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13 Januar 2014, 20:24

STIMME RUSSLANDS Andreas Ott, 43 Jahre alt, lebt und arbeitet in Berlin. Im Jahre 2009 begegnete Andreas Ott den Pelikanen im Tierpark Berlin-Friedrichsfelde und beschäftigte sich fortan mit ihnen.

Auf seiner Webseite Pelikanflüsterer.de zeigt Andreas die Nester mit Eiern von Pelikanen, die im Tierpark im Dezember 2013 gelegt wurden. "In diesem Winter wird wieder versucht, dass die Brillenpelikane die Eier ohne Hilfe des Menschen selbständig ausbrüten und die Küken anschließend großziehen."

Andreas Ott dokumentiert die Entwicklung der Tiere. Seine Leidenschaft sucht er mit anderen Mitmenschen zu teilen, erntet neugierige Blicke, erklärt gerne. Seitdem Andreas Ott den Pelikanen begegnet ist, hat er deren Verhaltensweisen beobachtet und die Fähigkeit, mit ihnen zu kommunizieren, entwickelt. Heute ist Andreas Ott Bestandteil des Parks und bei vielen Besuchern als Pelikanflüsterer bekannt. Das Berliner Publikum hat die Pressemeldung über die Pelikanbrut mit Interesse aufgenommen. Viele Familien mit Kindern sind in den Tierpark Berlin gekommen, um die Pelikanbrut zu sehen.

Die Pelikane erkennen Andreas Ott und kommen zu ihm oder laufen hinter ihm her. Deren Schnäbel erschrecken ihn nicht, denn sie nutzen ihren Schnabel als Hand, auch zur Begrüßung und zum Anfassen. Andreas Ott strahlt, wenn er davon berichtet, dass im Tierpark Berlin alle acht vorkommenden Arten gehalten werden. Eine davon, die Brillenpelikane, kommen eigentlich aus Australien. Sehr selten passiert es, dass diese Pelikane in Zoos ihre Küken selbst aufziehen. In der Regel ziehen Pfleger diese per Hand auf. Wir haben uns mit dem Pelikanflüsterer aus Berlin getroffen.

Wie und wo haben Sie das erste Mal Kontakt mit Pelikanen aufgenommen?

"Das war im Jahr 2009, als ich im Rahmen meiner Mitgliedschaft/Tätigkeit für den Förderverein Tierpark und Zoo die Pelikane vor dem Schloss Friedrichsfelde frei herumlaufen sah."

Wieso diese Tiere und nicht ein anderes Tier?

"Für Vögel habe ich mich schon immer besonders interessiert. Als dann die neugierigen Tiere Kontakt zu mir aufnahmen, gab es schon mal die eine oder andere Blessur. Aber diese freundlichen, verspielten und intelligenten Tiere haben mich sofort in ihren Bann gezogen."

Wieviel Arten von Pelikanen existieren?

"Es sind acht Arten, welche alle auch im Tierpark Berlin-Friedrichsfelde zu finden sind."

Was ist besonders bei den Pelikanen?

"Pelikane sind sehr verspielt, darüber hinaus auch kontaktfreudig zu den Besuchern. Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter."

Was haben Sie bei den Pelikanen entdeckt?

"Sie sind dem Menschen nicht unähnlich, zeigen Emotionen wie Eifersucht, Stolz und Trauer ebenso wie Unzufriedenheit. Mancher ist eher ruhig und liebt die Zurückgezogenheit, ein anderer präsentiert sich gerne und steht im Mittelpunkt."

Heute können Sie mit den Pelikanen kommunizieren. Wie lang haben Sie dafür gebraucht?

"Das hat sich über die Jahre entwickelt. Heute bin ich in der Lage, die Gestik und Laute der Pelikane zu verstehen. Ich weiß dann, ob das Tier mich begrüßt oder Unwillen zeigt."

Welche "Sprache" oder "Zeichen" verwenden Sie für die Kommunikation?

"Es gibt auch eine Art der laut- und kontaktlosen Kommunikation, welche reinweg durch Blicke möglich ist. Die Tiere sehen, ob man sie anschaut, erkennen, ob man sie mag."

Ist das nicht gefährlich, wegen des riesigen Schnabels der Pelikane diesen so nahe zu kommen?

"Im großen Ganzen sind die Tiere friedlich, suchen keinen Streit und greifen einen Menschen nicht an. Nähert man sich ihnen mit Bedacht, kommt es selten zu Verletzungen. Betasten einen die Pelikane mit ihren Schnäbeln, sind sie daher eher behutsam. Aber es kann schon zu kleineren Hautverletzungen kommen."

Wie haben Sie es gelernt, mit den Pelikanen zu "reden"?

"Aus der Beobachtung ihrer Laute, Bewegungen und Augen habe ich versucht, ähnliche Laute und Gesten zu verwenden. Anfangs waren sowohl ich als auch die Pelikane überrascht, dass über diesen Weg eine Verständigung möglich war."

Was haben Sie den Pelikanen beigebracht?

"Dass es Freundschaft zwischen Mensch und Tier geben kann. Die Pelikane schnappen heute nur noch selten aus Angst nach Besuchern des Tierparks."

Was haben die Pelikane Ihnen beigebracht?

"Ich habe gelernt, dass Tiere ehrlich sind, einem vorbehaltlos gegenüberstehen. Sie knüpfen keine Bedingungen an Freundschaften mit dem Menschen."

Wieviel Pelikane leben im Tierpark?

"Derzeit sind es etwa 50 Pelikane. Es gibt Bestrebungen, von jeder Art eine kleine Kolonie von etwa zehn Tieren zu halten. Häufig werden Jungtiere nicht behalten. Sie finden hoffentlich ein neues gutes Zuhause, beispielweise in anderen Parks."

Wer hat die das erste Mal in den Tierpark gebracht?

"Das war Professor Dr. Dr. Dathe, welcher mit der Tierparkbegründung schon 1955 einen rosa Pelikan zeigte."

Wieso ist es schwer, Pelikane im Zoo großzuziehen?

"Oft fehlt es an einer Kolonie, welche benötigt wird, um sich gegenseitig zur Brut zu annimieren und eine Paarbildung zu ermöglichen."

Leben die Pelikane wie die Menschen? Papa, Mutter und Kinder, oder leben die Mütter allein mit den Küken?

"Vögel müssen schnell selbstständig, also von den Elterntieren unabhängig sein. Die Elterntiere kümmern sich gleichermaßen um die Aufzucht der Jungtiere."

Erkennt man eine Vaterrolle bei den Pelikanen?

"Nun, Vögel sind keine Säugetiere. Für die Jungtiere sind Vater und Mutter gleichbedeutend. Sie erkennen ihre Eltern allerdings unter hunderten Pelikanen genau, ebenso wie die Eltern ihre Jungen immer erkennen."

Was wollen Sie jetzt bei dem Umgang mit den Pelikanen erreichen?

"Ich werbe für ein neues Verständnis für die Pelikane, wünsche mir ein Miteinander von Mensch und Tier. Gerne möchte ich das Verhalten der Tiere anderen interessierten Menschen näherbringen können. Lernen um lehren zu können, ist meine Bestrebung."

Träumen Sie davon, diese beispielsweise in Australien in der Wildnis zu sehen?

"Unbedingt! Ich würde sie gerne auch in der Natur beobachten und um deren Vertrauen werben wollen. Das wäre ein großes Geschenk für mich."

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