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03:49 15 Oktober 2019
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    Nicolas Maduro bei Truppenbesuch

    Nicolas Maduro Exklusiv: “Donald Trump gab den Befehl mich zu töten”

    © REUTERS / Miraflores Palace / Handout
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    Was denkt, plant und tut Nicolas Maduro? Trotz der sich zuspitzenden Lage in Venezuela ist es RIA Novosti und Sputnik gelungen, mit dem Präsidenten dieses Landes persönlich zu sprechen.

    Der venezolanische Staatschef erzählte offen, ob er auf die Forderung mehrerer Länder eingehen wird, neue Präsidentschaftswahlen abzuhalten, über die russischen Lieferungen von Waffen „höchsten Niveaus“ an die venezolanische Armee, die Pläne des US-Präsidenten Donald Trump, ihn zu töten. Außerdem nahm er Stellung zum Artikel über „russische Leibwächter“. Das Gespräch führte Dmitri Snamenski.

    Haben Sie jetzt in dieser ziemlich kritischen Situation für Venezuela  Russland um irgendeine Hilfe gebeten? Vielleicht militärische bzw. finanzielle Unterstützung? In Venezuela sollen gerade Mitarbeiter privater Sicherheitsfirmen aus Russland eingetroffen sein, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Stimmt das?

    Russlands Präsident Wladimir Putin leistet immer russische Hilfe an uns, und wir nehmen sie mit Dankbarkeit an. Das, worum ich Präsident Putin gebeten hatte – dass wir ständig Kontakt pflegen, Unterstützung auf der diplomatischen und politischen Ebene in der Uno und zum Schutz der Wahrheit Venezuelas auf internationaler Ebene haben. In einem Gespräch vor wenigen Tagen sagte er mir, dass wir die Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Handel, Gas, Militär, in allen Richtungen festigen werden. Bezüglich der militärischen Kooperation haben wir russische Technik von höchstem Niveau, modernste Waffensysteme, unser gesamtes Personal arbeitet, es wurde in Russland ausgebildet. Wir haben sehr gute Beziehungen bei der Militärkooperation mit Putin.

    Haben Sie in dieser Situation vor, nach irgendwelchen neuen Waffen anzufragen?

    Wir haben immer Pläne zur Entwicklung der Zusammenarbeit, um die Flugabwehr, Artillerie, Raketentechnik zu verbessern. Wir werden uns in diesem Aspekt immer weiterentwickeln. Nach Venezuela werden die modernsten Waffen weltweit geliefert werden.

    Wann?

    Sie treffen jeden Monat ein. Jeden Monat kommt es zur Kooperation. Das ist auch normal, es gibt da nichts Außergewöhnliches.

    Sehen Sie irgendwelche Risiken für Russland im Bereich Kooperation mit Venezuela nach den neuen US-Sanktionen gegen PDVSA?

    Keine. Denn Russland ist ein unabhängiges, souveränes Land. Die russischen Unternehmen sind sehr mächtig in der Welt, sie haben eigene Ingenieur-Fachkräfte, Finanzen, Logistik. PDVSA ist ein Unternehmen eines souveränen Landes, und da wir zwei souveräne Länder sind, machen wir Geschäfte, Investitionen und setzen Großprojekte im Bereich Ölförderung um. Alles wird gut, das Öl- und Gasgeschäft zwischen Russland und Venezuela ist gut geschützt.

    Gibt es bereits einen Haftbefehl für Juan Guaido? Denn die Generalstaatsanwaltschaft teilte bereits mit, dass gegen ihn bestimmte Maßnahmen ergriffen werden.

    Die Verfassung ist ein Thema der venezolanischen Justiz. Ich als Staatschef bin der Meinung, dass ein Staatsstreich und die Verletzung der Verfassung gefördert werden. Doch das ist nur die Meinung des Staatschefs. Der Generalstaatsanwalt muss handeln, und er handelt bereits. Das Oberste Gericht muss handeln, und es handelt bereits. Was die Staatsanwaltschaft und die Gerichte entscheiden, wird dann im venezolanischen Justizsystem vollzogen.

    Doch den Haftbefehl gibt es bislang nicht?

    Soweit ich weiß, wurde diese Maßnahme bislang nicht beschlossen. Wir werden auf die inneren Verfassungs- und Gerichtsprozesse warten, um Ergebnissen zu sehen. Wir  beeilen uns nicht, sondern warten lieber ab.

