21:20 23 November 2020
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    Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans befürchtet, dass die Intensivkapazitäten in Krankenhäusern während der Corona-Pandemie nicht ausreichen. Ein Medizinexperte hält die Lage für deutlich dramatischer als zu Beginn der Pandemie im Frühjahr.

    Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans warnt mit Blick auf die steigenden Corona-Zahlen vor einem Kollaps in vielen Krankenhäusern.

    „Die Situation ist erschreckend und alarmierend: Schon bald kann es zu einem Kollaps in vielen der 1900 Krankenhäuser in Deutschland kommen”, sagte der CDU-Politiker der „Bild am Sonntag”. Gerade jetzt, wo in der zweiten Corona-Welle jeder Intensiv- und Beatmungsplatz dringend benötigt werde, würden Kliniken aus der Versorgung fallen, Stationen geschlossen und Notaufnahmen abgemeldet. „Grund ist fehlendes oder erkranktes Pflegepersonal.”

    Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, sagte der Zeitung: „Es ist in einigen Bundesländern nicht mehr viel Spielraum. Berlin hat nur noch 14 Prozent freie Intensivbetten, Bremen 17 Prozent.” Dies liege auch daran, „dass viele Kliniken immer noch ihr Routineprogramm durchführen”. Als Beispiele nannte er Magen-Bypässe und Gelenk-Operationen. Mit Blick auf die Lage zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr sagte Janssens: „Damals war die Situation übrigens viel weniger dramatisch als das, was jetzt auf uns zukommt.”

    Hans forderte aufgrund der Situation einen Rettungsschirm für die Kliniken: „Sie brauchen dringend Unterstützung. Neben dem Personalengpass droht den Krankenhäusern der finanzielle Kollaps.” Sein Vorschlag: „Wir sollten jetzt dringend die Freihaltepauschalen wieder einführen, damit die Kliniken in den nächsten Wochen und Monaten finanziell abgesichert sind.” Freihaltepauschalen sind Tagespauschalen als Ausgleich für jedes leerstehende Bett.

    Außenminister Heiko Maas sagte dem „Tagesspiegel am Sonntag”, die Lage in Deutschland sei zwar „angespannt”, aber besser als in einigen anderen Ländern.

    „Was ich aus dem Ausland an Reaktionen wahrgenommen habe, war eher eine Mischung aus Bewunderung und dem Wunsch, es ähnlich zu machen”, sagte der SPD-Politiker. „Wer unsere Situation mit der anderer Länder vergleicht, kommt zu dem Schluss: Deutschland steht so schlecht nicht da.” Dennoch seien die von Montag an geltenden neuerlichen Einschränkungen notwendig. „Uns steht ein harter Winter bevor.”

    Grenzschließungen als Teil der Corona-Maßnahmen schloss Maas aus: „Die Grenzen werden offenbleiben.” Man habe im Frühjahr genügend Erfahrungen gemacht, wie man Kontrollen organisiere, falls sie notwendig würden.

    „Ich bin sicher, dass wir Staus an der Grenze, die Dutzende von Kilometern lang sind, nicht sehen werden”, so Maas.

    Ab Montag wird mit einem Teil-Lockdown die Zahl der Menschen, die in privaten Räumen und in der Öffentlichkeit zusammenkommen dürfen, streng begrenzt. Hotels dürfen keine Touristen mehr aufnehmen. Schulen, Kitas und der Einzelhandel bleiben anders als im Frühjahr aber geöffnet. In vielen Bundesländern wurden die Beschlüsse bereits in Landesverordnungen gegossen, am späten Samstagabend folgte auch Thüringen.

    Im Gegensatz zu ersten Plänen dürfen in Thüringen nicht nur Friseursalons, sondern auch Kosmetik- und Nagelstudios bei der Einhaltung der Hygienekonzepte weiter öffnen. Auch Zoos und Tierparks können noch Besucher empfangen - allerdings nur in den Außenbereichen. Eine Sonderregelung gibt es auch für Museen, die zumindest für kostenlose, bildungsbezogene Angebote öffnen können. Auch am Sonntag wollten noch einige Länder darüber entscheiden, wie die verschärften Regeln konkret umgesetzt werden.

    ai/dpa

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    Tags:
    Pandemie, Intensivstation, Krankenhaus, Saarland, Deutschland