01:31 01 Dezember 2020
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    Im ausklingenden Monat September soll die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland „um eine Million“ gesunken sein. Das geht aus neuesten Zahlen des Münchner „Ifo“-Instituts hervor. Die Bundesministerien für Justiz und Arbeit prüfen aktuell „über 2000 Betrugsfälle“ beim Kurzarbeitergeld.

    Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland ist in der Corona-Krise nach Angaben des „Ifo“-Institut für Wirtschaftsforschung in München im September auf etwa 3,7 Millionen Menschen gesunken. Dies sei ein Rückgang von circa einer Million.

    Im August gab es demnach noch 4,7 Millionen Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeiter im deutschen Arbeitsmarkt.

    Diese Angaben gehen „aus exklusiven Berechnungen und Schätzungen des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung auf Basis einer Konjunkturumfrage hervor“, die der Sputnik-Redaktion vorliegen. Damit sei der Anteil der Kurzarbeiter „an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf elf Prozent geschrumpft, von 14 Prozent im August.“

    „Rückgang der Kurzarbeit“

    „Der Rückgang der Kurzarbeit schreitet stetig voran“, kommentierte „Ifo“-Arbeitsmarkt-Experte Sebastian Link. „Besonders hoch bleibt aber der Anteil an den Beschäftigten in der Industrie.“

    Demnach waren im September „im Verarbeitenden Gewerbe schätzungsweise noch 1,47 Millionen Menschen in Kurzarbeit.“ Also etwa 21 Prozent aller Beschäftigten. „Bei den Dienstleistern waren es 1,23 Millionen oder zwölf Prozent, im Handel 406.000 Menschen oder neun Prozent.“ Im Bauhauptgewerbe dagegen nur rund 5000 Menschen, „oder ein Prozent“. In den übrigen Wirtschafts-Sektoren schätzte das ifo-Institut die Zahl der Kurzarbeiter auf 622.000 oder fünf Prozent der Beschäftigten.

    Ministerien prüfen Betrugsfälle

    Unterdessen meldete die „Tagesschau“ vor wenigen Tagen, dass es in Bezug auf Missbrauch bei Kurzarbeitergeld „2100 Verdachtsfälle“ gebe. Durch unrechtmäßig bezogenes Kurzarbeitergeld sei dem Staat seit Beginn der Pandemie und Wirtschaftskrise angeblich ein schwerer wirtschaftlicher Schaden entstanden.

    „21 Fälle mit einem Millionenschaden wurden bereits an die Justiz (und das Bundesarbeitsministerium, Anm. d. Red.) übergeben.“

    Den Angaben zufolge begann die Bundesagentur für Arbeit im März „mit einer systematischen Erfassung der Missbrauchsfälle beim Kurzarbeitergeld.“ Derzeit seien bundesweit mehr als 6000 Mitarbeiter mit der Bearbeitung und Überprüfung der Fälle befasst. Seit dem Höhepunkt der Krise im April „mit sechs Millionen Kurzarbeitern gehen die Zahlen aber kontinuierlich zurück.“

    Schwanken zwischen „wertvoll“ und „belastend“ – Umfrage

    Anfang September hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) über eine repräsentative Umfrage in den Krisenmonaten Juni und Juli berichtet. Demnach sagten 43 Prozent der befragten Kurzarbeiter, sie hätten diese Zeit als „insgesamt wertvoll“ erlebt. Dagegen empfanden nur etwa halb so viele – etwa 24 Prozent – ihre Erfahrung in der Kurzarbeiterzeit „insgesamt belastend“.

    Befragte Männer berichteten etwas häufiger, „in 29 Prozent der Fälle“, von Existenzängsten. „Frauen dagegen fanden deutlich mehr als Männer die Zeit der Kurzarbeit 'wertvoll'.“

    „Kurzarbeit können alle gewerblichen Unternehmen beantragen, auch Betriebe, die kulturellen oder sozialen Zwecken dienen“, informierte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bereits im Juni. „Kurzarbeit ist nicht von der Größe des Unternehmens abhängig. (...) MinijobberInnen sind aufgrund der Befreiung von der Sozialversicherungspflicht ausgenommen. Auszubildende erhalten normalerweise kein Kurzarbeitergeld, weil in der Regel auch bei verminderter Produktion die Ausbildung fortgesetzt werden soll.“

    Kurzarbeitergeld soll noch bis Ende 2021 gezahlt werden

    „Bis Ende 2020 gilt eine Regelung, nach der das Kurzarbeitergeld unter bestimmten Voraussetzungen erhöht werden kann“, meldet die bundesdeutsche Arbeitsagentur aktuell auf ihrer Internet-Seite. Bereits am Anfang der Coronavirus-Pandemie hatte die Bundesregierung das Kurzarbeitergeld erhöht. Im September hatte das Kabinett außerdem beschlossen, die Bezugszeit des Kurzarbeitergeldes maximal bis Ende 2021 zu verlängern.

    Erst Mitte des Monats gab die Arbeitsagentur bekannt, dass es einen erheblichen Anstieg der Kosten gegeben habe. So umfassten die Ausgaben für konjunkturelle Kurzarbeit bis August dieses Jahres 8,1 Milliarden Euro und die Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge beim Kurzarbeitergeld schlug mit 6,2 Milliarden Euro zu Buche.

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    Tags:
    Deutschland, Coronavirus, Kurzarbeit