17:32 29 September 2020
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    Der Verteidigungsminister des Irans, General Amir Hatami, der zu den Teilnehmern des Militärforums „Army 2020“ in Russland gehört, erzählte in seinem exklusiven Interview für Sputnik über die Pläne zur Bekämpfung des „Luftterrorismus“ der USA und über den Waffenexport in verschiedene Länder, der im November starten könnte.

    Außerdem sprach er über neue Waffen, die Israel und die USA abschrecken sollen und ging darauf ein, warum einige Länder Angst vor den neuen Plänen zur militärtechnischen Kooperation Teherans mit Moskau haben.

    Sputnik: Wie  schätzen Sie die Zukunft der russisch-iranischen Kooperation im militärtechnischen Bereich ein, wenn man den gescheiterten Versuch der USA zur Verlängerung des Waffenembargos bedenkt?

    Hatami: Die Militärkooperation zwischen der Islamischen Republik Iran und der Russischen Föderation stützt sich auf gegenseitiges Vertrauen und ist auf die Sicherung von Frieden und Stabilität in der Region und der ganzen Welt ausgerichtet, die jetzt wegen der aggressiven und hegemonistischen Handlungen einiger Länder in Gefahr sind. Dieses Zusammenwirken ist beiderseitig lukrativ, stützt sich auf gemeinsame Interessen und entwickelt sich erfolgreich in den letzten Jahren – vor allem in den letzten zehn Jahren. Eines von seinen Richtungen ist die rüstungsindustrielle Kooperation, die mit einigen Hindernissen wegen der Sanktionen des UN-Sicherheitsrats vor der Unterzeichnung des Gemeinsamen allgemeinen Aktionsplans konfrontiert wurde, von denen einige auch nach der Unterzeichnung des „Atomdeals“ in Kraft geblieben sind. Aber wir blieben nicht passiv und setzten die Arbeit an der Entwicklung  unserer Streitkräfte fort. Als beispielsweise die Lieferungen der russischen Raketensysteme S-300 eingestellt werden mussten, konzentrierten wir uns auf die Entwicklung unserer eigenen Luftabwehrmittel und verfügen jetzt über zuverlässige Systeme, die Ziele in geringen, mittleren und großen Höhen treffen können. Und diese Arbeit geht noch weiter.

    Was die russisch-iranische militärische Zusammenarbeit angeht, so haben wir ein großes Potenzial sowohl aus der Sicht des Kaufs von Militärtechnik als auch in anderen Aspekten.

    Sputnik: In den letzten Jahren machte der Iran wichtige Fortschritte bei der Entwicklung seiner Raketenindustrie. Können iranische Raketen das Land vor äußeren Gefahren schützen?

    Hatami: Im Rahmen unserer Eindämmungspolitik haben wir eine ganze Reihe von Verteidigungsprogrammen entwickelt, unter denen es auch Programme zur Entwicklung von Rüstungen gibt. Dazu gehört auch das Raketenprogramm, dessen einziges Ziel es ist, alle bestehenden und möglichen Gefahren zu berücksichtigen und diese einzudämmen. Wenn man bedenkt, dass die USA in den letzten Jahren permanent von einem möglichen „militärischen Szenario“ gegenüber dem Iran sprachen, während das israelische Regime entgegen allen möglichen Völkerrechtsnormen und Vereinbarungen eine Erweiterung seiner Okkupation plant, müssen wir bereit sein, auf jede mögliche Aggression zu antworten. In den letzten Jahren wurden wir öfter mit solchem Vorgehen konfrontiert und reagierten immer blitzschnell darauf.  Ich meine eine Invasion einer US-amerikanischen Drohne in den iranischen Luftraum unweit der Straße von Hormus, die von unserer Luftabwehr abgeschossen wurde; einen Terroranschlag in Ahvaz, den wir mit einem präzisen Schlag gegen den Sitz der Terroristen in Syrien beantworteten; und schließlich den Raketenschlag gegen den US-Stützpunkt Ein-al-Assad nach dem Mord an General Soleimani.

