17:19 18 September 2020
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    Die Wirtschaftsleistung der meisten europäischen Staaten hängt zu einem großen Teil von deren jeweiliger Hauptstadt ab. Ob Paris, London oder Madrid – ohne den Beitrag dieser Städte stünden die Staaten erheblich schlechter dar, so eine aktuelle Rechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Eine unrühmliche Ausnahme bildet Berlin.

    Frankreich ohne Paris? Tschechien ohne Prag? In einem fiktiven Universum wären die europäischen Länder bar ihrer Hauptstädte sicherlich in kultureller, kulinarischer wie künstlerischer Hinsicht ärmer. Doch auch die Wirtschaft der europäischen Länder wäre deutlich geschwächt, gäbe es die Hauptstädte nicht. Das zeigt eine Rechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf Basis der jüngsten Statistiken von Eurostat für das Jahr 2017.

    Griechenland profitiert stark von Athen

    Unter den untersuchten Staaten hängt Griechenland am meisten von seiner Hauptstadt ab – die Wirtschaft würde ohne Athen um knapp 19 Prozent schrumpfen, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf. Das ist der Wert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft produziert werden. Die griechische Wirtschaft ist neben dem Tourismus in erster Linie durch Dienstleistungen geprägt – und diese Dienstleister sitzen oft in Athen. Zudem ist die Stadt mit dem naheliegenden Hafen in Piräus ein wichtiger Ausgangspunkt für internationalen Handel, so das IW.

    Frankreich wäre ohne Paris knapp 16 Prozent ärmer, Tschechien um rund 15 Prozent, Dänemarks BIP pro Kopf wäre ohne Kopenhagen 14 Prozent niedriger, auch Spaniens BIP fiele ohne Madrid um 5 Prozent zurück, Italien ohne Rom um etwa 2 Prozent. Die untersuchten EU-Länder profitieren von ihren Regierungssitzen – mit einer Ausnahme:

    Deutschland wäre ohne Berlin reicher

    Aus der Rangliste sticht Deutschland mit seiner „Arm-aber-sexy“-Hauptstadt Berlin hervor. Denn das deutsche Bruttoinlandsprodukt pro Kopf wäre um knapp 0,2 Prozent höher, gäbe es Berlin nicht. Verwunderlich finden dies die Autoren Matthias Diermeier und Henry Goecke nicht, schließlich hätten die großen deutschen Konzerne ihre Hauptsitze woanders – etwa in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachen. Berlin hatte bis zur Aufnahme des Immobilienkonzerns „Deutsche Wohnen“ im Juni 2020 kein einziges Dax-Unternehmen in der Stadt. Berlins junger Altersdurchschnitt helfe der Stadt ebenfalls nicht, da jüngere Generationen im Schnitt schlechter verdienen. Zudem ist in Berlin die Arbeitslosenquote höher als im bundesdeutschen Durchschnitt, konstatierten die Wissenschaftler.

    Auch bei der Zahl der Obdachlosen belegt die deutsche Hauptstadt übrigens eine Spitzenposition mit „Geschmäckle“: Ob der Säulengang der Leibnizgesellschaft in Berlin-Mitte als Lagerstatt, eine Matratzenburg an einer Bushaltestelle in Friedrichshain oder  - wieder im Regierungsviertel – Obdachlose, die im Tiergarten oder an der zentralen Friedrichstraße campieren: Olfaktorisch wie visuell eine besondere Herausforderung und mit Symbolkraft dafür, wie mit Berlin am Tropf des Länderfinanzausgleiches ganz Deutschland ins Hintertreffen gerät.

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    Tags:
    Obdachlose, Arbeitslosigkeit, Europa, Hauptstadt, Bruttoinlandsprodukt (BIP), Wirtschaft, Berlin