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    Wer ein Krankenhaus besucht, möchte dort eine optimale medizinische Betreuung erhalten. Das gilt zu Corona-Zeiten, wie auch zuvor. Doch ein Mangel an Schutzausrüstung setzt Personal und Patienten vor enorme Herausforderungen. Ein anonymer Hinweis lässt nun aufhorchen: Wird die Gesundheit von Menschen aktuell bewusst aufs Spiel gesetzt?

    Anfang dieser Woche erreichte die Sputnik-Redaktion ein anonymer Hilferuf. Eine Krankenschwester aus den Hamburger Asklepios Kliniken beschreibt dort eine medizinische Notsituation: Diese sei demnach nicht nur der Klinikleitung bekannt, sondern sie führe nach angeblich interner Weisung sogar bewusst zu einer massiv gesteigerten Ansteckungsgefahr.

    Vorschrift und tatsächliche Realität…

    Im normalen Krankenhaus- und Klinikbetrieb ist in Deutschland in der Regel folgender Standard einzuhalten: Im Bereich der Intensivmedizin oder bei vorherrschender Ansteckungsgefahr ist das medizinische Personal angehalten, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Im Kontakt mit Corona-Patienten müssen spezielle FFP3-Masken verwendet werden. Im Regelfall darf nur eine Maske pro Patientenbesuch verwendet werden. Betritt beispielsweise eine Krankenschwester das Zimmer eines Corona-Patienten, muss der dabei verwendete FFP3-Schutz im Anschluss entsorgt werden. Andernfalls droht die Ansteckung weiterer Patienten oder des Personals.

    ​So die Theorie, in der Praxis sieht es möglicherweise anders aus: Laut einer Krankenschwester in den Asklepios Kliniken Hamburg, die sich an Sputnik wandte und anonym bleiben möchte, sind besagte medizinische Richtlinien jedoch nicht mehr umzusetzen. Da deutschlandweit ein akuter Mangel an Schutzausrüstung vorherrscht, sei das Personal angewiesen worden, ein und denselben Mundschutz über eine komplette Arbeitsschicht von acht Stunden zu tragen und wiederzuverwenden:

    „Wir setzen sie jedes Mal auf, wenn wir zu Patienten gehen, setzen ihn dann ab, wenn wir zurück sind. Auch wenn wir unseren Mundschutz in der Nierenschale aufheben, ist der Mundschutz kontaminiert und höchst gefährlich.“

    Diese Gefahr bestehe nicht nur für das Pflegepersonal, sondern auch für andere Betroffene und die übrigen Patienten. Die Krankenschwester berichtet auch, dass es gelegentlich private Masken-Spenden an ihr Klinikum gebe, doch da diese kein offizielles Zertifikat haben, dürften diese laut Arbeitgeber nicht verwendet werden.

    Kritik am Staat

    Empört sei die Pflegekraft von politischen Ankündigungen, dass genügend Schutzausrüstung zur Verfügung stehe oder beschafft werde. Diese sei in Hamburg noch nicht angekommen, das Personal werde mit seinen Sorgen und Ängsten alleine gelassen. Die Situation sei „erschreckend“ und während die Bevölkerung zuhause einer Ansteckung weitgehend entgehe könne, erhalte das Klinikpersonal keinen ausreichenden Schutz. Einige Klinikmitarbeiter würden sich ihre Schutzmasken nun privat beschaffen, eine Rückerstattung seitens des Arbeitgebers gebe es aber nicht, wie die Krankenschwester Sputnik mitteilte.

    Neue Situation, neue Konzepte?

    Die Asklepios Kliniken Hamburg GmbH wird seit 1995 als wirtschaftlich eigenständiger Betrieb geführt. Sie besteht aus Krankenhäusern, medizinischen Dienstleistungen und Tochterunternehmen. Mit rund 405.000 Patienten pro Jahr und rund 14.500 Mitarbeitern ist sie das größte Gesundheitsunternehmen in Hamburg. Ein Sprecher der Asklepios Kliniken dementierte die Darstellung der Krankenschwester auf Sputnik-Nachfrage. Das Personal sei nicht dazu aufgerufen, sich selbst Masken zu besorgen:

    „Die Mitarbeiter werden selbstverständlich mit Schutzkleidung ausgestattet.“

    Jedoch erklärte der Pressesprecher, dass die Masken in der Regel für den Einmalgebrauch gedacht seien. In einer Pandemiesituation müssten zum Schutz der Mitarbeiter für den Fall, dass der Nachschub an Masken nicht erfolgt, alternative Lösungen gefunden werden. Deshalb gäbe es bereits internationale Konzepte zu einer Aufbereitung von FFP2 und FFP3-Masken.

    Ein Risiko bleibt…

    Auf der Homepage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin wurde dazu eine Empfehlung unter dem Titel „Mögliche Maßnahmen zum ressourcenschonenden Einsatz von Mund-Nasen-Schutz“ und FFP-Masken“ veröffentlicht. Sie enthält eine Beschreibung, wie eine zweite Weiterverwendung unter Vermeidung einer „Verschleppung der Erreger von der kontaminierten Außenfläche auf die Innenfläche verhindert“ werden könne. Diese Maßnahmen würden in deutschen Kliniken derzeit bereits geschult, heißt es dort. Offenbar wurde diese Schulung, laut Pflegepersonal, in den Hamburger Asklepios Kliniken jedoch unzureichend oder gar nicht durchgeführt. Die Folge sei eine massive Ansteckungsgefahr und gesundheitliche Risiken für tausende Patienten und Klinikmitarbeiter.

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    Tags:
    Hilferuf, anonym, Klinik, Atemschutzmasken, Notstand, Hamburg, Coronavirus