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11 September 2013, 16:12

Syrien-Konflikt: "Obama hat Angst bekommen"

Барак Обама G20 G 20 петербург саммит G20

STIMME RUSSLANDS US-Präsident Barack Obama wirkt vor dem eventuellen Militäreinsatz in Syrien zusehends nervös. Zu dieser Schlussfolgerung ist der angesehene spanische Politologe Paris Alvarez Martin gelangt. In einem Exklusivinterview mit der STIMME RUSSLANDS stellt er fest:

„Zunächst erklärte Obama seine Absicht, einen Militäreinsatz gegen Syrien zu beginnen, ohne die Resultate der Untersuchung der vermeintlichen chemischen Attacke bei Damaskus abzuwarten. Ihn brachte dabei weder das Ausbleiben der entsprechenden Sanktionen des UN-Sicherheitsrates, noch die Position eines so wichtigen Verbündeten wie Großbritannien in Verlegenheit: Das Parlament dieses Landes stimmte gegen das militärische Eingreifen in Syrien. Er schien bereit zu sein, geradezu eigenhändig gegen die Regierung dieses Nahostlandes Krieg zu führen. Dann änderte er überraschend seine Rhetorik, erklärte, dass es notwendig sei, das Gutachten von UN-Experten abzuwarten, und wandte sich an den Kongress, um von diesem Unterstützung zu bekommen. Es entsteht der Eindruck, dass er Angst davor bekommen hat, dass seine übermäßige Hartnäckigkeit in dieser Frage das Vertrauen zum Weißen Haus unter seinen Verbündeten untergraben würde. Und das würde den Verlust des Einflusses der USA in der Welt bedeuten. Obamas Nervosität ist auch darauf zurückzuführen, dass der Skandal mit der globalen Bespitzelung durch die amerikanischen Geheimdienste bis jetzt nicht vergessen worden ist. Wie wir sehen, sucht er nach Unterstützung, für ihn ist das jetzt sehr wichtig.“

Obamas Nervosität vermerkte sogar der eifrige Verfechter eines Militäreinsatzes gegen Damaskus, der republikanische Senator John McCain. „Der Präsident hat diese ganze Geschichte unwahrscheinlich verworren. Zunächst hat er erklärt, dass er bereit sei, einen Schlag führen zu lassen, dann korrigierte er sich, dass er zunächst den Kongress um die Genehmigung ersuchen müsste. Ich kann nicht glauben, dass man die Situation so schlecht lenken kann“, erklärte Obamas wichtigster Rivale während des Rennens um die Präsidentschaft von 2012. Übrigens hat der „Herr“ des Kapitolinischen Hügels mehr als genug Gründe, besorgt zu sein.

Die Unterstützung der Haltung der USA in der Syrienfrage durch die Mehrheit von G20-Ländern hat einen maximal formalen Charakter aufzuweisen. Keiner der zwölf Staaten, die sich an die Seite Washingtons gestellt hatten, versprach, seine Soldaten im Falle, dass eine militärische Kampagne gestartet werden sollte, nach Syrien zu entsenden. Darüber hinaus ruft die Tatsache des Einsatzes der chemischen Waffe in Syrien bei der internationalen Gemeinschaft immer größere Zweifel hervor. Wie auch die Geschwindigkeit, mit der eine Reihe von westlichen Ländern die Regierung von Baschar al-Assad dessen beschuldigt hat, unterstrich Paris Alvarez Martin im Gespräch mit der STIMME RUSSLANDS:

„Wenn man Logik anwendet, so braucht man sogar den Bericht der UN-Inspektoren von der wahrscheinlichen Verwendung der chemischen Waffe bei Damaskus nicht abzuwarten. Es sei daran erinnert, dass Experten dieser internationalen Organisation während ihrer Arbeit in Syrien einer überaus heftigen Beschießung ausgesetzt wurden. Ihnen wollte man unverkennbar etwas verhehlen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass diese Beschießungen ein Werk der Aufständischen ist. Oder scheint es vielleicht jemandem logisch zu sein, dass Bashar al-Assad zunächst diese Menschen eingeladen hatte und dann den Befehl erteilte, sie anzugreifen? Darüber hinaus wurde das todbringende Gas durch eine ‚seltsame’ Fügung der Umstände gerade dann zerstäubt, als die Regierungstruppen einen sicheren Sieg über die Aufständischen zu erringen begannen. Eine Provokation sieht man hier sogar mit bloßem Auge. Und warum man das weder in den USA noch in einer Reihe anderer Länder der Welt nicht sehen will, das ist in der Tat eine große Frage.“

Die Version mit einer Provokation hat am Mittwoch auch der russische Außenamtschef Sergej Lawrow unterstützt, der die Ereignisse bei Damaskus am 21. August als „regissiert“ bezeichnet hat. „Beweise dafür gibt es mehr als genug, es gibt Zeugnisse von jenen Greueltaten, die von bewaffneten Gotteskriegern verübt werden, es gibt Videoaufzeichnungen, die sie selbst platzieren und worauf sie mit ihrem Verhalten brüsten. Es gibt auch professionelle Einschätzungen, die unter anderen Karla Del Ponte, Mitglied einer internationalen Kommission, gegeben hat, wonach Angaben über den Einsatz von chemischen Giftstoffen durch die Gotteskrieger vorliegen“, stellte Lawrow fest.

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