Die Redaktion der STIMME RUSSLANDS hat sich mit dem Team von RIA Novosti vereinigt und gemeinsam ein modernes Markenzeichen des 21. Jahrhunderts – SPUTNIK – gegründet. Wir setzen unseren digitalen Informationsdienst fort und werden auch weiter den hohen journalistischen Standards folgen. Besuchen Sie unsere neue Webseite!
23 Dezember 2013, 22:42

Groß und klein - alle rein!

Herunterladen

STIMME RUSSLANDS Große Musik für kleine Hörer zu spielen, ist eine echte Kunst: die Berliner Symphoniker machen das bereits seit 40 Jahren. Pünktlich zum vierten Advent haben die Musiker in der Berliner Philarmonie wieder eine musikalische Reise für die ganze Familie veranstaltet. Diesmal ging es in den Osten, nach Russland. Alexandra Gurkova war dabei.

Zu Weihnachten kann man sich nichts besseres vorstellen, als den Nussknacker von Pjotr Tschaikowski, ist der Dirigent Ilmar Lapinsch überzeugt. Seit 2009 leitet er das Symphonieorchester in Irkutsk kurz vor dem Baikalsee. Nun ist der international renommierte Künstler nach Deutschland gekommen, um Berliner ab fünf Jahren mit russischer Musik zu begeistern.

"Es kommt sehr oft vor, dass Dirigenten auf Konzerte für Kinder ein bisschen herabschauen. Ich bin aber der Meinung, wir müssen den Kindern die qualitativ beste Produktion zur Verfügung stellen. Sie erinnern sich lange an diese Eindrücke. Wenn es ihnen nicht gefällt, gehen sie nie mehr zu Konzerten der klassischen Musik. Wenn die Kinder nach der Veranstaltung Beifall klatschen, fröhlich sind und sich freuen, dann weiß ich, wofür Gott mich kreiert hat." 

Konzerte für die ganze Familie spielen die Berliner Symphoniker bereits seit den siebziger Jahren, erzählt der Intendant Jochen Thärichen. „Musik aus Russland“ ist die zweite Veranstaltung in der Saison 2013/2014.

"Dem geht voraus, dass Streicher, Holzbläser, Blechbläser, Schlagzeuger in Schulen gehen und den Kindern die Instrumente vorführen. Und wir haben die Erfahrung gemacht, dass einmal dadurch, dass die Kinder Musiker in der Schule gesehen haben, praktisch eine persönliche Beziehung zu ihnen aufbauen oder zumindest sie wieder erkennen, wie sie plötzlich im großen Orchester eingebunden sind."

Man weiß natürlich, dass nicht alle Kinder gleiche Interessen mitbringen können. Jeder Teil des Konzertes dauert deswegen nicht länger als eine Stunde in der Grundschule, sprich 45 Minuten. Wenn das Kind müde wird, geht man mit ihm raus und kommt wieder rein. Das ist bei so einem Konzert ohne weiteres möglich.

"Es ist ganz klar: wenn eine Familie ein sechsjähriges Kind hat und dann noch ein zweijähriges, was sollen sie dann machen? Sie müssen natürlich beide Kinder mitbringen. Und wenn dieses zweijährige oder dreijährige Kind nicht konzentriert sein kann, dann gehen sie raus und kommen wieder rein, wenn das Kind sich beruhigt hat oder wenn es in der Pause etwas gegessen oder getrunken hat." 

In den Pausen kann man neben Essen und Trinken auch eine Trompete anblasen oder selber Töne aus der Geige zaubern. Besonders beliebt ist aber die Tuba – wahrscheinlich wegen ihrer Größe und tiefen Klänge. Ilmar Lapinsch findet es außerordentlich wichtig, den Kindern möglichst früh klassische Musik nahezubringen. Der in Riga geborene Dirigent hat in Irkutsk sogar eine Konzertreihe für den jüngsten Musiknachwuchs initiiert. Auf 500 Plätzen sitzen dabei rund achthundert Hörer. Viele von denen hören Musik durch die Bäuche ihrer Mütter. Der Intendant der Berliner Symphoniker spricht seinerseits von dem Integrationsbestandteil der Konzerte für die ganze Familie. Die erste Veranstaltung in der Saison hat man zusammen mit dem Türkischen Konservatorium organisiert.

"Und heute ist auf jeden Fall Russland der Schwerpunkt. Zum nächsten Familienkonzert am 19. Januar ist Polen der Schwerpunkt und Frankreich. Wir versuchen Berliner und Bürger mit Migrationshintergrund an die jeweilige Musik heranzuführen. Wir hoffen sehr, wir dass auf Grund dieser integrationsfokussierten Konzerte für die ganze Familie eine Möglichkeit haben, einen Beitrag zu leisten, dass die Menschen hier heimisch werden."

Doch die russische Musik ist nicht allein die von Tschaikowski. Diesmal stellt Ilmar Lapinsch dem Publikum neben dem „Nussknacker“ Musik aus der autonomen Republik Tatarstan vor.

"Die Besonderheit besteht darin, dass die Basis der tatarischen Musik nicht wie bei europäischer Musik sieben Klänge hat, sondern nur fünf Klänge. Diese Pentatonik ist das Grundprinzip chinesischer Musik, aber chinesische Musik ist kälter. In der tatarischen Musik benutzt man diese fünf Noten für die Melodie. In der Begleitung gibt es dann die ganzen sieben oder sogar zwölf Noten. Die tatarische Musik ist sehr reich und sehr interessant, sie wird sicher bald sehr beliebt werden. Man muss sie auf jeden Fall nach Europa bringen." 

Und tatsächlich: die musikalischen Märchen und Sagen aus dem Osten lassen die Zuhörer nicht gleichgültig. Auch die Märsche aus dem fernen Gebiet Tatarstan sind den großen und kleinen Hörern nicht fremd. Am Ende jubeln neben mir die sechsjährigen Zwillinge genauso wie ihre 66-jährige Oma. Die drei werden bestimmt auch zur nächsten Veranstaltung kommen.

  •  
    teilen im: