21:08 23 November 2020
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    Wie wird sich das Ergebnis der US-Wahlen auf das deutsch-amerikanische Verhältnis auswirken? Von einer Rückkehr zur „gewohnten Normalität“ sprechen nicht einmal die überzeugendsten Transatlantiker. Dafür machen sie aber einen anderen Eindruck. Eine Glosse.

    „Wir wollen kein Satellit der USA sein“, hieß ein Beitrag der „Tagesschau“ von Ende Oktober über Kuba. Eine auf Kuba lebende US-Amerikanerin, deren Geschäfte unter dem Embargo leiden, meinte da etwa, für Kuba wäre Trumps Abwahl das Beste. Das auffällige Zitat stammt jedoch von einem Kubaner, der von dem nach Obama weggefallenen Annäherungskurs mit den USA offenbar nicht viel hält, dafür aber das Positive daran sieht. Man wolle ja auch kein Satellit der USA sein, der „darauf wartet, dass ein Präsident gewinnt, der uns hilft, Reformen einzuleiten – die müssen wir schon selbst durchführen“, so der junge Mann.

    Das Verhältnis USA-Deutschland ist im Vergleich zu Kuba allerdings von viel mehr gemeinsamen Stationen geprägt. Als die Deutschen kürzlich von der Atlantik-Brücke zu den US-Wahlen befragt werden, gaben zwei Drittel an, dass eine Wahl Joe Bidens sich positiv auf die transatlantischen Beziehungen auswirken würde. Auch werden die USA laut der Umfrage von vielen Deutschen, vor allem von den Jüngeren, als wichtigerer Partner wahrgenommen als Russland oder China. Weder Trumps Amtszeit noch die transatlantische Krise konnten diese Wahrnehmung kippen.  

    Was soll eigentlich Trump? 

    Dass er für Deutschland und die Welt kein Geschenk und insgesamt eine super-problematische Person ist, war von Anfang klar. Jedoch wurde er durch die freien demokratischen Wahlen legitimiert. Immer noch warnen Kenner, wie kürzlich der US-Schriftsteller Jonathan Safran Foer in „La Repubblica“, davor, die Prozesse in der US-Gesellschaft zu oberflächlich zu betrachten oder etwa Trumps Wähler pauschal als rassistisch und ignorant einzustufen – sie hätten ja oft nachvollziehbare Gründe für ihre Entscheidung, auch weil die liberale Welt sich überlegen und im Recht fühle und öfter nicht in der Lage sei, einen Dialog zu führen. Ob die Deutschen das auch einsehen? Schließlich sehen wenigstens die von der Atlantik-Brücke Befragten zu fast gleichen Teilen Trump und Biden als Wahlsieger: rund 41 Prozent für Biden gegen circa 38 Prozent für Trump.

    Ein anderes Bild verschaffen aber die Medien – und dazu weite Teile der deutschen Eliten. Hier ein Beispiel: Wenn „Der Spiegel“, dessen Devise ja offenbar „Schreiben, was sein sollte“ lautet, kurz vor den Wahlen prominente Stimmen zur US-Lage sammelt, setzt etwa der „Freund Amerikas“ Friedrich Merz (CDU) da auf die Durchsetzungskraft „des amerikanischen Optimismus“ und „der bekannten Dynamik dieses Landes“. Die Staatssekretärin in Berlin, Sawsan Chebli (SPD), äußerte die Hoffnung, dass „Amerika wieder zu dem wird, was es verheißt“, und dass „die USA und Deutschland in Zukunft Freunde sind, die mit gemeinsamen Kräften Friedenspolitik machen“.
    Auch der Vorsitzende der deutschen Atlantik-Brücke, Sigmar Gabriel (SPD), bekannte sich zu dem Land, dem die Deutschen „fast alles zu verdanken haben“. Gabriel könne nur hoffen, dass Joe Biden diese US-Wahl gewinne – und so auch die Botschaft all der restlichen elf Promis aus der deutschen Politik-, Kultur- und Sportszene. Lediglich der außenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Jürgen Trittin, merkte unter anderem an, dass Trump Symptom und nicht Auslöser der transatlantischen Krise sei. Keiner von den Befragten aber hat die beiden Präsidentschaftskandidaten gleichermaßen in Frage gestellt oder die Zukunft der USA den Amerikanern überlassen – in dem Sinne: Euer Zirkus geht uns nichts an.

    Psychische Abhängigkeit?

    Dafür geht aber einem öfter die Frage durch den Kopf, inwieweit die sogenannten Influencer der Bundesrepublik, egal wie gleich sie klingen, nicht aus einer unabhängigen selbstbewussten Position auftreten und in der transatlantischen Krise neue Chancen einsehen, sondern sich – Satelliten gleich – immer noch an den „Großen Bruder“ USA klammern. Wenn sich die EU und Deutschland aus ihrer Sicht um sich selbst kümmern sollten, dann unbedingt in der US-Tradition „der globalen Verantwortung für Krieg und Frieden“.

    Und wenn der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, verstärkt von der Gestaltungsmacht der Nato und der Grünenpolitiker Cem Özdemir von den mit Joe Biden wiedergeltenden Regeln (ist hier das Völkerrecht gemeint?) träumen, Sigmar Gabriel dazu in einem Demokraten – egal wie altersschwach der wohl ist – unbedingt einen Präsidenten sieht, der „Gott sei Dank wieder Interesse an uns hat und (…) uns nicht nur als Gefolgschaft versteht“ – dann könnte man schon sagen, es geht hier um eine Version der psychischen Abhängigkeit, die um eine Größenordnung stärker sein mag als die geistige Abhängigkeit der ehemaligen DDR von der Sowjetunion. Ist dieses Problem der innerlichen Abhängigkeit in der Perspektive noch schlimmer ist als der rein externe Druck der USA auf die Deutschen? Feinere Analysen zu diesem Thema stehen erst bevor.

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    NATO, Norbert Röttgen, Sigmar Gabriel, Jürgen Trittin, Donald Trump, Joe Biden