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9 Januar 2014, 23:30

Berliner Eisfabrik-Bewohner sind wieder obdachlos

Berliner Eisfabrik-Bewohner sind wieder obdachlos
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STIMME RUSSLANDS Zwei Jahre lang haben sie in dem Gebäude der stillgelegten Eisfabrik in Berlin-Mitte gelebt. Dort mussten sie raus. Der Bezirk hat nach Lösungen gesucht, den rund 20 Männern und Frauen vor allem aus Bulgaren zu helfen. Gestern gab es ein Gespräch zwischen den Menschen und dem Bezirksbürgermeister Christian Hanke. Hendrik Polland hat mit ihm gesprochen.

Die Bewohner sind seit der Räumung in Hostels untergekommen. Die Kosten hat der Bezirk getragen. Damit ist ab heute Schluss. Was geschieht jetzt mit den geduldeten Bewohnern der ehemaligen Berliner Eisfabrik?

"Mit den Bewohnern passiert das, was wir anbieten können allen unfreiwillig Obdachlosen in der Stadt. Wir haben sie gestern mit Informationen versorgt, über Beratungsangebote und über Notunterkünfte in der Stadt, wo sie sich hinwenden können, um nicht im Freien übernachten zu müssen."

Welche Möglichkeiten gibt es da?

"Die Obdachlosenhilfe bietet in der Kältesaison Notunterkünfte an, aber auch Beratungsleistungen. Wir haben beispielsweise auch Informationen gegeben, wo man sich an Job-Points wenden kann, um nach Arbeit zu suchen. Wir haben auch angeboten, dass wir bulgarisch- beziehungsweise türkischsprachige Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter haben, die im Einzelfall weiterhelfen können. Zum Beispiel, wenn es um die Frage geht: Man braucht eine meldefähige Adresse, um einen ordentlichen Arbeitsvertrag zu bekommen. Das wir da auch Hilfestellungen angeboten haben."

Wie haben die Menschen gestern reagiert?

"Die Menschen, die mich auch berührt haben, weil sie in einer sozial absolut schwierigen Situation sind, haben einen sehr bescheidenen Eindruck gemacht. Auch einen sehr arbeitswilligen Eindruck. Sie hatten die Hoffnung, dass wir als Staat ihnen Wohnungen zur Verfügung stellen können, in die sie einziehen können. Das ist uns aber nicht möglich, weil der Gleichbehandlungsgrundsatz für alle Obdachlosen in der Stadt gilt. Es gibt auch ein Maß an Selbstverantwortung. Wenn man in unsere Stadt kommt: Jeder ist willkommen. Man muss aber auch dafür sorgen, dass man Arbeit hat, Geld verdient und auf eigenen Beinen steht. Das heißt, sich da auch eine eigene Wohnung in der Perspektive leisten kann."

Mit welchen Problemen haben die ehemaligen Bewohner der stillgelegten Eisfabrik zu kämpfen?

"Ich glaube, dass die Menschen vor allen Dingen auch damit zu kämpfen hatten, dass wir bis zum ersten Januar dieses Jahres noch nicht die vollständige Freizügigkeit hatten. Das heißt, die Menschen konnten in den vergangenen Jahren nur in ganz wenigen Berufen legal arbeiten. Das hat dazu geführt, dass viele in prekäre Arbeitsverhältnisse gekommen sind. Mit dem Ergebnis, dass sie als Bauhelfer gearbeitet haben, dann ihren Lohn nicht bekommen haben und sich in der Situation auch hilflos gefühlt haben. Wir hoffen im Bezirk insgesamt, dass durch diese neue Freizügigkeit, die wir haben, mit dem Ergebnis, man kann in allen Berufen auch arbeiten, die Menschen legale Arbeitsverhältnisse finden und diese Ausbeutung im Schwarzmarktbereich damit beendet wird."

Sie hatten den 20 Männern und Frauen geraten, sich eine Meldepflicht zu beschaffen. Wofür wird sie gebraucht?

"Häufig ist das so, dass man einen Arbeitsvertrag nur dann bekommt, wenn man einen Wohnort nachweisen kann. Oder: Wenn man bei einer Bank ein Girokonto eröffnet, braucht man eine Adresse in Berlin. Wenn man eine eigene Wohnung hat, dann kann man sich dort anmelden. Wir würden aber auch Wege finden, vielleicht über eine Kirchengemeinde erstmal eine meldefähige Adresse zu haben, wo auch die Post hin geliefert wird. Dass die Menschen überhaupt Arbeit annehmen können, um sich später dann auf eigene Füße zu stellen und eine eigene Wohnung anzumieten."

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