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5 Oktober 2012, 17:52

Julija Timoschenko. Die Gauklerin

Julija Timoschenko. Die Gauklerin

Ende September hat die verurteilte unkrainische Ex-Regierungschefin Julija Timoschenko in einer Videoansprache ihre Landsleute aufgerufen, bei den bevorstehenden Parlamentswahlen „die Gruppierung mit Präsident Viktor Janukowitsch an der Spitze“ zu stürzen.

Westmedien und Westpolitiker aus allen Parteien und alle Vereine für Menschenrechte unterstützen die „arme“ Frau. Der Ostberliner Verleger, Frank Schumann, veröffentlicht in dieser Woche sein neues Buch über die „hübsche“ Politikerin: „ Julija Timoschenko, Die Gauklerin“.

Frank Schumann ist auch Journalist. Zu den DDR-Zeiten hat er Journalismus in Leipzig studiert. Nach dem Studium hat er für die junge Welt ( http://www.jungewelt.de/ ), die Zeitung der SED, gearbeitet. Nach der Wende entschied er sich seinen eigegen Ostverlag zu gründen. „Ich hätte es gewusst, dass es viel kostet...“ sagt er lächelnd. Trotzdem bleibt Frank Schumann in seiner Arbeit und kämpft mit seinen Veröffentlichungen gegen die eigenseitigen Informationsquellen, die uns fast alle Medien zum Fressen geben.

Die gleichförmige Behandlung des Themas Julija Timoschenko in den deutschen Medien hat ihn so genervt, dass er beschließ, zu diesem Thema ein Buch zu schreiben: „Julija Timoschenko wurde als Ikone der Demokratie und der Menschrechte und der Freiheit stilisiert. Schuldig war nur die politische Administration, die auf der Anklagebank sa ß . Diese Schwarzwei ß e Malerei hat mich genervt. Ich bin in die Ukraine sofort gefahren und dort meine Recherchen geführt.» In der Ukraine sprach er mit Richtern, Staatsanwälten, Ermittlern, Häftlingen, Medizinern, Parlamentariern und anderen Zeitzeugen. Dort hat er die Untersuchungshaftanstalt, die Zellen, das Krankenhaus besucht, wo sie einst war und wo sie jetzt behandelt wird. „Ich wollte eine objektive Berichtserstattung schreiben.“

„Printmedien haben in den letzten 20 Jahren an ihrer Bedeutung verloren. Die Informationsaufnahme hat sich geändert. Ich spreche immer von der fortschreitenden Verblödung. Die Medien meinen sich die Lesegewohnheit der Leser anzupassen, was zu einer Boulevardisierung der Medien führt. Redaktionen werden ausgedünnt. Zeitungen werden immer noch uniformer und immer langweiliger. Mit Edition-ost ( http://www.edition-ost.de/ ) wollten wir nicht Wessis werden. Daraus ist unser Verlagsprogramm entstanden. In den Ostdeutschen steckt viel tiefer Luther als Honecker.“

Während unseres Interviews erwähnt der engagierte Journalist und der engagierte Verleger die Lage seines Landes. „Die Lage der Wirtschaft im Ostdeutschland bleibt schlecht. Dazu werden die Ostdeutschen schlechter bezahlt als im Westdeutschland. Die Spaltung schreibt sich über Jahrzehnte fort. Die Angleichung der Lebensverhältnisse ist nicht erfolgt. Die Verarmung im Alter ist vorprogrammiert“, sagt er.

Die DDR wird nicht erwähnt. Die Geschichte der Bundesrepublik ist nicht ohne die DDR-Periode zu verstehen. In den Schulen ist die Geschichte der DDR mit Absicht auf wenige Stunden reduziert.

„Das Thema Menschrenrecht war immer eine Waffe. Das ist, was Julija Timoschenko geschickt benutzt. Auch Sozialfragen sind Menschenrechtsfragen. Jeder Obdachlose oder jeder, der seine Arbeit verliert, hat auch ein Recht. Es wird nicht darüber gesprochen. Es wird aber über Julija Timoschenko gesprochen. Diese Art von Heuchelei wird nicht thematisiert. In den 80er Jahren hat sie mit 5000 Rubel eine Viedeotheke gegründet. Mehrere Hundert Millionen hat sie in wenigen Jahren gehabt. Wie war es möglich? Diese ursprüngliche Akkumulation des Kapitals findet mit kriminellen Methoden statt, sagte Karl Marx.“

„Was ich dort gesehen habe, hat die Realität entsprochen. Die PR-Arbeit von Julija Timoschenko ist organisiert worden. Die blauen Flecken, die wir in der Presse gesehen haben, konnten nicht so entstehen, wie sie es gesagt hat. Das Bild von der Presse ist inszeniert worden. Wie ist sie zu den blauen Flecken gekommen? Sie hat sich in das Krankenhaus zu gehen geweigert. Die Wächter hätten sie geschleppt. Es wäre so gewesen, wie sie es dargestellt hat, würde es nicht so harmlos aussehen. Die ganze Frau ist für mich unglaubwürdig.“

Aus seinem neuen Buch führt Frank Schumann Fakten an, die er bei seinen Ermittlungen feststellen konnte. «In den 90er Jahren war Julija Timoschenko Chefin eines Energiebetriebes. Einer der Hauptkonkurrent und Abgeordnete ist im Jahre 1996 auf dem Flugplatz erschossen worden. Eindeutige Belege sind da, die zeigen, dass dieser Mordanschlag von elf Leuten beantragt worden ist. Dafür sind drei Millionen Dollars bezahlt worden. Diese drei Millionen sind über ein Konto von Julija Timoschenko gelaufen. Die Belege habe ich bei der Staatsanwaltschaft in Kiew gelesen.

„Pawel Iwanovitsch Lasarenko war ganz bestimmt der Auftraggeber. Beim Prozess gegen ihn in den USA kamen Infos über diesen Geldtransfer ans Tageslicht. Die Amerikaner haben es verboten, Dokumente an die Staatsanwaltschaft nach Kiew weiterzuleiten. Von den elf Personen, die dabei beteiligt waren, sind fünf bei Auto- oder Jagtunfällen gestorben. Vier sind auf der Flucht. Für mich besteht es kein Zweifel, dass diese Frau kriminell ist.“

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