16:35 25 September 2020
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    Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli will als SPD-Kandidatin gegen Regierungschef Michael Müller für den Bundestag antreten. Ihre Argumentation polarisiert wieder die Twitter-Gemeinde – wie die Frau selbst.

    „Mein Vater ist aus einem libanesischen Flüchtlingslager nach Deutschland geflohen, damit seine Kinder eine Perspektive haben“, schreibt die Berliner Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, Sawsan Chebli, am Freitag auf Twitter. Hiermit kündigt die Politikerin an, sich „der SPD und meiner Heimat Charlottenburg-Wilmersdorf“ als Kandidatin für die Wahl zum nächsten Bundestag zur Verfügung zu stellen.

    Am Vorabend ging die Meldung in die Welt, und nun soll sich die 42-Jährige gegen die Prognosen verteidigen, sie hätte gegen den weiteren Kandidaten – den Regierungschef Michael Müller höchstpersönlich – keine Chancen. Der Anspruch scheint hoch. Kann sie mit ihrer Kandidatur etwas Wichtiges und Richtiges für Berlin, Deutschland und die Partei bewirken, fragt sie sich. „Ja, ich kann.“ Sie habe keine Website, kein Instagram, keinen Machtplan und keine Berater, dafür aber „unendlich viele Menschen, die mich unterstützen und mich darin ermutigt haben, diesen Weg zu gehen“. Faktisch hat sie bisher die Mitglieder ihres Kreisverbands gebeten, sie als Kandidatin zu nominieren – nicht mehr und nicht weniger. Sie sei bereit für die Bundespolitik, sagte die Politikerin übrigens gegenüber der „Welt“ – und fühle sich nach Stationen als Sprecherin des Ex-Außenministers Frank-Walter Steinmeier und nun als Staatssekretärin sehr gut vorbereitet. 

    „Wie wäre es mit inhaltlicher Arbeit und Leistung?“

    Wie die Wortwahl, so die Reaktionen. Vor allem werden nun ihre Kompetenzen hinterfragt – mit Blick auf ihre Leistungen noch als Sprecherin Steinmeiers.

    In einem unter dem Hashtag #GottBewahre verbreiteten halbminutigen Video aus der Bundespressekonferenz antwortet Chebli auf eine Frage zu Völkerrecht und Syrien erstmal mit einem undeutlichen Murmeln ohne Substanz. Weiter in den Kommentaren wird suggeriert, sie habe ihre Stelle nur durch die Frauenquotenregelung oder etwa wegen ihres Migrationshintergrundes bekommen. „Liebe Sawsan Chebli, ein Fluchthintergrund ist noch lange keine Qualifikation für eine Kandidatur im Bundestag. Wie wäre es mit inhaltlicher Arbeit und Leistung, anstatt mit der Opfermentalität auf Dauerschleife aufzufallen?“, twitterte der Nutzer Ahman A. Omeirate, der sich als Sohn libanesischer Flüchtlinge bezeichnet. 

    Weiter halten ihr die Kritiker vor, „manchmal abwertend über Deutschland zu twittern“ – man merke in dieser Hinsicht kaum, dass Berlin ihre Heimat sei. „Sie hatten die Möglichkeit, gegen das islamfeindliche Frauenbild anzugehen. Aber ich finde in Ihren vielen pol. Aussagen eher Statements, die zu einem ‘Wolf im Schafspelz’ passen“, kritisierte etwa der Nutzer Hajko Šote. 

    ​Und doch hat die SPD-Frau viele einflussreiche Unterstützer. „Alles Gute und viel Erfolg!“ wünschte ihr etwa der politische Gewerkschaftssekretär bei IG Metall und der ehemalige stellvertretende Jusos-Bundesvorsitzende Filippos Kourtoglou. Sie wäre nach seiner Ansicht „eine Bereicherung für die SPD und den Bundestag“. Model und Influencerin Marie von den Benken schloss sich ebenfalls dem #TeamSawsan an. Der politische Aktivist Liban Farah begrüßte die Entscheidung Cheblis als „eine deutliche Antwort auf die rechte Hetze“. Der Satiriker Shahak Shapira nahm sie etwa vor dem Shitstorm in Schutz bzw. die Sprecherin der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Laura Hoffmann, nannte sie ein Vorbild für viele Frauen. 

    Für ihre polarisierenden Äußerungen über Muslime und die Politik im Allgemeinen steht Chebli seit langem im Zentrum des öffentlichen Interesses – und erntet dafür häufig Hasskommentare einschließlich Morddrohungen. Wegen Beleidigungen im Internet als „Quotenmigrantin der SPD“  und „islamische Sprechpuppe“ wurde übrigens ein ehemaliger Polizist Anfang des Jahres angeklagt. Chebli trete polarisierend in der Öffentlichkeit auf, er wolle ihr Paroli bieten, argumentierte er vor dem Amtsgericht Tiergarten in Berlin. Er hege keinen Groll und keine bösen Absichten gegen Chebli. Er wurde anschließend freigesprochen.

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    Bundestag, Sawsan Chebli