    Wie können Sie den Beschluss der USA einschätzen, ein Teil der Aktiva Venezuelas unter Kontrolle von Guaido zu übergeben. Welche rechtlichen Maßnahmen planen Sie?

    Dieser Beschluss der USA verstößt absolut gegen die Völkerrechtsnormen, das ist ein illegitimer Beschluss bei dem Versuch, die venezolanischen Aktiva, ein venezolanisches Unternehmen anzueignen. Wir werden das beweisen. Ich bin mir sicher, dass wir beim Schutz der Firma Citgo als Eigentum des Volks Venezuelas gewinnen werden. Das ist eine der unvernünftigsten Entscheidungen des US-Sicherheitsberaters John Bolton.

    Wie würden Sie die Situation in der Wirtschaft Venezuelas im Ganzen einschätzen?

    Wir befinden uns in der Phase der kritischen Wiederherstellung, wobei die Hindernisse und Angriffe gegen das Austauschsystem, Preissystem überwunden werden. Doch wir haben einen kontinuierlichen Plan. Ich bin mir sicher, dass wir kontinuierlich weiter gehen werden, wobei alle Anstrengungen zur Stabilisierung der Situation unternommen werden.

    Erwarten sie einen neuen Anschlag auf Sie?

    Eine schwierige Frage.

    Ist das möglich?

    Erstens ist mein Schicksal in den Händen Gottes, ich bin Christ, ich glaube an den Schutz Gottes… Mich schützt ständig das Volk Venezuelas, wir haben einen guten Aufklärungsdienst. Doch zweifellos gab Donald Trump den Befehl, mich zu töten, sagte der Regierung Kolumbiens, der Mafia Kolumbiens, sie sollen mich töten. Wenn mit mir irgendwann etwas passieren sollte, werden Donald Trump und Kolumbiens Präsident Ivan Duque dafür Verantwortung tragen. Allerdings werde ich geschützt, wir haben ein gutes Schutzsystem, zudem haben wir einen noch besseren Schutz – den Schutz Gottes, der mir ein langes Leben geben wird.

    Gehören private russische Leibwächter auch zu diesem Schutzsystem?

    Ich kann das nicht sagen. Kein Kommentar.

    Sind Sie bereit, vorgezogene Wahlen – Parlaments- und Präsidentschaftswahlen – anzusetzen?

    Es wäre gut, vorgezogene Parlamentswahlen abzuhalten, das wäre eine gute Form der politischen Diskussion, ein guter Beschluss unter Volksabstimmung. Ich würde das unterstützen, wenn die Wahlen zur Nationalversammlung früher stattfinden.

    Und die Präsidentschaftswahlen?

    Die Präsidentschaftswahlen fanden vor weniger als einem Jahr statt – vor zehn Monaten. Sie fanden gemäß den Verfassungs- und legalen Parametern statt.

    Doch ein Teil der internationalen Gemeinschaft beharrt auf neuen Präsidentschaftswahlen.

    Das ist ein Unsinn der Länder, die von der Politik Trumps besessen sind. Wir kehren in den Neokolonialismus zurück, wo eine europäische Hauptstadt bzw. Washington jedem Land Asiens, Afrikas, Lateinamerikas, der Karibik Befehle erteilt. Doch wer sind sie, um das zu entscheiden? Ich bekam 68 Prozent der Wählerstimmen. Ich habe die Wahl legitim gewonnen, wir führten die Wahlen mithilfe eines transparenten elektronischen Systems, mit internationalen Beobachtern durch. Wir akzeptieren keine Ultimaten von niemandem in der Welt, keine Erpressung. Die Präsidentschaftswahlen in Venezuela fanden statt, und wenn Imperialisten neue Wahlen wollen, sollen sie auf das Jahr 2025 warten.

    Wenn man die jüngste Aussage John Boltons über 5000 Soldaten für Kolumbien bedenkt, wie könnte Venezuela auf die mögliche Verstärkung der US-Truppen dort reagieren?

