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24 Juli 2014, 13:22

Irak-Prognosen: Amerika lässt dem Iran militärisch Vortritt

Irak-Prognosen: Amerika lässt dem Iran militärisch Vortritt

STIMME RUSSLANDS Vor dem Hintergrund der Dschihadisten-Offensive hat der irakische Ministerpräsident wenig Chancen, sein Amt zu behalten. Und die USA haben offenbar ihre spezifischen Gründe, um auf einen neuen Militäreinsatz im Irak zu verzichten. Die russische Presse klärt über die Hintergründe auf.

Rückschlag für al-Maliki

Wie die russische Tageszeitung „Kommersant“ am Donnerstag schreibt, schürt die Offensive sunnitischer Radikaler politische Turbulenzen in Bagdad. Kürzlich hat das Land einen neuen Parlamentspräsidenten bekommen. Laut Verfassung wählt das Parlament auch einen Staatspräsidenten, der dann einen Regierungschef nominieren soll.

Das Blatt kommentiert: „Die brisanteste Frage der irakischen Politik besteht im Moment darin, ob der derzeitige Regierungschef Nuri al-Maliki sein Amt behalten kann. Er regiert das Land seit 2006 und hat bereits zwei Amtszeiten hinter sich. Doch der Aufstieg radikaler Islamisten, die den irakischen Behörden den Krieg erklärten und einen wesentlichen Teil des Landes erobern konnten, geht nach Ansicht vieler Menschen im Irak und im Ausland auf die gescheitere Politik von al-Maliki zurück. Dessen zahlreiche Opponenten werfen ihm vor, die sunnitische Minderheit gegen das Kabinett aufgebracht zu haben, und zwar durch die Versuche, sie zu unterdrücken. Davon machten die Ideologen des Islamischen Staates im Irak und in Syrien (ISIS) Gebrauch.“

In der vergangenen Woche habe der Regierungschef überraschend auch die maßgeblich wichtige Unterstützung der schiitischen Gemeinde verloren, so der Bericht weiter: „Der bedeutendste schiitische Geistliche im Irak, Ajatollah Ali al-Sistani, richtete einen Brief an Herrn al-Maliki und schrieb, er wolle ihn nicht als nächsten Regierungschef sehen. Dieses Signal wurde gehört: Mitglieder der regierenden Koalition erklärten einer nach dem anderen, dass sie al-Malikis Kandidatur nicht unterstützen werden.“

Warum die USA nicht eingreifen

Experte Stanislaw Iwanow vom russischen Orientalistik-Institut beschäftigt sich mit der Frage, ob die USA im Irak militärisch eingreifen würden. Die „Nesawissimaja Gaseta“ zitierte ihn am Donnerstag mit den Worten, ein US-Einsatz sei wenig wahrscheinlich. Amerika überlasse lieber dem schiitischen Iran die Möglichkeit, dem Irak militärisch zu helfen. Einige iranische Militäreinheiten sind laut Iwanow bereits im Irak und bereiten sich darauf vor, Bagdad vor den angreifenden Sunniten zu verteidigen.

„Ein sunnitisch-schiitisches Gemetzel umfasst mittlerweile die ganze Region, darunter Syrien, den Irak und den Libanon. Das US-Außenministerium und die CIA sind der Meinung, dass die Sunniten und die Schiiten einander weiter töten sollen. Es ist nicht auszuschließen, dass Washington den Iran in einen Zweifrontenkrieg (in Syrien und im Irak) involvieren will, um ihn zusätzlich zu schwächen“, so der Experte.

Außerdem widerspreche ein US-Militäreinsatz dem allgemeinen außenpolitischen Kurs von Barack Obama, der die US-Militärpräsenz in Konfliktregionen reduzieren wolle: „Auch rein militärisch wäre ein US-Einsatz sinnlos. Ein schneller Sieg über die ISIS-Gruppe ist wenig wahrscheinlich, denn man kann die dichtbesiedelten Gebiete nicht aus der Luft bombardieren. Und ein Heereseinsatz wird Verluste unter US-Soldaten zur Folge haben. Außerdem verfügen die ISIS-Kämpfer über modernste erbeutete Waffen aus amerikanischer und russischer Produktion.“

Darüber hinaus könnte ein neuer US-Einmarsch in den Irak laut Iwanow darauf hinauslaufen, dass internationale Islamisten-Gruppen weltweit aktiver werden. Dann seien neue Terroranschläge in den USA und in der EU möglich. Deshalb ziehe man derzeit weder in Bagdad noch in Washington einen US-Militäreinsatz in Betracht, hieß es.

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