13:30 04 Dezember 2020
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    Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) protestiert mit einer Aktion gegen Rechtsextremismus in der Truppe. Die Künstler geben sich als Militärischer Abschirmdienst aus, rufen mit dem Slogan „Wo sind unsere Waffen?“ zu Hinweisen zum Verbleib verschwundener Waffen und Munition auf. Vor dem Kanzleramt wurde gar ein Rückgabecontainer installiert.

    Am Montag hat das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) vor dem Bundeskanzleramt in Berlin eine „Waffen-Rückgabecontainer -Station“ errichtet. Sie besteht aus zwei umfunktionierten Altkleider-Containern, in die gestohlene Kampfmittel eingeworfen und so zurückgegeben werden könnten.

    Mit Verweis auf Angaben des Verteidigungsministeriums fehlen der Bundeswehr unter anderem 60 Kilogramm Sprengstoff, etliche Gewehre „HK G36“ und „MG3“, Fliegerfäuste und Sprengkapseln sowie etwa 74.000 Schuss Munition.

    Seit Jahren entwendeten rechtsextreme Netzwerke in der Bundeswehr ungestraft Munition und schwere Waffen, um sich für einen Bürgerkrieg auszustatten, so das ZPS.

    Teil der Aktion ist eine Website, auf der verschwundenes Waffenmaterial der Bundeswehr aufgelistet ist mit der Aussicht, 1.000 Euro für jeden Hinweis, der zur Ergreifung der Täter oder zum Auffinden der gestohlenen Ausrüstung führt, „absahnen“ zu können. Alles hat einen hochoffiziell wirkenden Anstrich: Das ZPS gibt sich als Militärischer Abschirmdienst (MAD) aus, den Bundeswehr-Geheimdienst.

    Die Künstlergruppe habe zudem bundesweit 97 Dörfer und Landkreise zu “Kampfmittelverdachtszonen” erklärt, weiß das Redaktionsnetzwerk Deutschland. (RND). Ein Kampagnen- „Waffenmobil" würde angeblich ab Mittwoch im Nordosten gezielt über Land fahren und Dörfer ansteuern, um Waffen aus Beständen der Armee wieder einzusammeln: Der 25-Tonnen-schwere LKW verfüge über eine Waffenklappe zum anonymen Einwurf von Kriegsgerät, so eine „MAD-Erklärung“ auf der Seite des Künstlerkollektivs. Der Hinweis erfolgt wohl im Hinblick auf Aktivitäten der „Prepper”- Gruppe “Nordkreuz”.

    Das ZPS hat bereits in der Vergangenheit mit umstrittenen Aktionen für Schlagzeilen gesorgt. So hat die Gruppe 2017 einen Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals neben dem Privathaus des Politikers Björn Höcke (AfD) in Bornhagen/Thüringen errichtet und im vergangenen Jahr stellte das ZPS am Bundestag eine Gedenksäule auf, deren Torso angeblich Asche von Opfern der Massenmorde der Nazis enthielt. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hatte seinerzeit die Vorgehensweise des ZPS unseriös genannt: Sie diene offensichtlich ausschließlich dazu, Aufmerksamkeit zu erregen, es hagelte heftige Kritik und das ZPS entschuldigte sich.

    Die neue ZPS-Aktion will nun offensichtlich, dass Verbindungen von Neonazis und Truppe ins Zentrum gesellschaftlicher Debatten rücken und der für den 31. Oktober angekündigte Zwischenbericht der Bundeswehr zu rechtsextremen Vorfällen beim Kommando Spezialkräfte (KSK) hinreichend Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erhält. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte der Elite-Einheit im Sommer ein Reform-Ultimatum gestellt, um den rechtsextremen Umtrieben beim deutschen Militär beizukommen.

    Das Verteidigungsministerium wolle nicht gegen das Künstlerkollektiv vorgehen, da die MAD-Aktion als Satire bewertet würde.

     

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    Tags:
    Rechtsextremismus, Bundeswehr, Zentrum für Politische Schönheit