    Erstens war das, was John Bolton gemacht hat, etwas ganz Kindisches – das ist nichts als Clownerie. Er trat mit einer Mappe auf, damit man lesen konnte, dass er – als wäre er, John Bolton, US-Präsident – Truppen nach Kolumbien schicken würde. Das war Unsinn und Hanswursterei. Selbst die kolumbianische Regierung dementierte das in einer offiziellen Erklärung des Außen- und des Verteidigungsministeriums. Das ist Clownerie, Provokation und Infantilismus seitens Herrn Boltons, der Venezuela hasst. Das ist kindisches, dummes Verhalten.

    Wären Sie bereit, sich mit Herrn Trump zu treffen, ihn beispielsweise nach Venezuela einzuladen, um die Situation zu besprechen?

    Ich bemühte mich all diese Jahre darum: Auf persönlicher Ebene, als ich Mitteilungen schickte, die Trump auch erreichten, oder auch öffentlich – durch Massenmedien, damit wir mit der US-Regierung Kontakt aufnehmen, einander respektieren und einen Dialog führen – trotz der politischen, kulturellen, ideologischen Kontroversen, trotz der so großen nationalen Besonderheiten Donald Trumps und Nicolas Maduros. Aber Bolton hat Trump verboten, den Dialog mit Präsident Maduro zu beginnen. Ich habe Informationen, dass er ihm das verboten hat.

    Jetzt denke ich, dass das schwierig ist. ich wäre bereit, mit Donald Trump persönlich oder auch öffentlich zu sprechen, ob in den USA oder Venezuela – wo immer er will, und auch zu allen möglichen Themen, die er besprechen will. Mehr noch: Ich bin sicher, wenn wir uns treffen und miteinander sprechen, dann wird das eine ganz andere Geschichte sein. Aber ich glaube nicht, dass man uns anruft. Wir werden warten, wir werden uns in Geduld üben. Das scheint mir im Moment sehr schwer zu sein.

    Wie sind Ihres Erachtens die Motive der USA beim Vorgehen in Venezuela? Öl?

    Es gibt mehrere Gründe. Der wichtigste von ihnen ist, das venezolanische Öl zu bekommen, denn wir haben die größten Vorräte zertifizierten Öls in der Welt. Wir zertifizieren das, was die weltweit größten Goldreserven sein wird, haben die viertgrößten Gasreserven in der Welt, große Diamantenvorräte, riesige Reserven von Trinkwasser, Aluminium und Eisen. Wir sind eine Großmacht, wenn es um die Bodenschätze bzw. Naturressourcen geht.

    Aber es gibt einen Moment, den man berücksichtigen muss und der schon seit mehr als 200 Jahren besteht. Venezuela ist das Land, wo Bolivar zur Welt gekommen ist, und hier sind die bolivarischen Traditionen besonders stark. Unser Revolutionsprojekt beeinflusste seit 200 Jahren Lateinamerika und die Karibikländer. Sie wollen das Beispiel, die Idee und den Geist Simon Bolivars ausrotten. Das ist der zweite wichtige Grund: diesen Geist zu vernichten – geistig, kulturell, politisch. Und dann ohne jegliche Gegenwirkung den Weg zum Neokolonialismus in den Ländern Lateinamerikas zu gehen. Sie halten uns für ihren Hinterhof. Aber wir sagen, dass wir niemandes Hinterhof sind – wir sind unabhängige Republiken. Wie Sie in Russland sagen würden: „Wir haben einen 200 Jahre alten historischen Impuls, wir gewinnen und werden auch weiter gewinnen.“

    Falls sich die Beziehungen verbessern, könnten US-amerikanische Unternehmen, vor allem Ölkonzerne, nach Venezuela zurückkehren?

    Im venezolanischen Handelsregister gibt es mehr als 3000 amerikanische Unternehmen, die in Venezuela auch arbeiten. In der Ölbranche gibt es Unternehmen wie Chevron, mit großen Investitionen. Ich sage den US-Investoren auf Gebieten wie Öl- und Gasindustrie, Tourismus, High-Tech, Gold- und Diamantenförderung: Trotz der angespannten Beziehungen mit Trump sind sie willkommen – sie können in Venezuela investieren und arbeiten. Man kann nicht zulassen, dass diese Spannungen die UN-Investitionen in unserem Land behindern. Wir freuen uns auf sie.

