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3 Mai 2014, 16:19

„Auschwitz“ von Odessa

„Auschwitz“ von Odessa

STIMME RUSSLANDS In der ukrainischen Stadt Odessa (einer großen Hafenstadt am Schwarzen Meer) ist die dreitägige Trauer um die Opfer der beispiellosen Straßenzusammenstöße zwischen Nationalisten und Anhängern einer Föderalisierung der Ukraine ausgerufen worden. Infolge der Tumulte und des anschließenden Brandes in einem der Gebäude kamen mehr als 40 Personen ums Leben, und etwa 200 Personen mussten ärztlichen Rat einholen.

Laut Moskau sind für die Verbrechen in Odessa die de facto funktionierenden Machthaber in Kiew verantwortlich. „Zu Verbrechern werden diejenigen, die die Kiewer Junta für legitim halten“, erklärte der Präsidentensprecher Dmitri Peskow.

Der Brand im Haus der Gewerkschaften auf dem Odessaer Platz Kulikowo Pole wurde in den Abendstunden am Freitag zum tragischen Finale der Unruhen, deren Spannung an die Ereignisse in Kiew vor zwei Monaten erinnerte. Der nicht genehmigte Straßenmarsch, der von nationalistischen Gruppierungen und lokalen Fußballultras unter Losungen der „einheitlichen Ukraine“ veranstaltet wurde, artete in eine Konfrontation mit Föderalisierungsanhängern aus, die vor einiger Zeit auf dem Kulikowo Pole ein Zeltlager aufgeschlagen hatten.

Wie es nach der neuen ukrainischen „revolutionären Tradition“ bereits üblich ist, griff man Steinen, Baseballschlägern und Molotow-Coctails. Die Polizei versuchte, die rivalisierenden Parteien voneinander zu trennen, ging jedoch passiv und unentschlossen vor. Deswegen konnten die radikalen Nationalisten aus dem so genannten Rechten Sektor das Zeltlager und anschließend auch das Haus der Gewerkschaften in Brand stecken, in dem die Aktivisten, welche mit der Politik der jetzigen Machthaber im Lande nicht einverstanden sind, Schutz suchten. Mehrere Personen wurden beim lebendigen Leibe verbrannt oder zogen sich tödliche Rauchvergiftungen zu. Laut Augenzeugen traf die Feuerwehr erst eine halbe Stunde nach der Brandstiftung ein.

Moskau hält die Tragödie in Odessa für eine Äußerung der verbrecherischen Fahrlässigkeit der Kiewer Behörden, welche „den frech gewordenen Nationalradikalen Vorschub leisten, die eine Kampagne des körperlichen Terrors gegen die Anhänger einer Föderalisierung und realer verfassungsmäßiger Wandlungen in der ukrainischen Gesellschaft starten“.

Leonid Slizkij, Leiter des Duma-Ausschusses für GUS-Angelegenheiten, verglich das, was in Odessa geschhh, mit Nazi-Verbrechen: „Das ist ein neues Auschwitz“, meinte der Parlamentarier. Der erste Vizepremier der Republik Krim, Rustam Timergalijew, erinnerte ebenfalls daran, dass „nur die Nazis Menschen während des Großen Vaterländischen Krieges beim lebendigen Leibe verbrannt haben“.

Die Zusammenstöße in Odessa, die mit dem Massentod von Menschen einhergingen, bedeuteten, dass die Ukraine im wahrsten Sinne dieses Wortes an der Schwelle eines Bürgerkrieges stehe, meint Wladimir Scharichin, stellvertretende Direktor des GUS-Instituts. Laut ihm empfinden sich die ukrainischen Rechtradikalen an der Peripherie des politischen Prozesses und seien gewillt, einen größeren Einfluss zu erlangen. Für sie sei es vorteilhaft, dass das Land endgütig in einen Bürgerkrieg abrutschte. Dabei würden sich die USA, dessen ist sich Scharichin sicher, nur darüber freuen, wenn im Zentrum Europas, unmittelbar an der russischen Grenze, ein „neues Somalia“ entstehen würde.

Seinerseits erklärte der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, dass es für Russland nach den tragischen Geschehnissen in Odessa, wie auch in jedem anderen Land, praktisch unmöglich sein wird, die Einwohner der Südostukraine zu überreden, angesichts einer unmittelbaren Bedrohung für ihr Leben die Waffen zu strecken.

Gleichzeitig bezeichnete Peskow die Präsidentschaftswahl in der Ukraine, die für den 25. Mai festgesetzt worden ist, als ein Absurdum. „Betrachtet man die Geschehnisse in Odessa und wie sich die Konfrontationsspirale im Südosten des Landes aufwindet, begreifen wir nicht, von welcher Wahl man in Kiew, in europäischen Hauptstädten und in Washington spricht“, unterstrich der Pressesprecher des russischen Staatschefs.

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