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28 Januar 2013, 20:06

Antibiotika wirken immer weniger

Antibiotika wirken immer weniger

Die Zeit der Antibiotika geht zu Ende. Immer mehr Infektionen sind gegen sie resistent. Wissenschaftler warnen, dass die Verbreitung von Bakterien, die gegenüber Antibiotika unempfindlich sind, eine Gefahr für die Menschheit darstellt.

Mediziner schlagen weltweit Alarm. Immer mehr Bakterienstämme werden von ihnen entdeckt, die gegen alle derzeit existierenden Medikamente resistent sind. Allein in der EU sterben jährlich 25.000 Menschen an Infektionen, die gegenüber Antibiotika resistent sind.

Außerdem werden Krankheiten, die früher einfach zu behandeln waren, nun zu einer Todesgefahr. Wie vor hunderten Jahren wird es schwierig werden Krankheiten wie Tuberkulose, Tripper oder Hirnhautentzündu ng zu heilen. Immer weniger chirurgische Eingriffe gelingen ohne Komplikationen, erklärt der Abteilungsleiter für Eitrige Chirurgie des Zentralen Wischnewski-Militärkrankenhauses Iwan Schandurenko.

„Die Zahl der eitrigen Komplikationen nach Operationen wächst. Einige Jahrzehnte nach der Erfindung von Penicillin wird dieses Problem immer akuter. Je mehr Antibiotika es gibt, desto mehr passen sich die Mikroorganismen auch diesen Antibiotika an. Es gibt Enzyme, die Antibiotika zerstören. Es werden natürlich neue Antibiotika entwickelt, doch die Mikroorganismen passen sich diesen dann ebenfalls an.“

Damals, als Antibiotika auf den Markt kamen, schien es, als würden diese den Menschen unverletzbar machen. Der Mensch starb nicht mehr an Lungenentzündung und Blutvergiftung. Die Sterblichkeit an schweren Infektionskrankh eiten sank. Doch inzwischen ist einige Zeit vergangen, und die Antibiotika selbst wurden zu einer Gefahr. Unter deren Einfluss mutieren die Bakterien, sie werden noch stärker und bösartiger. Es wird nicht gelingen, über sie mit den altbekannten Methoden Herr zu werden. Dies führt dazu, dass Probleme entstehen, die schlimmer als HIV sind, da bei HIV der Patient zumindest einige Jahre hat, um verschiedene Heilungsmethoden auszuprobieren. Bei Infektionsmutant en geht es um Tage oder gar Stunden.

Wissenschaftler arbeiten natürlich ständig daran, neue Medikamente zu entwickeln. Experten warnen aber davor, zu viel Hoffnung in diese zu setzen. Prinzipiell neue Präparate werden tatsächlich sehr wenige entwickelt, und solche, die den schon existierenden ähnlich sind, sind sehr ineffektiv. Wladislaw Mitrochin, Dozent am Lehrstuhl für Innere Krankheiten der Nowosibirsker Staatlichen Medizinischen Universität, meint, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass schon lange vergessene Heilmittel nun wieder Wirkung zeigen könnten.

„Falls die Patienten sehr häufig bestimmte Präparate einnehmen, entwickeln die Bakterien Resistenz genau gegen diese Präparate. Gegen Antibiotika, die nicht oft eingesetzt werden, gibt es weniger Resistenz. Wenn ein Antibiotikum also nicht mehr verabreicht wird, kann sich die Empfindlichkeit ihm gegenüber wieder einstellen. Manche gehen also davon aus, dass einige alte Antibiotika, die wir heute nicht mehr nutzen, in der Zukunft wieder Anwendung finden könnten.“

Die Weltgesundheitsorganisation besteht darauf, dass Antibiotika nur nach Rezept verkauft werden dürfen, um einen unkontrollierten Einsatz zu vermeiden. Die Lage wird aber noch dadurch verschlimmert, dass ein Mensch zum Beispiel noch nie ein Antibiotikum genommen hat, sein Organismus aber trotzdem dagegen schon immun sein kann. Der Grund dafür ist, dass diese Präparate mit der Nahrung, mit Fleischgerichten, Geflügel und Fisch, eingenommen werden. Auf der ganzen Welt werden auf Farmen Antibiotika eingesetzt, zum einen zur Prophylaxe, zum anderen, damit die Tiere schneller Gewicht ansetzen. Die Produzenten impfen damit eifrig Schweine, Enten und andere Tiere, ohne an die Nebeneffekte zu denken.

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