13:46 29 September 2020
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    Am Mittwoch hat Deutschland die vom Coronavirus noch bis vor kurzem weitgehend verschonten Kanarischen Inseln aufgrund der stetig steigenden Anzahl der Corona-Neuinfektionen auf die „schwarze Liste“ der Risikogebiete gesetzt.

    Mit 300 Fällen pro Tag während der vergangenen Woche meldeten die regionalen Gesundheitsbehörden in Las Palmas zuletzt stark steigende Infektionszahlen. Die zu Spanien gehörenden Atlantik-Inseln verloren deshalb am Mittwoch dann auch prompt ihre bisherige Sonderstellung und gelten ab Mittwoch als ein „Risikogebiet“. Nun umfasst diese „schwarze Liste“ der Risikogebiete ganz Spanien - inklusive der bei Deutschen beliebten Balearen samt der Ferieninsel Mallorca.

    Die damit zu erwartende Reisewarnung des Auswärtigen Amtes samt Quarantänepflicht für Urlauber nach ihrer Heimkehr wird der bereits schwer angeschlagenen Tourismusbranche, die einen Anteil von etwa 35 Prozent am Regionaleinkommen hat, einen „Todesstoß“ versetzen, wie ein TV-Kommentator schon vor einigen Tagen betonte. Denn trotz der Sonderstellung herrschte auf den Kanarischen Inseln bereits vor der Berliner Entscheidung „Trostlosigkeit“ und „Verzweiflung“, wie die Zeitung „El Día“ jüngst schrieb und mit Fotos leerer Straßen, Plätze und Kneipen schmerzlich untermauerte.

    Der kanarische Regionalpräsident Ángel Víctor Torres hatte angesichts der negativen Entwicklung schon vor einigen Tagen neue Einschränkungen bekanntgegeben, die er „drastisch“ nannte. Auf den besonders schwer betroffenen Inseln Gran Canaria und Lanzarote sind Veranstaltungen mit mehr als zehn Teilnehmern seither zunächst bis zum 11. September verboten. Restaurants und Kneipen müssen schon um Mitternacht schließen. In der gesamten Region gilt auch am Arbeitsplatz Maskenpflicht.

    Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Auf den Kanaren lag diese Zahl binnen sieben Tagen bei mehr als 95. Damit stehen die Inseln vor der Westküste Afrikas inzwischen schlechter da als manche andere spanischen Gebiete, für die seit Mitte August die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt, wie etwa das ebenfalls vom Tourismus stark abhängigen Valencia (62) oder Andalusien (knapp 57). Auf den Balearen mit der liebsten Insel der Deutschen, Mallorca, liegt diese Zahl derzeit bei knapp 60.

    Über die Risikogebiete führt das bundeseigene Robert Koch-Institut (RKI) eine Liste, die von den Mitarbeitern des Instituts ständig aktualisiert wird. Diese umfasst mehr als 130 Staaten, von Ägypten über Russland bis zu den USA.

    Deutschland – zweitgrößter Markt für Kanaren

    Mit 2,65 Millionen Besuchern im vorigen Jahr ist Deutschland hinter Großbritannien (rund fünf Millionen) und vor Spanien (rund zwei Millionen) der zweitgrößte Markt für die Kanaren. London hatte am 26. Juli eine Quarantäne für alle Spanien-Rückkehrer angeordnet. Das war vor allem für die Kanaren und die Balearen, die beide besonders viele Briten empfangen und wo Tourismus wie sonst nirgendwo in Spanien die Haupteinnahmequelle ist, schon ein sehr harter Schlag.

    ac/mt/dpa

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    Tags:
    Spanien, Gebiete, Risiko, Coronavirus, Kanarische Inseln, Bundesregierung