20:25 23 November 2020
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    Vor zwei Jahren war das langjährige SPD-Mitglied Marco Bülow aus der Partei ausgetreten. Nun ist der Politiker, der seit 2002 im Bundestag sitzt, in „Die Partei“ eingetreten und somit ihr erster Bundestagsabgeordneter. Vorsitzender Martin Sonneborn freut sich über den Zuwachs.

    „Ich habe gemerkt, wie sich immer mehr Menschen von klassischer Politik und klassischen Parteien entfernen, weil sie sich nicht mehr angesprochen und repräsentiert fühlen“, begründet Marco Bülow seinen Eintritt in die Satire-Partei „Die Partei“.

    „Ich glaube, dass Martin Sonneborn und die ‚Partei‘ Menschen mit Politik ansprechen, die sich sonst nicht mehr angesprochen fühlen.“

    Gegen die „Lobby-Republik“ in Brüssel und Berlin

    Bülow hatte die SPD im November 2018 nach 26 Jahren Mitgliedschaft verlassen. Er begründete dies mit deren erneutem Eintritt in eine Große Koalition mit der Union und mit einer allgemeinen Unzufriedenheit mit dem Kurs der Sozialdemokraten. Sein Bundestagsmandat behielt er.

    Marco Bülow (L) und Martin Sonneborn vor dem deutschen Bundestag, 17. November 2020
    © Sputnik / Bolle Selke
    Marco Bülow (L) und Martin Sonneborn vor dem deutschen Bundestag, 17. November 2020

    „Wir haben eine ‚Lobby-Republik‘, in Brüssel und Europa, aber auch hier in Deutschland“, kritisiert das frischgebackene „Partei“-Mitglied, das seit 2002 Mitglied des Bundestages ist und im kommenden Jahr in seinem Dortmunder Wahlkreis erneut als Direktkandidat antreten will.

    „Einzelne Profit-Lobbyisten schreiben Gesetze und diktieren den Ministerien und auch den Bundestagsabgeordneten, was sie zu machen haben. Dieser Bundestag und die meisten Parteien haben sich diesem Diktat – der ‚Lobby-Republik‘ – unterworfen“, so Bülow.

    Nicht plötzlich vom Realpolitiker zum Clown

    Nun würden ganze Bevölkerungsgruppen – wie  Krankenhausangestellte oder Busfahrer – nicht mehr repräsentiert. Das System sei „verkrustet“ und müsse aufgebrochen werden.

    Parteichef und Satiriker Martin Sonneborn überreichte Bülow bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag in Berlin einen überdimensionierten Mitgliedsausweis. Er erwarte nicht, dass Marco Bülow, dessen Stärke die Sozialpolitik und die Auseinandersetzung mit der Klimakatastrophe sei, jetzt auf einmal anfange, lustig zu sein, so der ehemalige „Titanic“-Chefredakteur. Aber man habe einen realpolitischen Flügel und Einstellungen, die verbinden. Er fügte hinzu:

    „Ich finde nichts schlimmer als Politiker, die keine Sacharbeit machen, sondern unterhaltsam sind und versuchen lustig zu sein. Davon haben wir schon zu viel in diesem Land.“

    Parteimitglied Nummer 50.000

    „Die Partei“ ist damit nun erstmals im Bundestag vertreten. Insgesamt sitzen nunmehr neun Parteien im Bundestag – außerdem fünf fraktionslose Männer und eine Frau. Wenn er das nächste Mal in den Bundestag gehe und rede, dann tue er das nicht mehr parteilos, sondern mit 50.000 Leuten im Rücken, „die was verändern, aber dabei den Spaß nicht verlieren wollen“, freut sich Bülow. Er selbst ist Parteimitglied Nummer 50.000. Laut Sonneborn hat die „Partei“ über 52.000 Mitglieder.

    Auch ungewöhnliche Programmpunkte muss der Bundestagsabgeordnete nun im Parlament vertreten. Der Parteichef macht zum Beispiel auf die „Partei“-Forderung aufmerksam, das deutsche Bruttoinlandsprodukt auf „sozial- und umweltverträgliche“ 50 Prozent zu senken.

    Mit 299 Kanzlerkandidaten in die Bundestagswahl

    Wie er das im Bundestag umsetzen wird, ließ Bülow bisher offen, aber an Kritik an der Institution spart er auch weiterhin nicht:

    „Der Bundestag entscheidet alleine, welche Diäten er hat, welche Nebenverdienste er haben darf und was legal ist. Auch Amthor darf seine Partys feiern und von Konzernen bezahlen lassen. Und wir entscheiden auch, wie groß wir werden. Drei Jahre hat man in diesem Bundestag dafür gebraucht, zu sagen, wir werden noch größer. ‚Die Partei‘ müsste nächstes Mal mindestens mit 40 oder 50 Leuten im Bundestag vertreten werden, wenn andere mit 700, 800 Abgeordneten da sind. Das kostet auch alles Euer Geld. Dann wenigstens ein bisschen Geld für die Partei.“

    Bei der nächsten Bundestagswahl sei man dann mit der SPD an der fünf Prozent Hürde verabredet, so Sonneborn. Die Partei ist schon da. Umfragen sehen sie aktuell in Berlin bei 4,5 Prozent. Er verrät auch:

    „Nachdem die SPD die Entscheidung getroffen hat, Olaf Scholz als Kanzlerkandidat zu nominieren – das sind eigentlich zwei Absurditäten: einmal Olaf Scholz, andererseits Kanzlerkandidat –, hat die ‚Partei‘ gesagt, dann ziehen wir nach und versuchen das zu überbieten und treten deshalb mit 299 Kanzlerkandidaten an. Wir hoffen, dass wir einen davon durchbringen.“

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    Tags:
    Satire, Bundestag, Bundestagsabgeordnete, Martin Sonneborn, Marco Bülow, Die Partei