    Guaidó hat den Militärs, die sich auf seine Seite stellen, eine Amnestie versprochen. Wie ist die Situation in den Streitkräften nach diesem Angebot? Gibt es jemanden, der mit Ihrer Regierung nicht einverstanden ist?

    Das Thema Streitkräfte ist für jedes Land sehr sensibel. Aus dem Weißen Haus sind Aufrufe an unsere Militärs zu hören, die Waffen in die Hand zu nehmen und sich zu weigern, mich als Befehlshaber und auch als Präsidenten Venezuelas anzuerkennen. Und die Rechten in Venezuela – so etwas passiert in keinem anderen Land – riefen die Militärs zu einem bewaffneten Aufstand, zum Putsch und Staatsstreich auf. So etwas gab es in Lateinamerika noch nie. Im 20. Jahrhundert gab es in Lateinamerika mehr als 100 Machtstürze. Aber noch nie (obwohl sie alle vom Amerikanischen Imperium, von den USA vorbereitet und geleitet wurden) hatte ein Präsident oder Außenminister, oder ein anderer hochrangiger Beamter zum Machtsturz aufgerufen. Als in Chile Pinochet den Putsch vollzog, wurde er von der US-Regierung erst später unterstützt. Es war nicht so, dass Präsident Nixon gesagt hätte: „Es soll zum Machtsturz kommen.“ So etwas passiert zum ersten Mal in der Geschichte. Das zeugt davon, wie verzweifelt das Weiße Haus ist. Sie können es nicht mit Venezuela. Das ist eine sehr delikate Frage. Was tue ich? Ich erfülle meine Pflichten als Oberster Befehlshaber im Sinne der Verfassung und vereinige die nationalen bolivarischen Streitkräfte. Und die bolivarischen Streitkräfte zeigen, was Moral, Treue und Disziplin ist. wir werden einen großen Sieg erringen – und in Venezuela Stabilität, Frieden und Treue etablieren.

    Sie sprachen von einem möglichen Dialog mit der Opposition. Wer könnte die Vermittlerrolle übernehmen, wenn es dazu kommt?

    Es gibt in der Welt einige Regierungen und Organisationen, die ihre aufrichtigen Besorgnisse über die Ereignisse in Venezuela zeigen und zum Dialog aufrufen. Die Regierungen Mexikos, Uruguays, Boliviens, Russlands, die Vatikanstadt und einige europäische Regierungen befürworten die Aufrufe zum Dialog. Ich verschicke offizielle Briefe, damit sie den Dialog in Venezuela unterstützen, egal wo und wann und in welcher Form. Ich bin bereit, mich an den Verhandlungstisch mit der Opposition zu setzen, damit wir zu Gunsten Venezuelas, zu Gunsten seines Friedens und seiner Zukunft sprechen.

    Gab es von irgendeinem Land schon eine Antwort?

    Aktuell geht es um private Gespräche, Telefonate zwischen Präsidenten und Außenministern. Unser Außenminister handelt sehr aktiv. Ich hoffe, dass schon in den nächsten Stunden positive Ergebnisse kommen.

    Hat Ihre Regierung in den letzten Tagen die Regierungen Russlands und Chinas um Finanzhilfen gebeten?

    Wir haben gute finanzielle Beziehungen mit China und Russland, und sie werden sich auch weiter entwickeln. Wir haben Abkommen über die Finanzierung der Kooperation beim Weizenhandel. Sie finanzieren sie, und wir zahlen rechtzeitig. Russischer Weizen war immer populär in Venezuela – das ist Zusammenwirken im Interesse der Nahrungssicherheit und —unabhängigkeit. China finanziert die Ölproduktion, und wir hoffen mit einem Ausbau dieser Finanzierung in den nächsten Monaten. Wir rechnen sehr damit, dass China und Russland Venezuelas Wirtschaftsentwicklung unterstützen werden.

    Kann Ihre Regierung garantieren, dass Russlands und Chinas Kredite getilgt werden?

    Venezuela zahlt immer rechtzeitig.

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    Unterstützung, Putsch, Präsident, Attentat, Interview, Waffenlieferungen, Bank of England, Weißes Haus, CIA, Juan Guaidó, Juan Guaido, Nicolás Maduro, John Bolton, Donald Trump, Hugo Chavez, Wladimir Putin, Kolumbien, Europa, Lateinamerika, Venezuela, USA, Russland