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25 Mai 2013, 18:55

Chimären-Menschen mit zwei DNS: Wer sind sie?

ДНК молекула генетика наука

STIMME RUSSLANDS Statt einer DNS im Körper sind diese Menschen "glückliche Besitzer" von zwei. Sie können fremde Gene jahrelang in sich tragen, bis ein Zufall diese sonderbare Mutation ans Licht bringt. Warum werden sie Chimären-Menschen genannt? Inwiefern kann sich das auf ihre eigene Gesundheit und die ihrer Kinder auswirken? Und wie können sie zu dem Schlüssel werden, der die Türen zum Ausheilen vieler schwerer Erkrankungen öffnen wird?

Chimären werden in der Biologie Tiere oder Pflanzenorganismen genannt, die aus genetisch verschiedenartigen Geweben bestehen. In der Welt sind die Versuche des großen russischen Selektionärs Iwan Mischutin wohl bekannt. Mit der Artkreuzung erhöhte er die Resistenz von Obstsorten. Im Grunde befasste er sich als erster mit der Schaffung von Pflanzenchimären auf diesem Wege. Das Ziel war höhere Ertragsfähigkeit und die Resistenz gegen ungünstige Wetterfaktoren.

Bei Pflanzen kommt der Chimärismus viel häufiger vor als bei Säugetieren. Für die letzteren ist das eine große Seltenheit. Um so interessanter ist eine Geschichte, die mit der Amerikanerin Lydia Fairchild geschah. Bei der bevorstehenden Scheidung forderte sie Alimente von ihrem Mann. Dieser musste DNS für einen Vaterschaftstest liefern, das gleiche musste auch Mrs. Fairchild. Hier aber erwartete sie eine Überraschung: Wie sich herausstellte, ist sie nicht die Mutter ihrer eigenen zwei Kinder, auch nicht des dritten Kleinen, mit dem sie damals gerade ging. Zuerst nahmen die Ärzte an, der Grund sei Bluttransfusion oder Organtransplantation gewesen, aber Lydia hatte so etwas früher nicht erlebt.

Örtliche Behörden wollten sie schon wegen Gaunerei bestrafen, aber da stellte ihr Anwalt dem Gericht eine Notiz aus dem "New England Journal of Medicine" über die Chimärismus zur Verfügung. Mehrere weitere medizinische Forschungen folgten. Es erwies sich, dass die DNS der Kinder von Mrs. Fairchild die Verwandtschaft nur mit ihrer Großmutter, der Mutter von Lydia, bestätigte. Erst nach einer Analyse der Haare vom Kopf und vom Scshambein gelang es, Licht in die Angelegenheit zu bringen. Diese Haare enthielten nämlich unterschiedliches genetisches Material. Es war so, dass Lydia noch als Embryo ihre Zwillingsschwester verschlugen hatte. Deren Zellen waren in ihrem Körper geblieben. So wurde Lydia noch vor ihrer Geburt zu einer Chimäre. Nach den Analysen wurde sie für unschuldig erklärt, und im Fernsehen wurde ihrer Geschichte die Sendung "The Twin Inside Me" gewidmet.

Heute sind etwa 50 Fälle des menschlichen Chimärismus festgestellt. In Wirklichkeit kann es weit mehr solche Fälle geben.

Biologin Swetlana Kassatkina erzählte der STIMME RUSSLANDS, unter welchen Bedingungen ein Mensch zwei Sätze von Genen erlangen und zu einer Chimäre werden kann:

"Bei den Menschen kann sich der Chimärismus in mehreren Fällen entwickeln, sowohl auf dem natürlichen als auch auf künstlichem Wege. Zu den ersteren gehören Prozesse, die mit dem Embryo während der Schwangerschaft vor sich gehen. Zwei befruchtete Eizellen können sich, wie im Fall von Lydia Fairchild, zu einer verschmelzen und dem Träger eine doppelte DNS bringen. Ferner besteht ein Zwillings-Chimärismus, bei dem heterozygotische Zwillinge wegen des Zusammenwachses der Blutgefäßsysteme einander ihre Zellen übergeben. Und die letzte Variante des natürlichen Chimärismus ist der mütterliche Mikrochimärismus. Zu ihm kommt es, wenn Zellen des Kleinen ins Blutsystem der Mutter eindringen und sich dort akklimatisieren. Auf diese Weise kann sich die Mutter des Kindes von vielen Krankheiten befreien.

Was den künstlichen Chimärismus angeht, so haben wir es hier mit der Transplantalogie zu tun. Bei der Transplantation von Organen ist es bisweilen lebenswichtig, dass sich der Organismus zu einer Art Chimäre umwandelt und nicht das neue Organ abstößt. Es gab eine sehr interessante Geschichte, als man einem HIV-Kranken, der überdies ein Lymphom hatte, Knochenmark transplantierte, um ihn wenigstens von einer seiner zwei Krankheiten zu heilen, und überraschenderweise wurden auch diese zwei ausgeheilt. Sein Spender war Träger eines Gens, das die Resistenz gegen die genannten Erkrankungen sichert, und übergab sie dem Rezipienten zusammen mit dem Knochenmark. Der Chimärismus ist eine Richtung in der Medizin, die allseitig ausgearbeitet werden muss, ist doch sein Potential einfach unerschöpflich."

Chimären-Menschen können demnach unsere Zukunft stark beeinflussen. Ärzte zweifeln nicht, dass die Erforschung dieses Phänomens zur Heilung von vielen Krankheiten beitragen wird, die heute unheilbar scheinen.

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