07:39 30 September 2020
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    Nach dem längst erwarteten Treffen im Kanzleramt zeigt sich die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg nicht besonders überzeugt von der deutschen Staatschefin. Ist da etwa etwas schief gelaufen? Ein Überblick.

    Die Kanzlerin sei zwar „nett“ und „sehr freundlich“ gewesen, sagte Thunberg anschließend gegenüber den Medien. Sie wünsche sich aber mehr Mut und Weitsicht von Politikern und Führungsfiguren. „Wir wollen“, betonte die 17-Jährige, „dass Anführer aktiv werden und die Klimakrise wie eine Krise behandeln.“ Ist Merkel schon dabei? Sie habe „eine riesige Verantwortung, aber auch eine riesige Chance, so eine Anführerin zu werden“, hieß das Urteil.

    Im vergangenen Jahr hatte Thunberg Merkel noch vorgeworfen, sich zwar gern mit ihr fotografieren zu lassen, den Klimaschutz aber nicht hinreichend voranzubringen. Um die junge Klima-Ikone wohl vom Gegenteil zu überzeugen, hat sich die 66-Jährige am heutigen Donnerstag gut anderthalb Stunden für ein Gespräch genommen. Allerdings nicht nur mit Thunberg, sondern auch mit anderen Gesichtern der Fridays for Future: der Deutschen Luisa Neubauer und den Belgierinnen Anuna de Wever und Adélaïde Charliér.

    Sie hätten über die Bedeutung der CO2-Bepreisung sowie über nationale Maßnahmen der Klimapolitik wie den Ausstieg aus der Kohleverstromung diskutiert, teilte das Kanzleramt danach mit. Man sei sich einig, dass die Erderwärmung eine globale Herausforderung sei, bei deren Bewältigung den Industriestaaten eine besondere Verantwortung zukomme. Merkel selbst kommentierte die Zusammenkunft nicht.

    Alle Hoffnungen auf Merkel?

    Die junge Klimabewegung hat dagegen immer noch sehr hohe Erwartungen an die Deutschen. „Wir werden der Kanzlerin sagen, dass sie sich der Klimakrise stellen muss - vor allem jetzt, da Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft innehat“, schrieben die vier im „Spiegel“. Es gehe darum, was in diesem letzten Jahr Merkel noch passieren könne, erklärte Neubauer auch im ARD. „Frau Merkel ist für Menschen wie mich die einzige Kanzlerin oder der einzige Staatschef, den ich erinnere aktiv.“ Nach der „langen Unterhaltung“ bedauerte die 24-Jährige, die beiden Seiten würden auf die Situation deutlich „von verschiedenen Perspektiven“ schauen. Die Aktivistinnen hätten aber ihr Verlangen deutlich gemacht: nicht mehr und nicht weniger, als die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens. Die vier hätten Merkel gesagt, sie bräuchten Anführer, die mutig genug seien, die notwendigen Schritte zu tun, auch wenn es harte Entscheidungen seien, verriet die Belgierin Charlier weiter. Und Merkel?

    „Sie hat uns gesagt, dass sie es in Erwägung ziehen wird, zu versuchen, mutiger zu sein.“

    Ob Anuna de Wever noch bei ihrer Meinung bleibt, die Kanzlerin wollte mehr, als „nur ein Foto“? Einige Stunden nach dem Treffen haben die normalerweise im Netz so aktiven jungen Frauen noch nichts zu dem Treffen mit der hochrangigen Politikerin veröffentlicht. Auch in der Politikwelt findet das Treffen abgesehen von einigen Grünen und AfD-Köpfen kaum Resonanz.

    Deutschland emittiert bereits deutlich weniger CO2

    Laut dem jüngsten Klimaschutzbericht der Bundesregierung sind die deutschen CO2-Emissionen 2019 im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent gesunken. Grund dafür sollen die gestiegenen Emissionshandelspreise sein, wodurch deutlich weniger Kohle für die Stromerzeugung verbrannt wurde. Nimmt man das Jahr 1990, da soll Deutschland fast 36 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen haben, als 2019. Angesichts der Corona-Krise wird erwartet, dass die CO2-Emissionen 2020 deutlich geringer ausfallen und Deutschland das  40-Prozent-Ziel, zu dem es sich im Pariser Klimaabkommen verpflichtete, noch erreichen kann. Bis 2030 soll Deutschland seine Treibhausgasemissionen noch um 55 Prozent verringern. Gemeinsam bestreben Berlin und Brüssel, bis 2050 klimaneutral zu werden.

    Auf dem Weg zu dem erstrebten Ziel wären die weltweiten CO2-Emissionen dann ein Haken. Laut dem letzten Bericht der Vereinten Nationen war der allgemeine Ausstoß 2018 mit 55,3 Gigatonnen so hoch wie nie zuvor. 2017 sollen es noch 53,5 Gigatonnen gewesen sein. Verantwortlich für die weiterhin steigenden Emissionen soll dem Bericht zufolge vor allem die Gruppe der G20 sein, also die wichtigsten Industriestaaten und Schwellenländer. Ihre Emissionen entsprechen vermutlich 78 Prozent des weltweiten Ausstoßes von Treibhausgasen.

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    Tags:
    Fridays For Future, Greta Thunberg, Klimawandel, CO2-Emissionen, CO2