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4 März 2014, 17:14

Ukraine-Krise und „phonetische Provokation“

Sergej Chelemendik

Sergej Chelemendik

Sergej Chelemendik

STIMME RUSSLANDS Russland hat vorerst gegen keine internationalen Gesetze auf der Krim verstoßen. Das sagte der slowakische Publizist, Politiker und Ex-Parlamentsabgeordnete Sergej Chelemendik im Gespräch mit der STIMME RUSSLANDS. Er zeigt sich mit denjenigen nicht einverstanden, die dem Kreml eine Besatzung der Ukraine vorwerfen.

Wie ist Ihre Haltung zu den Geschehnissen in Kiew und auf der Krim?

Moskau hält die neue Regierung in Kiew für illegitim. Es lässt sich dagegen wenig einwenden. Diese Regierung wurde durch eine Abstimmung am Platz der Unabhängigkeit gegründet. Wer Minister werden soll, wurde daran gemessen, wie laut die Demonstranten schrien. Dann wurden legitime Parlamentsabgeordnete unter Druck gesetzt, damit sie die neuen Minister akzeptieren. Jetzt erfahren Medien Details zu jenem Druck – und wir begreifen allmählich, dass weder Russland noch Europa einen solchen Umgang mit Abgeordneten gekannt haben. Es ist aber am wichtigsten, dass die derzeitige Regierung in Kiew eigentlich infolge eines Staatsstreiches an die Macht gekommen ist. Der Westen macht einen historischen Schritt, indem er diese Regierung anerkennt. Denn es kommt die Frage auf: Warum ist dann die Regierung auf der Krim illegitim, die im Prinzip nach demselben Muster zustande gekommen ist? Auf der Krim gab es allerdings keine jahrelangen Vorbereitungen auf einen Umsturz. Niemand verwandelte die Krim in etwas wie das gegenwärtige Kiew. Das Volk auf der Krim gibt also seinen Willen kund – genauso wie in Kiew, wo der Westen die Ergebnisse trotz aller geltenden Standards akzeptierte. Bewaffnete Menschen haben die Regierung gestürzt. In Kiew wurde das als Wille des Volkes gedeutet. Nun bringt das Volk auf der Krim seinen Willen zum Ausdruck – nur ohne Blutvergießen. Die Menschen haben bloß die klägliche Situation satt, in der die Ukraine seit Jahren steckt.

Wenn die Regierung in Kiew illegitim ist, soll Russland die russische Bevölkerung auf der Krim schützen?

Vorerst hat Russland gegen keine internationalen Gesetze verstoßen. Auf der Krim befindet sich ein zahlenmäßig geringer russischer Militärtrupp, und zwar auf Grund eines geltenden Vertrages, den niemand aufgehoben hat. Das Gerede von einer Besatzung der Ukraine ist eine phonetische Provokation. Es ist bekannt, dass sich ein wesentlicher Teil der ukrainischen Streitkräfte auf die Seite der neuen Krim-Regierung geschlagen hat. Im Südosten der Ukraine ist die Situation ähnlich. Trotzdem wird in tschechischen und slowakischen Medien über einen ‚Anschluss‘ spekuliert.

Ihr Standpunkt ist in der Slowakei wohl nicht besonders populär. Er ähnelt eher der Haltung der Regierung in Moskau. Geht das wohl darauf zurück, dass Sie ein ethnischer Russe sind und auch die russische Presse lesen?

Das hat damit nichts zu tun. Bei und versteht bloß niemand genau, was tatsächlich in der Ukraine geschieht. Alle greifen auf journalistische Interpretationen zurück und bekommen generell eine inadäquate Vorstellung von den Geschehnissen auf der Krim, in der Ukraine. Und was die Haltung der Regierung betrifft… In zwei Wochen wählt die Slowakei einen Präsidenten. Politische Kräfte, die sich an den USA und Europa orientieren, instrumentalisieren nun die Ukraine-Krise, um bei den Wählern zu punkten. Das ist aber vergeblich. Viele Slowaken sind derzeit auf Russlands Seite. Das ist auch der Diskussion auf unserer Webseite anzusehen. Tausende Menschen sagen, Russland müsse seine Landsleute schützen. Was die Slowaken noch beunruhigt, ist ein möglicher Zerfall der Ukraine. Das ukrainische Gebiet Transkarpatien grenzt an uns. Niemand will, dass dort etwas entsteht, das dem Kosovo ähneln würde. Ein solcher Ausgang der ukrainischen Krise macht allen slowakischen Politikern Angst, aber auch der slowakischen Gesellschaft im Allgemeinen.

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