    Wie gesagt: Wir brauchen diese Raketen nur zur Eindämmung der USA und des mit ihnen verbundenen israelischen Regimes – und wollen unser Raketenpotenzial nicht zu irgendwelchen anderen Zwecken einsetzen.

    Sputnik: Vor kurzem erklärten Sie, der Iran wäre bereit, Waffen zu exportieren, wenn die Sanktionen abgeschafft werden. Um welche Waffen geht es dabei?  Und welche Länder gehören zu den potenziellen Käufern?

    Hatami: Wir bauen alles, was für all unsere Waffengattungen nötig ist. Für einen Teil dieser Produkte gelten Restriktionen: Einige Waffenarten wurden für fünf Jahre von Sanktionen im Sinne der Resolution 2231 des UN-Sicherheitsrats betroffen. Also brauchten wir für den Waffenexport die Zustimmung des UN-Sicherheitsrats. Da wir aber die feindselige Position der USA kennen, haben wir um diese Erlaubnis nicht einmal gebeten und versuchten, andere Produkte zu exportieren. Bei allem, was wir herstellen, handelt es sich um konventionelle Waffen (alle Arten von Schuss- und Raketenwaffen, Bomben, Minen, Feuerwerfer, Torpedos), und wenn die Sanktionen abgeschafft werden (und das wird unbedingt passieren), dann sind unsere Rüstungsbetriebe bereit, den Export solcher Waffen wiederaufzunehmen. Unsere Produkte waren gefragt auf asiatischen, afrikanischen, europäischen und amerikanischen Märkten. Wenn die Sanktionen aufgehoben werden, bin ich mir sicher, dass wir diese Märkte nicht nur zurückerobern, sondern auch noch mehr erweitern könnten.

    Sputnik: Welche Pläne hat der Iran zum Kauf von Rüstungen, um eventuell regionale bzw. transregionale Gefahren abzuwehren, wenn man die Spannungen mit den VAE und vor allem mit den USA bedenkt? Plant der Iran den Kauf von russischen Rüstungen?

    Hatami: Die Politik unserer Streitkräfte hinsichtlich der Waffen ist auf Selbstversorgung und Lokalisation (von modernen Waffen) ausgerichtet. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir imstande sind, unseren Bedarf im Waffenbereich zu 100 Prozent zu befriedigen. Aber im Unterschied zu vielen Ländern der Region wollen wir unser Land nicht in ein riesiges Waffenlager verwandeln. Da alle Entscheidungen zum Thema Waffen nur auf lokaler Ebene und ohne jeglichen Druck von außerhalb getroffen werden, ist unser Waffenprogramm völlig rational und stützt sich darauf, unter Berücksichtigung unseres Bedarfs und mit minimalem Aufwand unser Land zuverlässig zu verteidigen.

    Das US-Regime und dessen regionaler „Satellit“ Israel traten gleich nach der Islamischen Revolution von 1979 gegen die iranische Nation auf und gelten als unsere Feinde. Deshalb setzten wir gleich mehrere effiziente Programme zu ihrer Eindämmung um. Heute haben wir ihnen diese aktiven Eindämmungsmittel gezeigt. Die Spannungen, die diese Staaten provozieren, sind für uns gar nicht neu. Sie haben die VAE erwähnt, und Muslime aus diesem Land (wie auch anderer Länder) sind unsere Brüder. Aber die dortigen Machthaber haben Fehler gemacht, von denen der letzte darin bestand, dass sie dem zionistischen Regime den Zutritt zu einer solch sensiblen Region wie die Persische Golfregion ermöglichten. Natürlich wird jedes Regime, das die Region destabilisieren will, eine Quelle von Unruhen und Chaos sein, egal wo es liegt.

    Früher kooperierten wir erfolgreich mit Russland im Bereich Technologien und Verteidigung, und dieses Zusammenwirken geht weiter. Teilweise ist es mit Lieferungen neuer Waffen und neuer Technik verbunden.

