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25 Juni 2014, 23:09
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STIMME RUSSLANDS Das Niveau der Xenophobie in Russland ist vor dem Hintergrund der ukrainischen Krise gesunken. Die meisten Russen (53 Prozent), die von Soziologen der Gesellschaftskammer befragt wurden, nehmen die Revolution in Kiew als eine nationalistische und faschistische wahr. Deshalb verhalten sie sich misstrauisch zu den Nationalisten in Russland.

58 Prozent der Befragten haben einen negativen Standpunkt zum Nationalismus. Letztes Jahr waren es nur 50 Prozent. Auch unsere Reporterin Valeria Spirande hat Passanten auf den Straßen Moskaus danach befragt, ob die Ereignisse in der Ukraine eine demokratische Revolution oder eine nationalistische Umwälzung, und welche Meinung sie über die Nationalisten in Russland und deren Organisationen haben. Würden sie ihre Stimme für eine „Russische nationalistische Partei“ bei den Parlamentswahlen abgeben, wenn es so eine Partei gäbe?

Mann: Ich weiß nicht, ob es dort wirklich um Demokratie ging, aber es war auf jeden Fall eine Revolution, die letztendlich die Nationalisten an die Macht gebracht hat. Ich bezweifle, dass diese Aktivisten das von Anfang an geplant haben. Aber die Leute, die auf dem Maidan waren, sind kaum mit der heutigen Politik der ukrainischen Regierung einverstanden. Es gibt in Russland heutzutage keine richtigen Nationalisten – die Menschen, die für ihre Nation stehen und die alles machen, um diese Nation vorauszubringen. Unsere Nationalisten haben gar keine eigene Vision der Zukunft Russlands, sie mögen einfach keine Migranten. Also das einzige, womit sie die ganze Zeit beschäftigt sind, ist die Aggression gegen die Menschen aus dem Kaukasus und vielen ehemaligen Sowjetrepubliken. Das ist kein guter Weg, um das Problem der Gewalt und der Straftaten unter den Migranten zu lösen. Wenn so eine Partei wirklich aus Menschen bestehen würde, die unser Land zum Besseren ändern wollen, ohne andere Völker zu bedrängen, dann würde ich auf jeden Fall ihr meine Stimme geben. Wenn sie dagegen meine Unterstützung für ihre Aggression brauchen – dann bin ich nicht mit.

Frau: Natürlich ist das eine nationalistische Umwälzung. Von Anfang an sagte man, dass die Eurointegration für die Ukraine am besten wäre. Wahrscheinlich haben die Menschen diese Worte falsch verstanden, weil später all diese Demonstrationen und Unruhen angefangen haben. Niemand hat dem Land eigentlich gesagt, dass man es tatsächlich in die Europäische Union aufnehmen möchte. Die Nationalisten in Russland sind gar nicht so aktiv, deshalb habe ich nichts gegen ihre Organisationen. Ich finde, dass man nur in dem Fall etwas unternehmen muss, wenn es mit Extremismus und Gewalt zu tun hat. Ich würde aber so eine Partei nie wählen. In so einer Partei würde man die Ideen von Hitler, Goebbels und Göring unterstützen. Ich möchte damit nichts zu tun haben.

Mann: Ich bin der Meinung, dass es in der Ukraine nicht um die Nationalisten, aber auch nicht um die Demokratie geht. Ja, es gab zwar Unruhen, aber jetzt ist schon alles vorbei. Ich kann nicht sagen, dass die Revolution fortfährt – sie haben doch einen Präsidenten gewählt. Na ja, vielleicht werden sie jetzt alle in Schokoladenfabriken arbeiten, weil der Schokoladenkönig Poroschenko es so möchte. Aber alle weiteren Ereignisse werden absolut legal sein, weil die Macht dort nach dem Gesetz gewählt wurde. Ich finde die Ideen der russischen Nationalisten interessant. So kann man alle Menschen Russlands vereinigen und das würde auch zum Erfolg und zur Prosperität führen. Aber ich würde sie nicht unterstützen, wenn sie gegen unseren heutigen Präsidenten wären.

Frau: Natürlich wollten die Menschen eine demokratische Revolution. Viele meine Bekannte und Verwandte haben an den Demonstrationen teilgenommen. Sie wollten das Leben im Land ändern, weil es früher fast keine Arbeit gab, weil man zu wenig verdient hat und weil alle Abgeordneten korrumpiert waren. Später ging alles nicht wie geplant. In der Geschichte passierte dasselbe in Frankreich in den Zeiten der Französischen Revolution. Die Jakobiner kamen an die Macht und alles endete mit einem großen Terror. In der Ukraine haben die Nationalisten die neue Regierung gebildet. Es ist in Folge eines Informationskrieges schwer zu verstehen, was in diesem Staat wirklich geschieht, aber die Experten sagen, dass die neuen Politiker in vielen Aspekten Nachfolger der Nazis sind. Aber in einem angemessenen Rahmen könnte der Nationalismus für ein Land Nutzen bringen – so hat eine meiner Schullehrerinnen gesagt. Es wäre gut, wenn es eine Partei gäbe, die diese Ideen unterstützte, ohne aggressive Aktionen zu unternehmen.

Mann: Zuerst war das als eine demokratische Revolution geplant. Aber die Nationalisten haben die Gelegenheit genutzt, um die Macht zu ergreifen. Was die russischen Nationalisten betrifft, so kann ich sie ganz leicht verstehen – es gibt zu viele Migranten bei uns, besonders in den Großstädten. Die Löhne sind niedriger geworden, weil man einem Migranten nicht so viel Geld zahlen muss. Ja, natürlich müssen sich die Gastarbeiter normal benehmen, wenn sie hier Geld verdienen wollen. Aber sie sind doch auch Menschen wie wir. Wenn sie hierher gekommen sind, dann heißt es, dass bei ihnen zu Hause alles schlechter ist. Also ich kann nachvollziehen, warum die Nationalisten so aggressiv sind, trotzdem ist meine Haltung zu ihnen negativ. Ob ich bei den Wahlen eine solche Partei bevorzugen würde – das hängt von deren Programm ab. Wenn sie vorschlagen würden, alle Migranten wegzuschmeißen, für sie die Grenzen zu sperren und eine Todesstrafe für einen Gesetzesbruch einzuführen, dann natürlich nicht. Wenn sie aber zum Beispiel eine spezielle Visum-Politik für die Gastarbeiter vorschlagen, oder andere normale Wege zur Lösung dieses Problems finden würden – warum denn nicht. So eine Partei würde ich in diesem Fall wählen.

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