12:30 03 Dezember 2020
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    Spätestens Anfang 2021 wird es die ersten zugelassenen Covid-19-Impfstoffe geben. Wer wird zuerst geimpft werden und wo? Gibt es eine Impfpflicht? Darf man sich auch selbst Impfstoff im Ausland besorgen? Am Montag wurde hierzu eine erste Impfstrategie vorgestellt.

    Anfang nächsten Jahres könnte der erste Corona-Impfstoff verfügbar sein. Die Bundesregierung hat ein Expertenteam beauftragt, eine Impfstrategie zu erstellen, um einen Plan zu haben, wer, wo, von wem – und vor allem: wer zuerst – geimpft wird, damit kein Chaos entsteht. Die Leiter dieser Kommission stellten am Montag in Berlin ihre Impfstrategie vor.

    ​Risikogruppen zuerst

    Solange es noch nicht genug Impfstoff für alle gibt, muss eine „Priorisierung“ erfolgen, sagte die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Prof. Alena Buyx, bei der Vorstellung des Positionspapiers in der Bundespressekonferenz.

    Zuerst geimpft werden sollen Risikogruppen, das heißt in erster Linie Alte und Kranke in Pflegeheimen und Krankenhäusern.

    Die nächste Prioritätsgruppe sind Menschen, die die Alten und Kranken betreuen, also Pfleger, Krankenschwestern und Ärzte.

    Als dritte Kategorie schlägt das Expertenteam systemrelevante Berufsgruppen vor, wie Mitarbeiter von Gesundheitsämtern, Polizisten, Feuerwehrleute, Lehrer oder Erzieher.

    Zentrales Impfregister

    Die in Deutschland Geimpften sollen in einer zentralen Datenbank erfasst werden. Dies dient der Ermittlung des Grades der Durchimpfung der Bevölkerung, aber auch, um schnell auf mögliche Nebenwirkungen und neue Komplikationen im Zusammenhang mit den Impfungen reagieren und die bereits Geimpften nachverfolgen zu können, so Prof. Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO).

    Kein Impfzwang

    Eine Impfpflicht wird es nicht geben. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte bereits am Sonntag am Tag der offenen Tür in einem Video, in dem sie auf Bürgerfragen antwortete: „Niemand wird gezwungen werden, sich impfen zu lassen, sondern es ist eine freiwillige Entscheidung.“ Prof. Gerald Haug, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, verwies darauf, dass man „Impfängste“ ernst nehme.

    „Auf Bedenken der Öffentlichkeit muss immer respektvoll und erklärend eingegangen werden“, so Haug.

    Laut einer aktuellen Umfrage sind im Moment 50-60 Prozent der deutschen Bevölkerung bereit, sich mit einem Covid-19-Impfstoff impfen zu lassen. Es muss also noch Überzeugungsarbeit geleistet werden, um eine Immunität der Bevölkerung zu erreichen.

    Die Kanzlerin sagte am Sonntag:

    „Wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung immun sind – durch Impfung oder eine durchgestandene Krankheit –, ist das Virus mehr oder weniger besiegt. Dann können wir auch alle Einschränkungen aufheben.“

    Im nächsten Jahr wohl noch keine Immunität

    Wann eine immune Bevölkerung erreicht sein wird, lässt sich jedoch noch nicht sagen. Geimpft werden soll in erster Linie in Impfzentren, von denen bundesweit erst einmal sechzig eingerichtet werden sollen. Eine Impfung durch Hausärzte sei nicht vorgesehen, da der Impfstoff eine besondere Lagerung bei etwa minus sechzig Grad erfordere, was in normalen Arztpraxen meist nicht gewährleistet werden kann.
    Bisher ist auch unklar, wie viele Ärzte jeweils in den einzurichtenden Impfzentren arbeiten werden und ob sofort genug Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Es ist eher unwahrscheinlich, dass bereits im Laufe des nächsten Jahres die kritische Schwelle zur Durchimpfung von zwei Dritteln der Bevölkerung erreicht wird.