    Sputnik: Hat der Iran einen Plan zur Bekämpfung des „Luftterrorismus“ der USA? Wie wird der Iran unter anderem auf den jüngsten Zwischenfall mit der Passagiermaschine der Mahan Airlines in Syrien reagieren?

    Hatami: Keine einzige Aktion amerikanischer Terroristen gegen die Interessen des Irans ist ungeahndet geblieben. Mehr noch: Sie bekamen vielseitige Antworten, die sie am liebsten verschwiegen. Zweifellos werden wir nicht ähnlich handeln und nach dem Spiegelprinzip gegen diese Terroristen antworten, die sich als Feiglinge zeigten und auf diese Weise gegen die wehrlosen Passagiere unserer Fluggesellschaft handelten.

    Sputnik: Welche Fortschritte machte die iranische Rüstungsindustrie im letzten Jahr?

    Hatami: Unsere Rüstungsindustrie ist vollständig lokalisiert und entwickelt sich intensiv und unaufhaltsam. Es wurden auf allen Gebieten wesentliche Fortschritte erzielt, aber unsere Prioritäten auf verschiedenen Gebieten hängen mit verschiedenen Zeitplänen zusammen.

    Im Sinne des jüngsten Vierjahresplans des Verteidigungsministeriums wurde die Verbesserung der Möglichkeiten der strategischen Verteidigung zur Priorität, aber nicht dass wir dabei die Entwicklung von nichtstrategischen Bereichen eingestellt hätten. Im vorigen Jahr machten wir wertvolle Fortschritte im Raketenbau, die vor einigen Tagen präsentiert wurden: Es wurden ballistische Feststoffraketen mit hoher taktischer Stärke  und seegestützte Marschflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 100 Kilometern entwickelt. Wir benannten sie zu Ehren der nationalen Schahiden des Irans und des Iraks, des Generals Qassem Soleimani und Abu Mehdi Al-Muhandes. Diese taktische Stärke wird zweifellos effizient für den Ausbau unserer strategischen Möglichkeiten sein.

    Es werden auch immer neue Luftabwehrwaffen entwickelt. Es ist uns gelungen, aus eigener Kraft ein Anti-Marschflugkörper-System und ein manövrierfähiges Luftabwehrsystem zu entwickeln, und bald werden wir auch neue seegestützte Luftabwehrwaffen präsentieren.

    Auch bei der Entwicklung von Anti-Panzer-Raketen haben wir Erfolge gemacht. Die Entwicklung von „smarter“ Munition war ein weiteres Programm unserer Rüstungsindustrie. Jetzt können wir diverse Technik bzw. Panzertechnik ganz selbstständig bauen: Panzer, Schützenpanzerwagen sowie spezialisierte und taktische Maschinen.

    In der Flugzeugbranche ist es uns gelungen, einen Übungs- und Kampfjet Yasin zu entwickeln und zu bauen. Die Produktion von Übungs- und Kampfflugzeugen ist bei uns vollständig lokalisiert worden. Jetzt haben wir sowohl leichte Kampfjets als auch unsere eigenen Hubschrauber.

    Im Bereich der Entwicklung von Flugzeugmotoren haben wir die Produktion von ersten iranischen turboreaktiven Motoren in die Wege geleitet. Auch die ersten iranischen leichten Propellermotoren der vierten Generation werden nur auf dem Territorium des Landes gebaut (mit diesen Triebwerken werden Drohnen ausgerüstet – Anm. v. Sputnik). Wir haben wichtige Fortschritte bei der Drohnenproduktion gemacht und gehören jetzt zu den erfolgreichsten Ländern in diesem Bereich.

    Was die Marine-Branche angeht, so haben wir verschiedene Typen von Über- und Unterwasserschiffen entwickelt und gebaut. Es wurden wichtige Schritte auf dem Weg zur Ausrüstung von Schiffen mit modernen Waffen gemacht, beispielsweise mit Marschflugkörpern Abu Mahdi, deren Reichweite 1000 Kilometer übertrifft.

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    Tags:
    Interview, Amir Hatami, Verteidigungsministerium, Iran