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31 Juli 2014, 19:21

Putin-Versteher werden angeklagt

Putin-Versteher werden angeklagt
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STIMME RUSSLANDS Es war als Satire gedacht, endet aber im Ernst. Zwei Kabarettisten der ZDF-Satireshow "Die Anstalt" rücken hochkarätige Journalisten in die Nähe von Lobbyverbänden. Zwei von ihnen haben sich gewehrt und eine einstwillige Verfügung gegen die Folge ausgestellt. Wie weit darf deutscher Journalismus abhängig und meinungsmachend sein? Das hat Hendrik Polland den Medienkritiker Jo Groebel gefragt.

Herr Groebel, die "Zeit"-Journalisten Josef Joffe und Jochen Bittner haben eine einstweilige Verfügung gegen einen Beitrag der ZDF-Satiresendung "Die Anstalt" erwirkt. Vorher hatten die Kabarettisten und Moderatoren Claus von Wagner und Max Uthoff zum Beispiel die beiden in die Nähe von Lobbyverbänden gerückt. Wie sehr gehören solche Verbindungen zum Alltag in der deutschen Medienlandschaft?

Ich gehe davon aus, dass die meisten Journalisten darauf achten, unabhängig zu sein. Ich wünschte mir, dass das für die meisten anderen Länder auch gelten würde, dass die Journalisten so unabhängig sind. Erstaunt war ich trotzdem, dass man jetzt gegen eine Satiresendung vorgeht.

Der Vorwurf lautet, dass die Angaben falsch sein sollen. Dagegen widerspricht einer der Moderatoren, Uthoff. Die Vorwürfe seien nicht falsch, eher ungenau. Hoffe sagt, dass Rufschädigendes über ihn verbreitet worden ist. Er sei in die Ecke von Nato-Verstehern und Aufrüstungsbefürwortern gestellt worden. Sind die Reaktionen der "Zeit"-Journalisten dann gerechtfertigt?

Ich würde immer davon ausgehen, dass ein Journalist bessere Waffen hat als das Gericht. Bei Herrn Joffe hätte es auch gereicht, wenn er gesagt hätte, dass er zwar zu Gast bei einer Veranstaltung war, aber nein, jetzt nicht Mitglied sei. Abgesehen davon sind auch Journalisten Mitglieder einer Partei oder sie gehören zu Interessenverbänden.

Wenn das so ist, wie unabhängig ist deutscher Journalismus?

Ich glaube, dass es sehr wenige Länder gibt, in denen auch die Regierung so kritisch und mit einer gewissen Bösartigkeit behandelt werden kann, ohne dass das riesige Strafaktionen zur Folge hat. Ich würde die Fahne des deutschen Journalismus immer hochhalten und sagen: Klar gibt es hinter den Kulissen Verbindungen. Aber insgesamt ist der deutsche Journalismus unabhängig.

Wenn man das Thema Russland herausgreift. Dann fällt aber auf, dass die deutschen Medien anscheinend einheitlich russlandkritisch agieren. Ein Beispiel ist der jüngste Aufmacher des Wochenmagazines "Spiegel" mit dem Titel „Stoppt Putin Jetzt“. Findet da keine klare Meinungsmache statt?

Wenn man den Titel nimmt, dann kann man sagen, dass das auch eine durchaus polemische Meinung ist. Wenn man den Spiegel dann aber liest, würde ich daraus eher sehen, dass hier eine relativ große Enttäuschung gegenüber Putin gegeben ist. Ihn nimmt man sehr wohl ernst als einen einflussreichen starken führenden Politiker und man eher enttäuscht war, dass Putin nicht genügend Einfluss genommen hat, als es darum ging, die Leichen des über der Ostukraine abgestürzten Flugzeuges MH17, zu bergen. Als es darum ging, prorussische Kräfte, die sich als Putin-nah bezeichnen, ein wenig mehr zu beeinflussen. Das man wenigstens in Würde die Toten bergen kann am Absturzort. Das habe ich vor allem beim "Spiegel" gelesen. Natürlich haben auch Medien eine Meinung. Aber viele Medien in Deutschland haben auch den Eindruck: Mensch, eigentlich hatten wir und haben hoffentlich auch jetzt noch eine ganz gute Verbindung. Dort gibt es diplomatische Kanäle, die immer ganz gut funktioniert haben. Ich würde das, was in den deutschen Medien steht, als Stellungnahme sehen. Aber es ist kein unreflektiertes Raufdreschen auf Russland, Putin oder wen auch immer.

Die einstweilige Verfügung hat zumindest bewirkt, dass das ZDF die Sendung aus der Mediathek herausgenommen hat. Kann solch ein Beispiel als Präzedenzfall für Weiteres gelten, wenn über die möglichen Verbindungen von Lobbyverbänden zu Journalisten berichtet wird?

Das ZDF hat die Sendung zunächst aus der Mediathek herausgenommen. Das hängt mit der laufenden juristischen Angelegenheit zusammen. Das ZDF hat auch sehr deutlich signalisiert, dass diese Sendung zu sehen ist, sobald ein Urteil zugunsten des ZDF ausfallen sollte. Ich halte es für außerordentlich unwahrscheinlich, dass da jetzt im Hintergrund irgendeine Verschwörung stattfindet, zum Beispiel zwischen Stiftungen, Zeit-Journalisten und der ZDF-Spitze. Ganz im Gegenteil: Das ZDF hat klar signalisiert, dass es hinter den eigenen Moderatoren steht und dass sie das als Satireshow mit Meinungsäußerung sehen. Das die Sendung jetzt herausgenommen wird, ist kein Zensurakt, sondern eine juristische Notwendigkeit.

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