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5 April 2010, 17:35

Jeder hat seinen eigenen Krieg

Das Moskauer Polytechnische Museum bereitet sich auf den 65. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg vor. Im April wird eines der ältesten Polytechnischen Museen der Welt eine Konferenz zum Thema „Wissenschaft und Technik für die Front" veranstalten.

Das Moskauer Polytechnische Museum bereitet sich auf den 65. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg vor. Im April wird eines der ältesten Polytechnischen Museen der Welt eine Konferenz zum Thema „Wissenschaft und Technik für die Front" veranstalten. Im Mai soll die Ausstellung „Heldentat der Wissenschaft" dem breiten Publikum präsentiert werden. „Wir möchten, dass die Besucher den Krieg nicht nur mit Gefechten, Heldentaten der Soldaten und List der Heerführer assoziieren. Wir möchten sie auch mit den Heldentaten der Ingenieure und mit der wissenschaftlichen Arbeit unserer Mitbürger bekanntmachen, die zum Sieg über den Gegner wesentlich beigetragen haben", sagte Professor Gurgen Grigorjan, der Generaldirektor des Polytechnischen Museums, in seinem Interview für die „Stimme Russlands". Das Gespräch führte Swetlana Kalmykowa.

 Gurgen Grigorjan wurde 1936 in Baku, in der Familie einer Opernsängerin und eines Erdölingenieurs geboren. Als er etwas über vier Jahre alt war, zog die Familie nach Moskau. Hier erwischte sie der Krieg.

 „Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mich von dem Vater verabschiedete. Ich weiß noch, wie wir aus Moskau evakuiert wurden. Wir fuhren mit einem Dampfschiff. Hinter unserem Dampfschiff war ein Nazi-Flugzeug her, der Kapitän rettete uns gekonnt davor, indem er das Schiff in den Schatten oder irgendwelche Windungen steuerte. Ich kann mich noch an die ersten Siegessalute im Jahre 43 erinnern. Dies alles ist im Gedächtnis verankert. Ich weiß noch, dass wir, Jungs, während wir auf der Straße spielten und einem Menschen in Uniform begegneten, von ihm zu erfahren versuchten, wann der Krieg zu Ende sei. Ich erinnere mich noch daran, was in Moskau vor sich herging, als der Siegestag gefeiert wurde. Und nach dem Krieg, bereits 47-48, als alles bereits vorbei war, schraken manche von uns aus dem Traum auf, denn in jenen Alpträumen brach der Krieg wieder aus."

 Heute erinnert sich Gurgen Grigorjan, der Leiter eines der größten wissenschaftlich-technischen Museen nicht nur Russlands, sondern der ganzen Welt, an seine sonderbaren Kriegssammlungen. Gewöhnlich sammeln Kinder Briefmarken, Bonbonpapiere, verschiedene Kleinigkeiten. Gurgen Grigorjam sammelte Bombenfragmente, die die Kinder nach den Nachtangriffen fanden. Die zweite Sammlung bestand aus bunten Kugeln. Sie waren in drei Farben: rot, gelb und grün. Anhand derer wurde die Farbe der Signalraketen markiert, die beim Salut eingesetzt wurden. Diese Kugeln lagen - wie auch die Bombenfragmente -  auf dem Boden herum.

Gurgen Grigorjam bemerkt, dass er jedes Mal, wenn der Siegestag herankommt, den Eindruck bekommt, dass diese große und komplizierte Zeitspanne in der Geschichte unseres Landes weder gebührend begriffen noch erlebt ist. Die dreitägige wissenschaftliche Konferenz, die von dem Polytechnischen Museum veranstaltet wird, ist ein Versuch, sein Scherflein zur Verständigung dieser historischen Periode und der Tätigkeit des sowjetischen Volkes währen des Kriegs  beizutragen. Die Ausstellungsbesucher werden erfahren, wie die unikale Operation zur Evakuierung der Industriewerke vom Westen nach Osten vonstatten ging, wie die so genannten „Scharaschkas" - die Laborgefängnisse - funktionierten, wo beste Wissenschaftler und Konstrukteure des Landes tätig waren. Eine Sondersparte der Exposition ist der Entwicklung des Jagdbombers „IL2", des Panzers „T-34" und des Mehrfachraketenwerfers „Katjuscha" gewidmet. Die Ausstellung wird vom Mai bis Ende Oktober dauern.      

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