    Prof. Dr. Gerald Haug, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die maßgeblich die Bundesregierung in Pandemiefragen berät, zeigte sich auf der Pressekonferenz sehr optimistisch, dass im Sommer 2021 sowohl die Ansteckungszahlen heruntergehen als auch das Impfen der Bevölkerung in vollem Gange sein wird. Allerdings müssen die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden, solange die Bevölkerung gegen Covid-19 noch nicht immun ist, so Haug.

    Bund stellt Vakzin in Impfzentren bereit

    Bereits am Freitag hatten sich die Gesundheitsminister der Länder und ihr Chef Jens Spahn auf ein einheitliches Verfahren zur Versorgung mit dem zukünftigen Corona-Impfstoff geeinigt. So ist vorgesehen, dass der Bund die Impfstoffe beschafft und finanziert und die Länder Impfzentren einrichten. Die Impfstoffe werden durch die Bundeswehr oder durch die Hersteller angeliefert.

    Zusätzlich zu den Impfzentren sollen auch mobile Impfdienste eingesetzt werden, die vor allem ältere und kranke Menschen, die nicht mobil sind, zuhause oder in Pflegeheimen aufsuchen und impfen.

    Der Impfstoff wird kostenlos sein und über die Krankenkasse abgerechnet. Hierbei macht es keinen Unterschied, ob man privat oder gesetzlich versichert ist.

    Welcher Impfstoff macht das Rennen?

    Noch nicht festgelegt ist, welcher Impfstoff in Deutschland als erster zugelassen und damit wohl der zentrale Baustein der Impfstrategie wird.

    Naheliegend ist wohl, in Deutschland einen deutschen Impfstoff zu bevorzugen. Die aussichtsreichsten Kandidaten kommen vom Mainzer Unternehmen BioNTech, das mit dem US-Pharmariesen Pfizer kooperiert, und von der Firma „Curevac“ aus Tübingen, an der schon US-Präsident Trump Interesse zeigte und in die sich inzwischen sogar die Bundesregierung eingekauft hat. BioNTech scheint im Moment leicht vorn zu liegen beim Entwicklungsfortschritt. Aktuell verkündete die Firma am Montag, dass ihr Impfstoff BNT162b2 bereits einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19 bieten soll. Zu einem Zeitplan für die endgültige Zulassung des Impfstoffes wollte sich der Konzern noch nicht äußern.

    „Medizinischer Tourismus“ nicht verboten

    Trotz der Priorisierung von verschiedenen Gruppen, die zuerst geimpft werden sollen, ist es nicht auszuschließen, dass sich Menschen auf eigene Initiative mit einem anderen zugelassenen Impfstoff im Ausland impfen lassen, um früher geimpft zu werden, als es die Priorisierung vorsieht. So wird beispielsweise der Impfstoff „Sputnik V“ in Russland bereits in der sogenannten „Phase III“ an Freiwilligen aus der Bevölkerung getestet. Solch ein „medizinischer Tourismus“ sei nicht verboten, meint Prof. Buyx vom Ethikrat. Aber es wäre schön, wenn die Person wenigsten dem Hausarzt mitteilt, dass sie geimpft wurde, so Buyx.

    Wissenschaftliche Anleitung für die Politik

    Auch wenn Thomas Mertens, der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, betonte, dass die in dem Strategiepapier vorgestellten Punkte nur Empfehlungen seien und letzten Endes die „Verantwortungsträger der Politik“ die Entscheidungen treffen werden, ist davon auszugehen, dass die Bundesregierung diesen Richtlinien folgen wird.

    Gesundheitsminister Spahn sagte im Anschluss an die Vorstellung des Strategiepapiers bereits: „Mit diesem Papier haben wir die wissenschaftliche Grundlage, die es jetzt gilt politisch umzusetzen und praktikabel zu machen.“ Angesichts der Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffes geht Spahn davon aus, dass man bereits zu Beginn des Jahres 2021 mit der Errichtung der Impfzentren beginnen wird.

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    Tags:
    Deutschland, Vakzine, Coronavirus, Corona-Impfstoff, Covid-19