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10 Juli 2013, 14:48

Polen: Skandal um Schiefergasgewinnung geht weiter

нефть Шеврон Chevron

STIMME RUSSLANDS Gegensätze zwischen örtlichen Einwohnern und einem amerikanischen Konzern, der Schiefergas gewinnt, spitzen sich in Polen wieder zu. Bereits seit Tagen werden die Zufahrten zu dem Gebiet, auf dem die Bohrarbeiten laufen, von Traktoren verstellt. Wie polnische Bauern sagen, bei ihnen hätten "die Hausmauern Risse bekommen und das Brunnenwasser sei trüb geworden".

Zuerst waren die Einwohner des Ortes Zurawlow im Südwesten Polens begeistert: Gas werde kommen und mit ihm auch der Wohlstand. Der US-Konzern Chevron versprach, Billionen Kubikmeter Schiefergas zu gewinnen, das gerade unter den Feldern und Wiesen um Zurawlow lagert. Solche Vorräte könnten die Bedürfnisse von Polens Wirtschaft für die nächsten 200, ja 300 Jahre befriedigen. Aber die Hoffnung auf einen baldigen Reichtum und die Träume von der Unabhängigkeit von Gas aus Russland sind vorläufig nicht in Erfüllung gegangen. Laut Schätzungen des Warschauer staatlichen Geologie-Institus gibt es weit weniger Schiefergas, als ursprünglich angenommen wurde, es werde für 70, vielleicht überhaupt nur für 26 Jahre reichen. Ihre Meinung teilt auch der russische Experte Andrej Frolow, Ko-Vorsitzender des Bundes der gesellschaftlichen ökologischen Organisationen:

Jede Einmischung in die Natur ist schon an sich gefährlich. Und wenn das erst unter Tage geschieht, können sich dort Hohlräume bilden oder sich der Grund senken. Wenn oberirdisch abgebaut wird, zerstört das die Oberfläche. Das ist in jedem Fall schädlich für die Natur.

Das Gegenüberstehen der Einwohner von Zurawlow und der amerikanischen Gesellschaft Chevron begann am vorigen Mittwoch. Als eine Baubrigade einen Teil des vom Konzern gepachteten Feldes absperren wollte, luden die örtlichen Einwohner die hergebrachten Materialien erneut in den Laster und versperrten die Einfahrten zum Feld mit ihren Traktoren. Die Leidenschaften spitzen sich auch bei den Nachrichten aus einem Nachbardorf zu, dass in ihren Häusern das Geschirr aus den Schränken herausfalle und die Wände Risse bekommen hätten. Doch das Schlimmste für die Einwohner der für ihre Vorräte an reinem Trinkwasser berühmten Woiwodschaft Lublin ist, dass sich das Wasser in den Brunnen einige Zeit nach dem Arbeitsbeginn getrübt habe.

"Chevron hat schon versucht, sich im Frühjahr dieses Jahres an polnisches Schiefergas ranzumachen – allerdings erfolglos. Damals half den Einwohnern das Gesetz über den Schutz der Vögel in der Nestbauzeit vom 1. März bis zum 1. Juli. Der US-Konzern musste nachgeben. Aber dieses Mal werde sie, wie die Amerikaner behaupten, nichts aufhalten: Sie hätten alle Dokumente sowohl für die Erkundungs- als auch für die Bohrarbeiten. Die Demonstranten haben schon Juristen um Hilfe gebeten, und diese suchen nach der Möglichkeit, den Beginn der Bohrarbeiten aufzuschieben. Ökologen aus Tschechien und Litauen sind gekommen, um die polnischen Bauern zu unterstützen, auch Farmer aus den USA, aus Irland, Rumänien sowie John Lennons Witwe Yoko Ono haben ihre Unterstützung versprochen.

Wegen der Umweltverschmutzung in Ecuador musste Chevrolet eine Strafe von 19 Millonen Dollar zahlen. Am schädlichsten für die Natur ist die neue Methode der Gewinnung von Schiefergas, das Fracking, das die Amerikaner verwendeten: Hierbei wird in die unterirdischen Schichten des Gesteins Wasser gepumpt. Das Wasser mit zugefügtem Sand steht unter hohem Druck und verdrängt das Gas. Auf diese Methode haben bereits Frankreich und Bulgarien verzichtet. Wie Alexander Lobussew, Professor am Gubkin-Institut für Erdöl und Erdgas, sagt, ist das Fracking für Polens Umwelt sehr gefährlich:

Durch Anwendung dieser Methode können wir praktisch alle Wasserquellen, darunter auch Oberflächengewässer, austrocknen. Die Gewinnung wird für Polens Umwelt katastrophale Folgen haben. In Deutschland, das ähnliche Vorräte hat, wurde ebenfalls versucht, deie Methode anzuwenden, bis Fachleute zu dem Schluss gelangten, dass das für die Umnwelt höchst schädlich ist.

Nach Ansicht britischer Ökologen birgt eine solche Art der Gewinnung von Schiefergas noch die Gefahr von Erdbeben in sich. Im Jahre 2011 begann eine britische Gesellschaft mit der Ausarbeitung von Bohrlöchern im Westen Englands, stellte sie jedoch nach einem Jahr ein, weil in der Nähe des Arbeitsgebiets zwei mäßige starke Erdbeben fixiert wurden.

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