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2 Oktober 2013, 21:32

Tag der Einheit und der Moscheen

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STIMME RUSSLANDS Am 3. Oktober findet in ganz Deutschland zum 17. Mal der Tag der offenen Moschee statt. Unsere Korrespondentin Alexandra Gurkova hat mit Organisatoren der Veranstaltung über das symbolische Datum, das Image der Muslimen in Deutschland, Abbau der Stereotypen und Herausforderungen für die Gemeinde gesprochen.

 

In Berlin leben heute alleine nach offiziellen Angaben knapp 300 Tausend Muslime. Kein Wunder, dass 10 Moscheen und Vereine der Hauptstadt Deutschlands bei dem Tag der offenen Moschee von Anfang an dabei sind. Die Begegnungen mit dem Islam werden seit einigen Jahrzehnten veranstaltet. Der Vorsitzende des Islamrates für die Bundesrepublik Deutschland Ali Kizilkaya hat bereits als Jugendlicher an kleineren Initiativen zum Kulturaustausch teilgenommen. Damals gab es in der Gesellschaft nicht so viele Stereotype wie heute, erinnert sich Kizilkaya.

"Es war natürlich ein tolles Erlebnis, weil man endlich die Möglichkeit hatte mit einander zu sprechen. Wir haben ja immer das Gefühl gehabt, dass die Nicht-Muslime über Muslime gesprochen haben, aber wenig mit den Muslimen. Viel interessierter war man damals an dem Moslem selbst, wie er lebt, was er in der Moschee macht - einfache Fragen, die man bis dahin nicht aus der ersten Hand erfahren konnte."

Mittlerweile wird der Tag der offenen Moschee seit 16 Jahren veranstaltet. Und immer pünktlich zum Tag der deutschen Einheit. Wurde das das dritte Oktober als Datum zufällig gewählt? Nein, betont Ali Kizilkaya.

"Zuerst war es natürlich wichtig, dass man einen Tag wählt, wenn die Menschen nicht arbeiten müssen und die Möglichkeit haben dieses Angebot anzunehmen. Vielleicht haben die Initiatoren damals gedacht, vielleicht um auch symbolisch daran zu erinnern, wir sind ein Teil dieses Landes und dieser Gesellschaft. Zur Einheit gehören auch Muslime." 

Der Tag, an dem dieses Jahr mehr als Tausend Moschee deutschlandweit teilnehmen, setzt sich zum Ziel eine Hemmschwelle abzubauen. Viele Deutsche machen sich ihre Vorstellung den muslimischen Nachbarn gegenüber aus den Romanen und Medienberichten aus den Krisenländern.

"Wir leben in einer Welt, wo es viele Konflikte gibt, die nicht religiöser Natur sind, aber religiös dargestellt sind. Das wird als Tatsache angenommen und so werden Muslime dann sehr oft mit Gewalt in Verbindung gebracht, obwohl die Religion das eigentlich nicht her gibt. Wir leben seit mehr als einem halben Jahrhundert in Deutschland und größere Konflikte haben wir in Deutschland nicht gehabt."

Das größte Interesse genoss der Tag der offenen Moschee nach dem 11. September. Am 3. Oktober 2001 waren Moscheen mit Interessierten überfüllt. Mittlerweile ist die Anzahl der Besucher stabil geworden. Jedes Jahr kommen zu Führungen, Vorträgen und Ausstellungen rund 100 Tausend Leute in ganz Deutschland. Der Vorsitzende des Islamrates erklärt, auch in den neuen Bundesländern werden Begegnungen mit dem Islam und den Muslimen allmählich zu Belangen der Gesellschaft.

"Das man sich traut in eine Moschee zu kommen, dass man sieht, wie eine Moschee aussieht, was Muslime in den Moscheen machen und auch sieht, dass ein Muslim aus Fleisch und Blut und genauso so ein Mensch mit Zukunftsängsten, Arbeitsplatzängsten und gleichen Sorgen – wie man selbst – lebt.
SPRSeit 2007 wird der Tag der offenen Moschee mit einem gemeinsamen Motto organisiert. In den letzten Jahren haben sich Muslime am Tag der deutschen Einheit mit Koran, islamischer Kunst und anderen Themen auseinandergesetzt. 2013 steht der Umweltschutz auf der Tagesordnung. Was will der Koordinationsrat der Muslime mit diesem Thema ansprechen?"

"Dass Muslime nicht nur beten, sondern sich auch um die Umwelt kümmern und genauso wie jeder anderer sich verantwortlich fühlen und versuchen ihren Beitrag zu leisten, um unseren gemeinsamen Lebensraum zu erhalten, menschenwürdig leben zu können. Es gibt in mehreren Moscheegemeinden natürlich Projekte, dass man recycle-bare Sachen benutzt. Aber eigentlich ist jeder Gläubige aufgerufen die Umwelt zu schützen, denn das ist ja unser Lebensraum."

Heute leben in Deutschland alleine offiziell mehr als 4 Millionen Muslime. Nach Angaben des Mediendienstes Integration bezeichnen sich als Muslime eine Hälfte der Befragten aus Iran, ein Drittel aus Südosteuropa und fast 90 Prozent der Türkeistämmigen. Was für ein Moslem sich hinter den puren Zahlen versteckt kann man abseits den feierlichen Trabi-Paraden am 3. Oktober erfahren.

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