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5 November 2013, 23:39

Spektakulärer Kunstfund in München

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STIMME RUSSLANDS Ein Sensationsfund: In einer Münchener Wohnung wurden mehr als 1.400 Kunstwerke entdeckt, darunter Bilder von Picasso, Renoir und Chagall. Viele der Meisterwerke wurden in der 30er und 40er Jahren von Nazis aus Museen und von Privatpersonen geraubt. Warum hielt man die Werke für verloren? Wie wurde der Schatz entdeckt? Was ist so besonders an der Sammlung? Alexandra Gurkowa berichtet über den letzten Stand der Dinge.

2011 wird ein älterer Herr im Zug von Zürich nach München vom Zoll kontrolliert. Doch nicht alleine die Tatsache, dass der Herr 9.000 Euro bar dabei hat, macht ihn für die Zollbeamten verdächtig. Der Fahrgast ist der Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt. Aufgeregt erzählt er von einer Galerie in der Schweiz.

Im Februar 2012 wird die Wohnung von Rolf Nikolaus Cornelius Gurlitt von Zollfahndern durchsucht. Sie finden dabei Kunstwerke aus der Sammlung seines Vaters mit einem Gesamtwert von über eine Milliarde Euro. Erst im November 2013 wird die Geschichte öffentlich gemacht: durch das Magazin „Fokus“. Der Regierungsdirektor des Zollfahndungsamts Siegfried Knöble berichtet über die Einzelheiten:

"Als wir diese Wohnung durchsucht haben, haben wir in einem Raum zahlreiche Gemälde angetroffen. Diese Gemälde waren in einem Lager fachgerecht gelagert und in einem sehr guten Zustand. Wenn ich ein paar Namen nennen darf, nehme ich den besagten Max Liebermann, Max Beckmann, Otto Dix, Henri de Toulouse-Lautrec, Emil Nolde, Pablo Picasso, Marc Chagall, August Macke..."

Der Galerist Hildebrand Gurlitt ist unter Kunstexperten ein sehr bekannter Name. Zu Nazi-Zeiten hatte er den Auftrag bekommen, Werke der Moderne aus deutschen Museen ins Ausland zu verkaufen. Die Beschlagnahmung wurde 1937 von Joseph Goebbels organisiert, erklärt die Kunsthistorikerin Meike Hoffmann.

"Hierbei wurden mehr als 21.000 Werke der modernen Kunst entfernt. Damit war die Moderne nahezu komplett der Öffentlichkeit entzogen worden. 1938 erfolgte das Beschlagnahmegesetz, das besagte, dass diese Werke entschädigungslos den Museen zu entziehen seien. Die Werke sind in der Ausstellung „Entartete Kunst“ deformiert worden. Diese Ausstellung zog bis mindestens Sommer 1941 durch die Lande und wurde von der Propaganda missbraucht."

Der Großteil der in München gefundenen Sammlung ist der „entarteten Kunst“ zuzuordnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Hildebrand Gurlitt heimlich die beschlagnahmten Werke an seinen Sohn übergeben. Der hat ein paar davon verkauft und sicherte so seinen Lebensunterhalt. Doch 1.406 Werke blieben in der Wohnung von Gurlitt zwischen selbstgebauten Regalen zurück. Die Existenz einiger Bilder war auch den Kunsthistorikern unbekannt.

"Ein ganz besonderer Fund, ein Selbstporträt von Otto Dix, vollkommen unbekannt bisher, im tadellosen Zustand. Meiner Meinung nach um 1919 entstanden. Das ist eines der ganz seltenen Werke, die gleich nach dem Ersten Weltkrieg von ihm gemalt worden sind. Das Bild ist weder im Werkeverzeichnis noch irgendwo anders bisher enthalten, bekannt oder durch fotografische Momente irgendwo schon einmal publiziert."

Bei der Sammlung handelt sich aber nicht nur um Bilder der Moderne. Das älteste entdeckte Werk stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Projektkoordinatorin bei der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ der Freien Universität zu Berlin hat sich seit einem Jahr mit dem Fund beschäftigt. Neben der „entarteten Kunst“ besteht die Sammlung aus einem anderen Teil.

"Hier dauern eben heute die Recherchen noch an und werden sicherlich noch lange andauern, ob diese Werke während des Dritten Reiches unter verfolgungsbedingt entzogenen Bedingungen in diese Sammlung geraten sind. Dieser Begriff „Verfolgungsbedingt entzogen“ bedeutet eben, dass sie während des Dritten Reiches unter Zwang veräußert werden mussten von Privatpersonen oder eben durch die Institutionen, die in besetzten Gebieten installiert worden sind, vom Dritten Reich eingezogen worden sind."

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges galt diese Sammlung als verbrannt. Nun muss die Frage geklärt werden: wem gehören 121 gerahmte und 1.285 ungerahmte Werke der bekanntesten Künstler? Dieser Vorgang wird bestimmt noch einige Jahre dauern.

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