16:16 25 September 2020
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    Sassnitzer CDU-Politiker haben einen offenen Brief an US-Präsident Donald Trump geschrieben und glauben, die US-Sanktionen gegen die städtische Infrastruktur noch stoppen zu können. Wie reagiert das Weiße Haus und - was sagt dazu Bundeskanzlerin Angela Merkel, die zu Sassnitz einen ganz konkreten Bezug hat?

    „Mensch, gut gemacht“, bekommt die stellvertretende Chefin der CDU Sassnitz, Christine Zillmer, öfter auf den Straßen der kleinen Hafenstadt auf Rügen  zu hören. Aber auch: „Trump wollen wir hier nicht sehen“. Zillmer und ihr Chef Ingo Trusheim haben das gemacht, was selbst der Bürgermeister der Stadt lieber der Politik in Berlin überlässt, nämlich: den  US-Senatoren Paroli zu bieten, die dem Abnehmer des Gaspipeline-Projekts Nord Stream 2, dem Fährhafen Sassnitz, eine „finanzielle Zerstörung“ durch Sanktionen versprochen hatten.

    „Dann können wir gemeinsam weiter Energiepolitik machen“

    Sie haben an den US-Präsidenten Donald Trump einen Brief geschrieben und diesen am 15. August direkt an das Weiße Haus geleitet - in der Hoffnung, dass der „Präsident der Weltmacht Amerika“ die schöne weiße Stadt am Meer selbst besichtigt und den großen Felsen im Hafen, „das Symbol der Stärke und Kraft der Region“, als Zeichen der europäischen Einigkeit wahrnimmt. Man halte am Bau der Pipeline, die in rechtsstaatlichen Verfahren in allen europäischen beteiligten 

    Ländern genehmigt sei, ausdrücklich fest. Wenn Trump dieses Symbol mit seinen Weisheiten persönlich bewegen könne, „dann können wir gemeinsam weiter Energiepolitik machen“, so die Kernbotschaft des Briefes, der auch Sputnik vorliegt. Das öffentliche Interesse in Deutschland kam den beiden Politikern wie gerufen, doch hilft das weiter?

    Die Rückmeldung des Weißen Hauses stehe noch aus, gibt Zillmer gegenüber Sputnik zu. In den anderen Interviews der Ortsgruppe hieß es: Viele Menschen hätten sich eine deutlichere Reaktion der Bundespolitik auf diese Einschüchterungsversuche gewünscht. Es kommt ein heikler Fakt dazu: Rügen und der Hafen Mukran, in dem das russische Verlegeschiff „Akademik Cherskiy“ ankert und die restlichen Röhren liegen, befinden sich im Wahlkreis von Bundeskanzlerin Merkel. Man könnte sagen: Wenn Sassnitz jetzt von den USA gedroht wird, wird faktisch ihrer politischen Domäne und ihr selbst das Messer an die Kehle gesetzt. Doch die Reaktionen aus Berlin auf die Drohungen bleiben äußerst diplomatisch und zurückhaltend. „Wir glauben trotzdem, dass es richtig ist, dieses Projekt fertig zu stellen und in diesem Sinne agieren wir“, sagte Merkel zuletzt. Warum haben die Sassnitzer vor diesem Hintergrund nicht eine härtere Sprache für die Antwort gewählt?

    „Es gibt viele, die sagen, es muss energischer reagiert werden“, sagt Zillmer weiter. Es sei aber immer gut, auf eine Drohung nicht mit einer Gegendrohung oder anderen Maßnahmen zu reagieren. „Wir wollen mit Trump auf einer rein menschlichen Ebene sprechen, damit er sich vor Ort ein Bild über die Lage macht. Diplomatie hin, Diplomatie her.“ Man habe Respekt vor dem Präsidentenamt, „er muss ja auch Präsident geworden sein irgendwie“, so die Politikerin.

    Was erwartet Sassnitz von der Bundesregierung? Grundsätzlich habe Berlin jetzt zwei Dinge abzufedern. „Zum einen unsere Region hier vor Ort auf dem Laufenden zu halten, was jetzt passieren soll, denn wir sitzen hier schon und denken, o.k., ist das schon eine Drohung? Wie geht Berlin damit um und wie werden wir diesbezüglich geschützt?“ Auf der anderen Seite müsste Berlin auf die Absender des Briefes reagieren. „Derzeit regen sich alle nur darüber auf. Wir regen uns auch auf und wollten vor Ort bei der Quelle fragen, was das soll.“

    Ob die Bundesregierung in der Frage abgesehen von den Medien-Äußerungen und dem Telefonat des Außenministers Heiko Maas mit dem US-Amtskollegen Mike Pompeo schon angemessen agiert? Die Antwort von Zillmer klingt bescheiden:

    „Ich hoffe, es wird adäquat darauf reagiert und diplomatisch geantwortet. Wir haben die Nord Stream  ja fertig gestellt, und wir werden auch die Nord Stream 2 fertig stellen. Was jetzt nicht unbedingt notwendig ist, ist eine aufgeregte Rückantwort.“

    Durch die Aufmerksamkeit der ausländischen Medien zu ihrem Brief soll dieser Trumps Administration schon sicher erreichen, hofft die Frau. Vielleicht müsste man den Brief auch twittern. Dass Merkel aber persönlich nicht genug macht, um die Stadt zu schützen, das glaubt die Politikerin nicht. „Alle sind sich relativ einig darüber, dass wir eine gute politische Führung haben in Berlin. Es heißt grundsätzlich: keine Unbesonnenheit, sondern überlegtes Reden und Menschlichkeit. Als Nicht-Schutz empfinden wir dies definitiv nicht.“ Dass diesbezüglich besonnen in Richtung Amerika reagiert werde, habe Merkel mehrfach auch schon bewiesen, so Zillmer zum Schluss.

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    Tags:
    Sassnitz, Nord Stream 2