahl 2021 antrete. Doch der gebürtige Nürnberger hatte zuletzt immer wieder betont, sein Platz sei in Bayern. Will ihn die Kanzlerin womöglich am Chiemsee überreden, nach Berlin zu wechseln?

    Solo statt Trio

    Klar ist, Angela Merkel will nicht erneut für das Kanzleramt kandidieren. Die von ihr präferierte Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer ist zwar noch CDU-Vorsitzende, doch sie übernahm sich mit dem Amt. In den eigenen Reihen kämpfen nun NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Ex-Fraktionschef Friedrich Merz und Außenpolitiker Norbert Röttgen um den Chef-Posten. Es wirkt so, als täte sich die Kanzlerin mit allen drei Kandidaten sichtlich schwer.

    ​Mit Merz hatte Merkel in der Vergangenheit immer wieder Meinungsverschiedenheiten. Sollte er auf dem Parteitag Anfang Dezember zum CDU-Vorsitzenden gewählt werden, müssten beide noch fast ein Jahr zusammenarbeiten, bis eine neue Bundesregierung steht. Laschet wiederum hat während der Corona-Pandemie massiv an Sympathien eingebüßt, zu wechselhaft war sein Krisenmanagement. Ob Merkel ihn als Nachfolger sehen will, ist mehr als fraglich. Zumal in Umfragen Merz im Vergleich zu Laschet deutlich besser abschneidet. Immerhin hatte Merz auf dem Parteitag 2018 in der Stichwahl mit Kramp-Karrenbauer immerhin 48 Prozent geholt, darauf lässt sich aufbauen.

    Die ungeliebte zweite Reihe…

    Um den alten Rivalen Merz als Kanzlerkandidaten zu verhindern, müsste Merkel also frühzeitig Markus Söder ins Gespräch bringen. Machtmensch Friedrich Merz würde wohl nur ungern als CDU-Chef unter einem Kanzler Söder in die zweite Reihe rücken wollen. Und ob Laschet sein NRW als Landesvater verlässt, um „nur“ CDU-Chef und nicht Kanzlerkandidat zu werden, kann bezweifelt werden. Und hier kommt Norbert Röttgen ins Spiel: Der außenpolitische Hardliner und Transatlantiker hatte frühzeitig erklärt, er unterstütze eine Kanzlerschaft von Söder und gebe sich mit dem CDU-Chefposten zufrieden.

    Sagt er endlich „ja“?

    Doch weder macht Merkel an diesem Dienstag eine Kutschfahrt mit Armin Laschet zum Aachener Dom, noch verbringt sie idyllische Momente mit Merz und Röttgen. Ziemlich sicher wird auch nach dem Rendezvous am Chiemsee keine öffentliche Kür Söders als Merkel-Nachfolger anstehen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz erklärte die Kanzlerin extra, sie werde bei der K-Frage äußerst zurückhaltend sein:

    "Markus Söder ist ein guter Ministerpräsident und der hat mich heute eingeladen. Mehr möchte ich dazu nicht sagen."

    Aber der Tag war ein wichtiges Zeichen an die Basis von CDU und CSU: Schaut her, Christdemokraten und bayerische Schwesterpartei sind so vereint, wie selten. Bis zu einem bayerischen Kanzlerkandidaten scheint es da nur ein winziger Schritt zu sein. Und auch wenn sie es bislang nicht zugeben will: Angela Merkel wird vor ihrem Abgang in dieser Frage ein wichtiges Wörtchen mitreden wollen.

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    Tags:
    Bundestagswahl, Bayern, CSU, CDU, Markus Söder, Angela Merkel