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4 Oktober 2012, 14:03

Chinas nukleares Potenzial

Chinas nukleares Potenzial

Das nukleare Potenzial von China ist schon lange kein Papiertiger mehr. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass China schon zur dritten Atommacht geworden ist, und der Abstand zu Russland und den USA ist dabei weit geringer, als bisher vermutet. Diese Schlussfolgerung wird in einem Bericht russischer Experten gezogen.

China ist die einzige Atommacht der großen Fünf, die keine offiziellen Informationen über den Bestand und die Anzahl des Nuklearpotenzials zur Verfügung stellt. Dies hob einer der Autoren des in Moskau vorgestellten Berichts, der Experte Wladimir Dworkin aus dem Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen (IMEMO), hervor.

Das Atomprogramm und der Zustand der Nuklearstreitkräfte Chinas ist nicht mit dem Niveau an Verschlossenheit von Atomprogrammen anderer Länder zu vergleichen. China hält einen bedeutenden Anteil seiner Atomwaffen verborgen.“

Peking besteht darauf, dass sein atomares Arsenal nicht groß ist und in keinem Fall mit denen der USA und Russlands vergleichbar ist. Trotzdem kann die vollständige Geheimhaltung der Informationen über die Nuklearstreitkräfte keinesfalls nur mit deren Beschränktheit bzw. Anfälligkeit erklärt werden. Es könnte ebenfalls das Ziel verfolgt werden, zusätzliches Atompotenzial zu verbergen.

Die Experten führten neueste Daten an, die auf Geheimdienstinformationen beruhen. Bis zum Ende des vergangenen Jahres stellte China bis zu 40 Tonnen waffenfähiges Uran und ungefähr 10 Tonnen waffenfähiges Plutonium her, was die Herstellung von bis zu 1.800 nuklearen Sprengköpfen erlauben würde.

Die Hälfte dieses Arsenales könnte dabei für die operative Mobilisierung bestimmt sein. Dies erklärte Wladimir Dworkin, der bis zu seinem rücktritt im Verteidigungsministerium Russlands für strategische Nuklearwaffen zuständig war:

China verfügt über zwei bis drei Mal so viel atomares Waffenmaterial, als bisher von der Expertengemeinschaft anerkannt ist. Es gibt Einschätzungen, insbesondere vom schwedischen Institut für strategische Forschung, die etwas zu niedrig erscheinen im Vergleich zu den Mengen, über die China tatsächlich verfügen könnte.“

Die Unterschätzung der nuklearen Schlagkraft Chinas ist gefährlich, insbesondere wenn man in Betracht zieht, dass China nach Militärdominanz strebt, die sich nicht nur auf das Festland und Wasserflächen erstreckt, die direkt an dessen Grenzen liegen. Die globalen Ambitionen Pekings werden durch eine Expedition der chinesischen Marine in das Weltmeer sowie durch die Suche nach militärischen Stützpunkten in weiter entfernten Regionen, insbesondere im Indischen Ozean, bestätigt.

Die Experten hoben des Weiteren hervor, dass China kontinuierlich die Anzahl der strategischen Raketen, der Raketen mittlerer Reichweite und der operativ-taktischen Raketen, erhöht und deren Qualität ständig verbessert. Die letzteren zwei Systemklassen sind dabei unter anderem mit nuklearen Sprengköpfen ausgestattet.

Diese Schlussfolgerung ist aber für den Militärexperten von STIMME RUSSLANDS, Wasili Kaschin, nicht unbestritten:

China entwickelt schon seit dem Konflikt mit der Sowjetunion taktische Nuklearwaffen. Es gibt aber keine Daten, dass diese in Serienproduktion gegangen oder umfassend entwickelt sind und dass diese Raketenklasse überhaupt mit nuklearem Waffenpotenzial ausgestattet ist.“

Die Autoren des Berichts hingegen rechnen damit, dass China außer Russland und den USA das einzige Land ist, welches über die Möglichkeit verfügt, schnell Nuklearwaffen zu produzieren und einzusetzen. Kein anderer Staat, der zum Club der Atommächte gehört, ist in dieser Hinsicht mit China vergleichbar.

Die beschleunigte Modernisierung und der Ausbau des chinesischen Potenzials an nuklearen Raketen hat in erster Linie Statuswert. In keinster Weise sollte dabei aber ausgeschlossen werden, dass das Programm darauf abzielt, das Atomwaffenpotential der USA, Indiens und Russlands einzudämmen.

Die Experten empfehlen in diesem Zusammenhang, den chinesischen Faktor bei der Entwicklung von neuen Initiativen zur Begrenzung oder Reduzierung von amerikanischen oder russischen Atomwaffen ernst zu nehmen. Dies sollte sowohl im Rahmen von Verhandlungen als auch in Form von einseitiger nuklearer Abrüstung geschehen.

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