Die Redaktion der STIMME RUSSLANDS hat sich mit dem Team von RIA Novosti vereinigt und gemeinsam ein modernes Markenzeichen des 21. Jahrhunderts – SPUTNIK – gegründet. Wir setzen unseren digitalen Informationsdienst fort und werden auch weiter den hohen journalistischen Standards folgen. Besuchen Sie unsere neue Webseite!
27 März 2014, 14:29

Streik an Deutschlands Flughäfen - Verdi geht auf Konfrontation

Streik an Deutschlands Flughäfen - Verdi geht auf Konfrontation
Herunterladen

STIMME RUSSLANDS An den großen deutschen Flughäfen hat es am Donnerstagmorgen massive Warnstreiks gegeben. Tausende Reisende waren betroffen. Damit will die Gewerkschaft Verdi im Tarifstreit den Druck auf die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst weiter erhöhen. Marcel Joppa im Interview mit dem Verdi-Sprecher Jan Jurczyk.

Herr Jurczyk, allein die Lufthansa hat wegen der Ausstände rund 600 Flüge gestrichen. Ist das auch für Verdi einer der größten Streiks in jüngster Zeit?

Ich denke nicht. Weil die großen Fluggesellschaften - namentlich die Lufthansa die ja eine strukturbestimmende Bedeutung im deutschen Luftverkehr hat - Streiks an Flughäfen auch zu Anlass nehmen, Maschinen die sich um Umlauf befinden am Boden zu halten, um dann nach dem Streik wieder planmäßig einsetzen zu können. Also die Streichung von Flügen dient ein Stück weit dem Ziel, eigene Kosten zu sparen. Weil die Maschinen ggf. in der Luft wären oder ausweichen müssten. Das macht man dann eben nicht.

Man nutzt die Zeit um ggf. auch Wartungsarbeiten durchzuführen, um dann wieder pünktlich einzusetzen, wenn die Warnstreiks beendet sind. Wir hatten schon Streiks mit erheblich größeren Auswirkungen. Es handelt sich hierbei ja nur um einen halbtägigen Streik im Bereich der Flughäfen und anderen öffentlichen Einrichtungen. Nur ist es bei den Flughäfen natürlich so, dass aufgrund der Bedeutung in der Verkehrsinfrastruktur die Auswirkungen heftiger sind, als wenn beispielsweise in einzelnen Städten Kitas bestreikt werden.

Heftige Kritik an den Warnstreiks gibt es von der Luftverkehrsbranche. Der Vorwurf: Die Passagiere würden für branchenfremde Tarifkonflikte in Geiselhaft genommen. Und in der Tat, so ganz Unrecht hat man damit nicht...

Das ist so nicht ganz richtig. Weil branchenfremd sind gerade diese Tätigkeiten ganz und gar nicht. Die Auseinandersetzungen an den Flughäfen und dem öffentlichen Teil der Flughäfen hat eine lange Tradition. Vor 20 Jahren waren die Flughäfen vollständig außerhalb des Tarifgeschäfts, weil dort die weitaus meisten Beschäftigten Beamte waren. Dann hat man beschlossen, aus Gewinnerzielungsabsicht diese Flughäfen teilweise zu privatisieren, die Anzahl der Beamten abzubauen, mehr günstigere Tarifangestellte zu beschäftigen. Und so hat man sich insgesamt den Tarifkonflikt mit ins Haus geholt. Das war absehbar und das ist die unmittelbare Folge dieser Privatisierungstendenzen in den vergangenen 20, 25 Jahren. Also man hat so zu sagen von einem vergleichbar sicheren und konfliktfreien System auf ein konfliktträchtigeres umgestellt. Und selbstverständlich machen die Beschäftigten von ihren Grundrechten und ihren Gewerkschaftlichen Rechten Gebrauch.

Neben den Warnstreiks an mehreren Flughäfen gibt es auch Ausstände in anderen Bereichen. Wo wird sonst noch die Arbeit niedergelegt?

Es betrifft beispielsweise den öffentlichen Personennahverkehr in NRW, es betrifft dort auch die Schleusen. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen sind Einrichtungen die auch öffentlich betrieben werden. Das kann dann auch bundesweit hier und da zu geschlossenen Schleusen führen. Es betrifft teilweise das Krankenpflegepersonal in einigen komunalen Krankenhäusern. Es können auch einfache Verwaltungstätigkeiten betroffen sein. Also es sind im Prinzip alle Berufsgruppen des öffentlichen Dienstes in unterschiedlicher Weise betroffen. Insgesamt werden heute schätzungsweise bundesweit 70.000 Arbeitnehmer sich an diesen Warnstreiks beteiligen.

Am 31. März ist die dritte Tarifverhandlungsrunde geplant. Können Sie noch einmal Ihre Forderung an die Arbeitgeber formulieren? Und würden Sie auch Ihrerseits entgegenkommen, oder sind diese Forderuingen in Stein gemeißelt?

Forderungen sind natürlich nie in Stein gemeißelt, man landet letztlich immer bei einem Kompromiss. Die Grundforderung war 100 Euro Sockelbetrag plus 3,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Dazu eine Erhöhung der Entgelte für die Auszubildenden und Praktikanten um monatlich 100 Euro. Und wir wollten auch über eine einheitliche Urlaubsregelung für alle Beschäftigten sprechen. Das sind ganz grob die Forderungen. Das alles zusammen liegt auf dem Tisch und jetzt werden wir sehen, in wie weit uns die Arbeitgeber am Montag und Dienstag entgegen kommen werden. Irgendwo wird ein Kompromiss in der Mitte gefunden werden und wir sind guter Hoffnung, dass es bald zu einem Ergebnis kommen kann.

  •  
    teilen im: