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27 Mai 2014, 11:37

Schlechte Nachricht für Sparer: EZB könnte die Geldpolitik weiter lockern

Schlechte Nachricht für Sparer: EZB könnte die Geldpolitik weiter lockern
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STIMME RUSSLANDS Die schwächelnde Kreditvergabe in der in der Eurozone soll mit einer lockereren Geldpolitik der EZB weiter angekurbelt werden, doch die Nebeneffekte sind beträchtlich. Die Europäische Zentralbank bereitet nach der Europawahl die Beschließung eines negativen Einlagezinses vor. Die Rechnung würden doch statt der Banken letztendlich Kunden und Sparer zahlen müssen.

Als Fortsetzung ihrer unkonventionellen Maßnahmen erwägt die Europäische Zentralbank einen drastischen Schritt. Medienberichten zufolge könnte der EZB-Rat bei seiner nächsten Sitzung Anfang Juni einen negativen Einlagenzins von minus 0,1 Prozent beschließen. Seit November liegt dieser Satz bei 0 Prozent. Dies würde praktisch bedeuten, dass Geldinstitute für ihre kurzfristigen Einlagen bei der Zentralbank eine Gebühr bezahlen müssten, anstatt dafür Zinsen zu erhalten. Käme es dazu, wäre dies das erste Mal in der Geschichte der Eurozone, dass Strafzinsen angewendet würden. Zwar wäre der Schritt nicht unbedingt ein Zeichen von Verzweiflung seitens der Zentralbank, die damit verbundenen Risiken seien aber nicht gering, meint EZB-Experte Michael Schubert von der Commerzbank:

"Sie haben wirklich sehr lange überlegt, denn bei diesen Schritten gibt es unter Umständen auch Nebeneffekte, die schlecht für den Euroraum wären. Man hat das in Dänemark gesehen, da sind die Kreditzinsen teilweise gestiegen, als deren Einlagezins ins negative rückte. Deswegen versucht man sich sehr vorsichtig heranzutasten und will da bloß nur ein Zins, der knapp unter null liegt."

Offizieller Ziel des Strafzinses wäre, dass die Banken mehr Kredite ausgeben, anstatt ihr Geld bei der EZB parken zu lassen. Doch Kritiker der Maßnahme betonen, dass der bisherige Nullprozent Satz keinerlei Effekte auf die Kreditvergabe an Unternehmen in der Eurozone Peripherie hatten. Darüber hinaus würden die Banken die mit den Strafzinsen verbundenen Kosten voraussichtlich auf die Kunden abwälzen. Das wäre vor allem für die kleinen- und mittelständischen Unternehmen eine ungünstige Entwicklung. Doch Michael Schubert glaubt, hinter dem Vorhaben stecken andere Überlegungen:

"Meines Erachtens ist es auch deswegen, weil die EZB gerne möchte, dass der Wechselkurs schwächer ausfällt. In dem Fall dürfte Sie erfolgreicher sein. In Bezug auf die Ankurbelung der Kreditvergabe durch dieses Instrument, habe ich meine Zweifel. Deswegen macht die EZB unter Umständen noch andere Sachen. Beispielsweise könnte sie versuchen, einen Tender aufzulegen, der so gestaltet sein würde, dass die Banken nur Billiggeld erhalten, wenn sie die Kreditvergabe tatsächlich erhöhen. Der Zusammenhang negativer Zins zur Kreditvergabe ist sehr schwach ausgeprägt."

Ein weiteres Problem ist, dass die Banken in den Krisenländern immer noch mit hohen Raten von faulen Krediten kämpfen müssen. Das Vertrauen auf dem Interbankenmarkt ist deswegen weiterhin schwach. Die ultralockere Zinspolitik der EZB hat zwar den Finanzmärkten Flügel verliehen, doch die strukturellen Probleme in den Krisenländern sind weiterhin vorhanden. Deshalb müssten erst die Bankbilanzen gesäubert werden, um einer neuen Kreditblase vorzubeugen:

"Die EZB muss mehrgleisig verfahren. Die Zinssenkung allein bringt sicherlich nichts. Ein ganz wichtiger Punkt ist natürlich die Gesundung der Bilanzen. Man muss also praktisch das Problem an der Wurzel anpacken. Wenn das gelingt, wenn die Bankbilanzen bereinigt werden und dadurch die Verschuldung verringert wird, dann hat das sicherlich einen positiven Effekt auf die Kreditvergabe."

Neben der eventuellen Einführung eines Strafzinses erwarten viele Ökonomen auch eine erneute Leitzinssenkung von 0,25 auf 0,15 Prozent. Angesichts der höher liegenden Inflationsrate ist Sparen zum Verlustgeschäft geworden. Auch die Altersvorsorge leidet unter den negativen Realzinsen. Zwar wird das Wachstum durch die höhere Kauflaune gestärkt, doch der Schwund an Sparbereitschaft ist längerfristig riskant:

"Auch hier gilt: Jede Maßnahme in diesem Bereich hat Nebeneffekte. Dazu muss man allerdings insgesamt sagen, dass jede expansive Geldpolitik negative Wirkungen auf den Sparer hat und ihn dabei noch fördert, sein Geld auszugeben. So ist sie auch gedacht und im Normalfall überwiegen die positiven Effekte, aber ganz klar, die Sparer werden dadurch benachteiligt. Bloß muss man sagen, die expansive Geldpolitik ist tatsächlich so gedacht."

Die Beschließung eines negativen Einlagezinses ist umso wahrscheinlicher, wo sogar Bundesbankchef Jens Weidmann die Maßnahme in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" als vorstellbar bezeichnete. Dabei gilt er als einer der wichtigsten Kritiker von unkonventionellen Schritten der Zentralbank. Außerdem sollte bedacht werden, ob die Bekämpfung der Schuldenkrise mit weiterer Verschuldung nicht zu einer neuen Krise führen könnte.

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