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9 Juli 2014, 15:12

Europa ist nicht vor Ebola-Virus geschützt, Teil 1

Europa ist nicht vor Ebola-Virus geschützt, Teil 1

STIMME RUSSLANDS Wenn man Malaria hat, muss man nicht in Quarantäne. Malaria und Ebola unterscheiden sich nicht beim Beginn der Krankheit. Mit den massiven Einwanderungen nach Europa aus Afrika sind viele Fälle von Malaria festgestellt worden. Auch Menschen, die zwischen Europa und Afrika leben, können Ebola mitbringen. Polizei rückt mit speziellen Anzügen zu den Menschen bei Verdacht ein. Medien in Italien, Spanien, Deutschland, Frankreich berichten über Malariafälle und Ebolafälle. Die Pressestellen der Behörden verneinen die Existenz von Ebola-Fällen in Europa.

Seit März 2014 gibt es einen Ausbruch von Ebola in Afrika. Jede Woche kommen Hunderte Menschen nach Lampedusa. Fakt ist, dass per Schiff, per Flugzeug Menschen einreisen und mit dem Ebola-Virus erkrankt sein können, wenn sie nach Europa, in die USA oder in irgendwelche anderen Länder kommen. Bei einem Verdacht sollen die Behörden eingreifen und die Menschen in Quarantäne bringen. In einem Interview mit Dr. Stephan Becker vom Institut für Virologie in Marburg, der die Gefahr relativieren will, erfahren wir, wie wir mit dem Ebola-Virus infiziert werden können und dass Europa nicht vor Ebola geschützt ist, auch wenn das Ebola-Virus sich nicht wie Grippe verbreitet.

Wie sind Sie zu dem Gebiet Ebola gekommen?

Seit ungefähr 20 Jahren arbeite ich mit Ebola. Momentan gibt es keinen zugelassenen Impfstoff für Menschen und es gibt keine Therapie für den Menschen. Allerdings gibt es Impfstoffe, die im Tierexperiment wirken und Tiere geschützt haben.

Ist das Risiko groß, in Europa Ebola zu bekommen?

Nein. Es gibt verlaufende Formen von Maleria, die dem Virus Ebola sehr ähnlich sind. Man kann nicht ausschließen, dass Menschen, die mit dem Ebola-Virus infiziert sind, aus Guinea nach Deutschland einreisen. Es gibt Verkehr zwischen Guinea und anderen Ländern in West-Afrika, wo momentan ein Ebola-Virus-Ausbruch herrscht. Dass da Menschen nach Europa, nach Deutschland, in die USA oder sonstwo einreisen, ist nicht auszuschließen.

Deswegen muss man sicherlich aufpassen, wenn jemand aus Guinea kommt und irgendwelche Erkrankungen-Zeichen entwickelt. Man muss sich dann fragen, ob er Kontakte zu Ebola-Virus-Patienten hatte. Das macht sicherlich Sinn. Das Ebola-Virus ist aber an sich nicht übertragbar. Da ist auch diese Pressemeldung von Médecins Sans Frontières, die ein bisschen fehlgeleitet ist. Das Ebola-Virus überträgt sich nur durch enge körperliche Kontakte. Insofern ist die Gefahr jetzt nicht groß, wenn jemand nach Deutschland oder nach Europa einreist und meinetwegen tatsächlich mit dem Ebola-Virus infiziert ist, dass es eine Epidemie auslösen könnte, wie es in Guinea momentan ist. Ich glaube, man kann das etwas beruhigter betrachten.

Und wenn diese Person mit Ebola-Virus in einem Zug oder in einem Bus oder in der Berliner U-Bahn sitzt? Es ist doch eng!

Ja genau, es ist so. Wir haben ein paar Erfahrungen, aber nicht sehr viele. Es gibt einige Erfahrungen von Touristen, die mit dem Marburg-Virus (das ist ein ganz ähnliches Virus wie Ebola) infiziert waren und von Uganda nach Deutschland oder in die Niederlande gekommen waren und einen ziemlichen langen Rückweg hatten. In der Zeit waren sie schon krank. Man hat hinterher nachgeguckt, nachdem diese Personen an der Infektion gestorben waren, ob die während der Reise Kontakt zu Personen hatten, ob die möglicherweise durch das Marburg-Virus angesteckt waren. Es hat sich herausgestellt, dass alle, die Kontakte hatten, sich nicht angesteckt haben, auch Leute, die zusammen in einem Hotelzimmer geschlafen haben oder die im Krankenhaus im gleichen Zimmer lagen. Insofern kann ich nur sagen, dass die Übertragungsgefahr von Ebola (Marburg-Virus) nicht sehr hoch ist. Man holt es sich, wenn man einen Krankren pflegt und wenn man bei einer Beerdigung dabei ist und die Leichname anfasst. Das ist in Afrika sehr üblich, und dabei stecken sich viele Menschen an.

Sie reden, als ob Ebola nicht gefährlich wäre!

Doch, das Ebola-Virus ist sehr gefährlich, wenn man sich mit ihm angesteckt hat. Die Chance, dass man dann daran stirbt, ist sehr hoch. Man schätzt, dass sie bei der jetzigen Epidemie bei 70 Prozent liegt. Aber die Übertragungsmöglichkeit des Ebola-Virus ist nicht so wie bei der Grippe. Ein Grippevirus wird über die Luft übertragen. Teilweise über weite Strecken. Bei dem Ebola-Virus muss der Kontakt über Körperflüssigkeiten sein, der zur Infektion führt.

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