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21 Februar 2011, 15:04

Die Sprache ist ein absoluter Wert der Menschheit

Die Sprache ist ein absoluter Wert der Menschheit

Der Vielfalt der Sprachen des Planeten droht genauso wie der Vielfalt der Pflanzen- und Tiefwelt das Verschwinden. UNESCO führte den Internationalen Tag der Muttersprache ein, um die Situation zu ändern. Er wird am 21. Februar zum Andenken an 50 Jahre zurückliegende Ereignisse begangen.

Der Vielfalt der Sprachen des Planeten droht genauso wie der Vielfalt der Pflanzen- und Tiefwelt das Verschwinden. UNESCO führte den Internationalen Tag der Muttersprache ein, um die Situation zu ändern. Er wird am 21. Februar zum Andenken an 50 Jahre zurückliegende Ereignisse begangen. Damals wurden in Dakka, der gegenwärtigen Hauptstadt von Bangladesh, Teilnehmer an einer Demonstration zum Schutz der Muttersprache Bengali erschossen. Sie forderten diese Sprache als eine der Staatssprachen anzuerkennen.

   Heute gibt es in der Welt rund 7000 Sprachen, aber ihre Zahl verringert sich drastisch. Es ist sehr wahrscheinlich, dass bis Ende des 21. Jahrhunderts die Hälfte davon verschwinden wird. Diese Prognose ist vollkommen real: laut statistischen Angaben verschwinden jeden Monat zwei Sprachen. Während man Anfang des 20. Jahrhunderts meinte, dass die Sprachen der Minderheiten den Fortschritt hemmen, so verstanden die Menschen jetzt, inwiefern wichtig es ist sie zu erhalten. Die Linguistin Olga Kasakewitsch, Expertin der Moskauer Staatlichen Universität, sagte:

   „Unsere Zivilisation basiert auf der kulturellen und sprachlichen Vielfalt. Die Sprachen sind nicht nur ein Kommunikationsmittel, sie sind auch Bewahrer der Kultur, der Traditionen und der Weisheit von vielen Generationen. Nicht nur deshalb, weil Texte in diesen Sprachen, in denen diese Weisheit bewahrt wird, geschrieben wurden, sondern deshalb, weil die Sprache in ihrer Struktur eine gewisse Konzentration der Ansichten über die Welt enthält. Der Mensch schaut auf die Welt unter dem Gesichtswinkel seiner Sprache. Jede Sprache gibt die Möglichkeit auf sie auf eine neue Weise zu blicken. Wir verlieren mit dem Verschwinden irgendeiner Sprache ein gewisses Bild der Welt“.

   Allein in Europa befinden sich rund 50 Sprachen am Rande des Verschwindens. Laut UN-Angaben droht der Hälfte von 40 Sprachen der kleinen Urvölker des Nordens, Sibiriens und des Fernen Ostens Russlands das Verschwinden. Niemand verdrängt diese Sprachen speziell, sie können mit der Staatssprache nicht konkurrieren. „Weil praktisch alle Tätigkeitsbereiche – die Bildung, die Geschäftskommunikation und die Massenmedien – mit dieser Sprache verbunden sind. Es bleibt einfach kein Platz für kleine Sprachen übrig“, unterstreicht Olga Kasakewitsch.

   „Es gibt eine große Menge von Sprachen, die nur sehr wenig Träger haben: von einzelnen bis zu Dutzenden oder Hunderten Personen. Das betrifft in erster Linie Sprachen, die keine Reproduktion haben – die Kinder sprechen diese Sprachen schon nicht mehr. Man gibt die Sprachen in der Familie schon nicht mehr weiter. Die älteren Generationen sterben, und zusammen mit ihnen stirbt auch die Sprache“.

   In Russland wurde ein föderales zielorientiertes Programm der Hilfe für kleine Urvölker des Nordens angenommen. Es sieht die Einführung von nicht traditionellen Formen der Ausbildung vor: Familienschulen in der Tundra, Wanderklassen, Sommerunterricht – damit die Kinder von Nomadenvölkern die Ausbildung in ihrer Muttersprache erhalten. Es werden spezielle Lehrbücher, Bücher und Sammelbände der nationalen Folklore herausgegeben. Es wurden Fernseh- und Rundfunkstationen gegründet, die ihre Sendungen in Sprachen der Hanty, Mansi, Komi, Nenzen, Tuwiner, Chakassen und Jakuten ausstrahlen. Im föderalen Gesetz „Über die Sprachen der Völker Russlands“ steht geschrieben: „Die Sprachen der Völker der Russischen Föderation sind ein nationales Gemeingut des Staates“. Deshalb muss man mit allen möglichen Mitteln für jede kleine Sprache kämpfen.                                                                       

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